Mutmaßliches Schneeballsystem Tausende Anleger vermutlich um 100 Millionen Euro betrogen

Sie wollten Renditen von 15,5 Prozent - und sie wurden womöglich getäuscht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft könnte eine New Yorker Firma Tausende deutsche Anleger um 100 Millionen Euro gebracht haben. Bei einer internationalen Razzia verhaften Ermittler drei Personen.

Gibt es in Deutschland einen neuen schweren Fall von Anlagebetrug? Nach Angaben der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft sollen 4000 Anleger mit Anteilen an der New Yorker Firma Business Capital Investors (BCI) um rund 100 Millionen Euro geprellt worden sein. Mehr als 120 Ermittler rückten deswegen zu einer internationalen Razzia aus.

Die Anteile an der BCI seien über Finanzberater vertrieben worden. Anleger wurden mit einer Rendite von 15,5 Prozent gelockt. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich bei der BCI um ein Schneeballsystem handelt und vermeintliche Erträge aus neu angeworbenen Einlagen gezahlt wurden. "Wir haben bis jetzt keine renditeträchtige Geschäftstätigkeit dieses Unternehmens feststellen können", sagte Oberstaatsanwalt Ralf Möllmann der dpa.

116 Ermittler des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts und sieben Staatsanwälte waren am Montag unterwegs, um dem Verdacht nachzugehen. Sie untersuchten 13 Wohnungen und Büroräume in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen und Hessen sowie Räumlichkeiten in der Schweiz, Litauen, Spanien und Kanada. Gegen drei deutsche Beschuldigte im Alter von 50, 64 und 66 Jahren wurden Haftbefehle vollstreckt. Die Festnahmen seien im niedersächsischen Oldenburg, im Raum Köln und im Ausland erfolgt.

Die Ermittlungen seien auch durch Hinweise von Schweizer Strafverfolgern angestoßen worden. Die Stiftung Warentest hatte schon 2005 vor BCI gewarnt und das Unternehmen auf seiner Warnliste geführt. Damals hatte die Finanzaufsicht Bafin einem Finanzberater das Verkaufen von BCI-Beteiligungen untersagt. Einem Aachener Rechtsanwalt wurde verboten, Anlegergeld für die BCI als Treuhänder anzunehmen.

In Deutschland hatte in den vergangenen Jahren der Fall des Fondsmanagers Helmut Kiener für Aufsehen gesorgt. Das Gericht sah es in seinem Urteil als erwiesen an, dass Kiener bis 2009 mit manipulierten Fonds 5000 Kleinanleger und zwei Großbanken um mehr als 300 Millionen Euro geprellt hat. Noch größer war der Fall des US-Amerikaners Bernard Madoff, der Anleger mit einem Schneeballsystem um 50 Milliarden Euro gebracht hatte und dafür in New York zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.