Reden wir über Geld: Helme Heine "Fast den Milchmann erschossen"

Kinderbuchautor Helme Heine über sein Leben in Afrika und Neuseeland, Millionen-Bestseller, Tantiemen und das Vorbild für sein Schwein Waldemar - Helmut Kohl.

Interview: A. Hagelüken u. H. Wilhelm

Kinderbuchautor Helme Heine, 69, und seine Frau Gisela von Radowitz, 69, leben in Neuseeland, an der Bucht, an der einst Captain Cook landete. Auf ihrem Segelboot dort ist die Idee für ihren Roman "Der verlorene Sohn" entstanden. Viel bekannter als Heine sind die von ihm gezeichneten Tiere wie Franz von Hahn, Johnny Mauser und das Schwein Waldemar. Heines Bilderbücher verkaufen sich weltweit millionenfach. Er möchte aber nicht, dass seine Figuren massenhaft von Tassen und Klopapier grinsen.

SZ: Helme Heine, reden wir über Geld. Nach dem BWL-Studium gingen Sie mit 27 nach Afrika, wo Sie niemand kannten. Wie war das?

Heine: Ich habe mir eine kleine Hütte besorgt und wurde acht Mal ausgeraubt. Ich hatte kaum noch was zum Zudecken. Merkwürdigerweise wurden nie meine Jacken geklaut, nur die Hosen. Dann kaufte ich mir eine Elefantenbüchse und sagte: Den nächsten Dieb legst du um.

SZ: Und?

Heine: Ich höre eines Morgens Schritte, schrecke hoch, springe raus mit der Flinte - da fällt eine Flasche zu Boden. Ich hätte fast den Milchmann erschossen. (lacht)

SZ: Wovon lebten Sie?

Heine: Ich pumpte Geld von Freunden, ich hatte ja fast nichts mehr.

SZ: Und danach?

Heine: Die brauchten alles in Südafrika, nur keine Betriebswirte. Ich arbeitete für die Werbeindustrie. Sie lancierten ein deutsches Bier und wollten das Oktoberfest nach Afrika holen. 1967 war das.

SZ: Hat nicht geklappt, oder?

Heine: Wir verschifften einen Festwagen mit geschnitzten Bierfässern aus Eichenholz und zwölf Kaltblüter. Als der Wagen ankam, hatte er riesige Risse vom Transport. Und war nicht mehr zu gebrauchen. (lacht) Das war eine völlig andere Welt damals. In Johannesburg hatte das höchste Haus vier Stockwerke und der Bürgersteig einen Streifen in der Mitte: auf der einen Seite gingen die Schwarzen, auf der anderen die Weißen.

SZ: Warum sind Sie nach Südafrika?

Heine: Mitte der sechziger Jahre war die Welt noch ganz anders. Deutschland war so kleinkariert, selbst das Betreten des Rasens war verboten. Ich wollte einfach raus. Afrika beeindruckte mich tief. Es gab noch Naturaltausch. Die Schwarzen im Lebensmittelladen zahlten mit Cashewnüssen, die sie gepflückt hatten. Für eine Handvoll Nüsse bekamen sie ein bisschen Reis oder eine Zigarette oder Maismehl.

SZ: Und wie wurden Sie Zeichner?

Heine: Wir machten politisches Kabarett, gefährlich in einem Land, wo einen die Geheimpolizei verhaften konnte. Ich habe die Plakate gemalt. Und als ich mal ein Buch für die Kinder kaufen wollte, gab es nichts, was mir gefiel. Da dachte ich: Das kann ich besser. Mein erstes Buch war das "Elefanteneinmaleins". Die Elefanten legen ihre Klöße immer mitten auf die Straße. In meinem Buch legen sie jeden Morgen einen Kloß, bis sie zwei Jahre alt werden, dann legen sie zwei, dann drei. So geht das weiter, bis sie 50 Jahre alt werden. Und im nächsten Jahr legen sie nur noch 49 Klöße. Das ist die Midlifekrise. Bis es nur noch einer ist.

SZ: Was dann?

Heine: Mir wurde vorgeworfen: Das versteht doch kein Kind. Aber das Buch wurde ein Riesenerfolg. Ein Psychiater aus der Schweiz schrieb mir, es sei toll, wie ich die Freudsche Analphase in eine Geschichte verpackt habe. (lacht)