Martin Zielke zu Kontoüberziehung Commerzbank-Vorstand ist für Dispo-Warnanrufe

Martin Zielke, Privatkundenvorstand der Commerzbank

(Foto: dpa)

Sollen Banken ihre Kunden anrufen, wenn die ihr Konto überziehen? Die Deutsche Bank hält das für Belästigung, für einen Commerzbank-Vorstand gehört es zum Service. Er überlegt auch, Kunden mit 100 Euro zu ködern - was die Konkurrenz wütend machen dürfte.

Von Harald Freiberger und Andrea Rexer, Frankfurt

Die Commerzbank könnte bald ihre Prämie für Neu-Kunden verdoppeln. Bisher lockt die zweitgrößte Bank des Landes Neukunden mit einer "Zufriedenheitsgarantie" von 50 Euro, wenn sie ein Girokonto abschließen. Eine Verdoppelung der Garantie sei immer eine Option, sagte Privatkunden-Vorstand Martin Zielke im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. "Bei 100 Euro würde es sich sogar noch mehr rechnen", so Zielke. Das könnte für zusätzlichen Ärger bei der Konkurrenz sorgen, die bisher schon dieses Marketing-Instrument der Commerzbank scharf kritisiert.

Zudem sprach sich Zielke im Interview für eine gesetzliche Warnpflicht bei Dispo-Zinsen aus. "Ich bin nicht gegen eine gesetzliche Regelung. Warum auch? Zu einer guten Beratung gehört, die Kunden aktiv anzusprechen. Gerade in schwierigen Situationen. Da stimmen wir mit der Politik überein", sagte Zielke. Damit widerspricht er der Deutschen Bank, deren Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen kürzlich eine solche Regelung als überflüssig kritisiert hatte.

Hintergrund ist ein Vorhaben des Verbraucherschutzministeriums. Minister Heiko Maas (SPD) will Banken dazu verpflichten, Kunden aktiv zu informieren, sobald sie ihr Konto überziehen und Dispo-Zinsen fällig werden. Mit dieser Warnpflicht reagiert die Politik auf die Kritik von Verbraucherschützern, die seit langem anprangern, dass Banken ihre Kunden mit hohen Dispo-Zinsen abzocken würden.

Auch bei den kleineren Banken löst das Vorhaben unterschiedliche Reaktionen aus: Der Genossenschaftsverband BVR äußerte sich gegenüber der Süddeutschen Zeitung kritisch und wies auf Umsetzungsprobleme einer solchen Warnpflicht hin. Die Sparkassen hingegen zeigen sich ebenso offen wie die Commerzbank: "Was die Vorstellungen der Politik nach aktiver Information von Kunden angeht, sind wir gesprächsbereit", sagt ein Sprecher des Sparkassenverbands.

Das gesamte Interview mit Martin Zielke lesen Sie in der Süddeutschen Zeitung vom 18.03.2014 oder in der digitalen Ausgabe auf dem iPad oder Windows 8.