Kaum eine Geldanlage war bei den Deutschen so begehrt wie die Lebensversicherung. Doch nun zweifelt ein Anbieter wie der Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard an dieser Form der Altersvorsorge, und viele Verbraucher kündigen ihre Verträge. Was ist passiert?
Es erscheint widersinnig: Da gibt es zwei Meldungen an einem Tag, die nicht zusammen passen. Nachricht Nummer eins: Die Bundesregierung befürchtet eine drastische Zunahme der Altersarmut und will deswegen eine Kommission einsetzen. Mitteilung Nummer zwei: Der Chef des weltgrößten Rückversicherers Munich Re, Nikolaus von Bomhard, zweifelt am Produkt der Lebensversicherungen aus Anbietersicht. Ökonomisch betrachtet sei dieses Segment nicht sehr ertragreich, sagte Nikolaus von Bomhard der Financial Times Deutschland.
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Auf und Ab: Während die Neuabschlüsse von klassischen Lebensversicherungen seit 2004 abgestürzt sind, gibt es einen regelrechten Boom bei sogenannten Einmalbeitragsprodukten. Für die Zahlen auf die Grafik klicken.
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Deshalb halte er es auch nicht für problematisch, dass die Tochtergesellschaft Ergo in diesem Bereich Marktanteile verliere. Von Bomhard deutete an, dass sich die Schwerpunkte bei Ergo langfristig verschieben könnten. Weil die Ertragskraft der Lebensversicherungssparte problematisch sei, "muss man sich sehr genau überlegen, wo man wächst".
Lebensversicherungen sind eine der wichtigsten Stützen der Altersvorsorge in Deutschland. Es gibt kaum einen Deutschen, der nicht mindestens eine Police besäße: Etwa 91 Millionen Verträge gibt es hierzulande.
Allerdings sind die Zweifel an diesem Instrument gegen Altersarmut nicht nur bei Anbietern wie dem Munich-Re-Chef gewachsen, auch bei der Kundschaft hat die Lebensversicherung an Attraktivität verloren: Immer weniger neue Verträge werden abgeschlossen, immer mehr alte frühzeitig gekündigt. Die Stornoquote lag im vergangenen Jahr bei 6,17 Prozent - so hoch wie nie zuvor. Was ist geschehen?
Kaum noch lohnenswert
"Vielen fällt es wegen der Finanzkrise zunehmend schwer, den Beitrag für ihre Lebensversicherung vom Gehalt abzuknapsen", sagt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg. Da ist der Maschinenbauer, der seinen Job verloren hat. Oder die Ingenieurin, die monatelang kurzarbeiten musste und plötzlich nur noch einen Bruchteil des gewohnten Einkommens überwiesen bekommt. "Diese Menschen können die rund 1000 Euro, die sie jährlich für ihre Lebensversicherung ausgegeben haben, nicht mehr stemmen", so Castelló.
Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum sich die Deutschen von Lebensversicherungen als Geldanlage abwenden. Sie lohnen sich kaum noch, finden viele. Eine Beispielrechnung macht das deutlich: Ein Mann, Nichtraucher, beginnt im Alter von 30 jährlich 1200 Euro in seine Kapitallebensversicherung einzuzahlen und hält das 30 Jahre lang durch. 103.900 Euro bekam er noch im Jahr 2000 dafür ausgezahlt. Zehn Jahre später sind es bei gleicher Vertragskonstellation nur noch 86.600 Euro (bitte auf die Grafik klicken) - das sind 17.300 Euro, die ihm im Alter fehlen.
"Die Auszahlungshöhe wird in Zukunft noch weiter abnehmen" sagt Manfred Poweleit, Chef des Branchendienstes Map-Report. Grund dafür sei die Niedrigzinspolitik, die seit Ausbruch der Finanzkrise von den Notenbanken noch konsequenter verfolgt wird als zuvor.
Verlust ausgeschlossen
Der langfristige Kapitalmarktzins seit 1955 liegt bei 6,57 Prozent. Aber dieser Wert wurde seit Mitte der neunziger Jahre nicht mehr erreicht. Im Moment liegt die Umlaufrendite festverzinslicher Wertpapiere, die den größten Anlageanteil von Versicherungen ausmachen, bei nicht einmal drei Prozent. Die Unternehmen passen ihre Auszahlung daher immer weiter nach unten an. "Die aktuelle Verzinsung ist der schlechteste Wert seit Beginn unserer Aufzeichnungen", sagt Poweleit, der seit dem Jahr 1995 Daten von Lebensversicherungen analysiert.
Dennoch haben Lebensversicherungen im Vergleich zu Aktien oder Fonds einen klaren Vorteil: Der Anleger geht kein Risiko ein, sein Geld zu verlieren - zumindest, wenn er die vereinbarte Vertragslaufzeit durchhält. "Reich wird ein Anleger durch seine Lebensversicherung zwar nicht", sagt Experte Poweleit. Schlimmstenfalls müsse er einen geringeren Vermögenszuwachs verkraften, ein Verlust sei aber ausgeschlossen. Und das ist doch auch schon etwas, in Zeiten wie diesen.
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(SZ vom 18.08.2010/pak/mel)
Moderne Verwaltung
Ja,ja die Sicherheit. Schön wenn man weiß, daß es im Altersruhestand nicht all zu ruhig ist und SICHER sein kann, daß man gar keine Zeit hat den Tag zu vertrödeln. Morgens Zeitung austragen und ab Nachmittag bei McDonalds hinterm Tresen Bestellungen annehmen.
Die suchen bereits Heute per Werbefilmchen die Generation "Sicherheit" als Personal.
Wer hätte das vor 20 Jahren für möglich erachtet?
Damals war ich übrigens als Rentenberater unterwegs und die heutigen Heulsusen von Rentnern haben damals noch gemeint "...der Staat wird uns schon nicht verhungern lassen..."
Man- was für ein Schenkelklopfer!
in Zertifikate, Anleihen und Aktien investieren? Bei Ihrem Diversifikationstipp haben Sie noch die bayerischen Kasinos vergessen. Wenn man eine Lebensvers./Rentenvers. durchzahlt, ist das allemal besser als das Genannte (vom Standpunkt Sicherheit gesehen).
Grob pauschaliert verdoppelt sich alle 15 Jahre das Buchgeld bzw. (weil die Gütermenge eher langsamer steigt) verdoppeln sich alle 15 Jahre die Preise.
Man zahlt also im Beispiel 36000 Euro je Jahr ein und sollte dann wenigstens nach 30 Jahren das vierfache herausbekommen: 144000 Euro. Das war noch nie der Fall. Und natürlich achten die Versicherer als Geschäftsleute darauf, daß sie Gewinn machen. Sowohl Spekulationsgewinn, weil sie das anvertraute Geld anderweitig nutzen. Als auch Direktgewinn, weil sie dem Einzahler niemals das zurück geben, was er ausgelegt hat. Naiv gesagt beruhte das gesamte Geschäft auf dem Grundsatz: zahle einen Euro ein, solange du dafür 5 Kaugummi kaufen kannst - bekomme ihn zurück, sobald da damit nur noch 1 Kaugummi kaufen kannst.
Hi,
wenn ich 100 Euro monatlich einzahle auf 30 Jahre kommt eine Einzahlung von 36.000 Euro raus. Bei dem Beispiel wurde mit einer Durchschnittverzinsung von 5,5% ohne Kosten gerechnet. Das kann gar nicht passen.
Realistischer wäre ein Endbetrag von ca. 51.000 Euro (Garantiezins 2,25%), aber auch hier fehlen die Kosten, die bei Versicherungen ja nicht gerade klein sind!
Mein Rat an alle, spart lieber in Fonds und verwaltet diese Aktiv! Natürlich sollten diese nicht bei den Banken abgeschlossen werden, Ausgabeaufschläge von 5% und mehr fehlen dann wieder.
"Lebensversicherungen sind eine der wichtigsten Stützen der Altersvorsorge in Deutschland."
Sie haben leider ein wichtiges "r" vergessen: hinten bei Altersvorsorge (r).
Für alle die meinen eine LV sei eine Lösung für die Einkommenslücke im Alter, die sollten mal den netten Zeitungsaustäger fragen, ob er sich das in seiner Jugend so vorgestellt hat.
Auch die vollen 103 000,-- Euro aus dem Beispiel würden so nicht viel bewegen. Kaufkraftmäßig sind das bei 3% Inflation 2040 noch knappe 40000 Euro. Sozusagen ein 3er BMW inkl. Tankfüllung. Bei 86 500,-- Euro allerdings ohne Tankinhalt.
Prima Lösungsvorschlag für jemanden der nicht Älter als 75 werden will oder es sich leisten kann Bus zu fahren.
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