SZ: Seit Ausbruch der Finanzkrise arbeiten Sie nicht mehr bei der Bank. Sie haben schon während ihrer Arbeit als Händlerin eine "Citygirl"-Kolumne in einer Zeitung geschrieben. So heißt auch Ihr Buch, das nun erschienen ist. Wie reagierten Ihre früheren Kollegen darauf?
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Stcherbatcheff: Die fanden das cool. Ich habe ja niemandem ans Bein gepinkelt, sondern nur das erzählt, was ich wirklich erlebt habe. Und zwar aus der Perspektive einer Frau, die sich in einer sehr männlich dominierten Welt durchsetzen musste.
SZ: Fühlten Sie sich in dieser Welt wohl?
Stcherbatcheff: Ich liebte es. Ich lernte verdammt viel. Und ich möchte Frauen ermutigen, in der Machowelt zu arbeiten. Niemand hat mich jemals schlecht behandelt, niemand hat mich belästigt.
SZ: Wie hat die Krise die Welt der Banker verändert?
Stcherbatcheff: Sie war ein Realitätscheck. Die letzten 15 Jahre waren Jahre der Deregulierung. Die City machte das, was sie wollte. Sie erfand Produkte wie CDO und CDS und verpackte faule Papiere und verkaufte sie weiter. Niemand hat die Banken kontrolliert. Keine Politiker, keine Aufseher, keine Journalisten. Die Finanzjongleure brachen keine Gesetze - aber es gab einfach keine Grenzen.
SZ: Gab es auch keine moralischen Grenzen? Die gesamte Weltgemeinschaft leidet jetzt unter dem, was die Finanzbranche verbrochen hat.
Stcherbatcheff: Nein, es gab keine moralischen Bedenken. Als Händler musste man zwanzig, dreißig, manchmal vierzig Prozent Gewinn liefern. Wie man das schaffte, interessierte niemanden. Man musste es nur schaffen. Die Banken stellten Leute wie mich ein, die Geld machen wollen, nicht Leute, die moralische Bedenken haben. Menschen, die fragen, ob wir nicht zu viel Geld machen oder zu hohe Risiken eingehen, gibt es in den Bankentürmen nicht.
SZ: Verändert die Krise das Denken der Banker?
Stcherbatcheff: Ich hoffe. Die Banker haben das Vertrauen der Bürger verloren. Sie können nicht einfach so weiter machen. Es kommt vor allem darauf an, dass die Finanzmärkte stärker reguliert werden. Wenn das nicht passiert, machen die Banker weiter wie vor der Krise. Klar ist: Die City ist nicht fähig sich selbst zu regulieren. Aber die Banker haben erkannt, dass so etwas wie die Krise immer wieder passieren könnte. Sie gehen mit ihren Bonus-Zahlungen nicht mehr so hemmungslos um.
SZ: Wann erkannten Sie, dass die Banker ein zu großes Rad drehten?
Stcherbatcheff: Als Lehman Brothers vor die Hunde ging. Dann brach das Chaos aus. Die Händler wussten nicht mehr, was sie tun sollten. Jetzt ist alles kleiner geworden. Ein Freund von mir arbeitet bei Citigroup. In der Kantine bekommt jeder nur noch eine Serviette. Einmal fragte er, ob er eine zweite haben könnte - nein, das sei nicht erlaubt, sagte die Frau an der Kasse.
SZ: Sind Frauen bessere Händler als Männer?
Stcherbatcheff: Frauen nehmen keine so wilden Risiken auf sich. Sie arbeiten kontinuierlich, dafür aber mit gleichbleibenden Gewinnen. Es gibt nicht so große Ausschläge nach oben - aber dafür auch nicht nach unten. In London sind nur fünf Prozent der Händler Frauen. Es gibt aber keinen Grund, dass sie es nicht machen sollten. Viele Firmen sind gerade jetzt offen für neue Ideen, und im Risikomanagement können Frauen ihre Ideen einbringen.
SZ: Was war die höchste Summe, die Sie für die Bank verzockt haben?
Stcherbatcheff: Ich habe an einem Tag mein Monatsgehalt verloren.
SZ: Wie viel war das?
Stcherbatcheff: Das darf ich nicht sagen. Aber es war verheerend. Ich habe eine falsche Entscheidung getroffen. Was genau, weiß ich nicht mehr. Ich dachte, irgendwas geht rauf, aber dann ging es runter. So ist es halt. Ganz einfach (lacht).
SZ: Wenn man Ihnen zuhört, hat man das Gefühl, die hohen Summen, die Sie bewegten, waren wie Spielgeld.
Stcherbatcheff: Verluste sind Teil des Spiels. Um ein guter Händler zu sein, muss man nicht intelligent sein. Es geht darum, risikobereit zu sein und sich gleichzeitig abzusichern.
SZ: Haben Sie wegen der Krise auch persönlich Geld verloren?
Stcherbatcheff: Nein. Ich habe keine Aktien.
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(SZ vom 26.02.2010/hgn/odg)
Ägypten
in denen sich die von allen praktischen und realen Grundlagen vollkommen abgehobenen und/oder entfernten Handels-, Umsatz- oder Zockerorgien abspielen, werden sich schwerlich in den Bereich jener Menschen kommunizieren lassen, die nicht in der Traumfabrik der City herumvisionieren, analysieren und schlussendlich immer wieder auf eine gerade, eine ungerade Zahl oder eine Farbe setzen.
Diese Wahnwelt, in der diese "Cityboys und Citygirls" herum karjolen, hat es stets in den Zeiten gegeben, in denen Gesellschaftssysteme ihren feudalistischen Kulminationspunkt erreichten und ein kleiner Klüngel von Handlangern der jeweils herrschenden Besitzfeudalherren ( und -damen), ihre "Spielchen" spielten, ihre Selbstinszenierungen durch wechselseitige Bestätigungen und Huldigungen vor sich selbst legitimierten.
Da all dies aber die Existenzgrundlagen der Mehrheitsbevölkerung bis in den Kern zerstört, gilt ein Satz, der mit flammenden Lettern an die Wände der Cities geschrieben werden sollte:
You are deling with lifes. Lives who want to live, under every circumstances and by every mean, even if this means the physical extermination of the gamblers of the stock exchange casinos.
Ich würde an der Stelle der geistig-ethisch verwahrlosten Cityboys und -girls nicht davon ausgehen, dass meine Lebensbedingungen selbstverständlich und qua Kapitalbesitz unantastbar sind.
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich arbeite seit über 15 Jahren als Wertpapierhändler in London und Deutschland bei einer europäischen Grossbank, verfüge über Erfahrung in allen Asset-Klassen und bin in leitender Position tätig. Das Interview hat bei uns im Handelsraum grosses Unverständnis, Unglauben, aber auch Schmunzeln ausgelöst, zum einen, weil hier mit sehr realitätsfremden Pauschalurteilen eine Berufsgruppe verunglimpft wird, die ohnehin schon in den negativen Schlagzeilen ist. Und zum anderen, weil sich der Eindruck aufdrängt, daß Frau Stcherbatcheff nicht wirklich aus der Branche ist, oder dass bewusst sehr kreativ mit den Fakten umgegangen wird, um Aufmerksamkeit zu erhaschen.
Mir ist kein Händler bekannt, der um 16.00 schon fertig ist. Das koennte eventuell auf Kollegen zutreffen, die japanische Aktien oder Anleihen handeln. Die fangen dann aber in London so nach Mitternacht zu arbeiten an und nicht um 7 Uhr. Im Gegensatz zu Frau Stcherbatcheff kenne ich auch keinen Händler, der während der Arbeitszeit den Gang zur Toilette unterdrückt. Ihr Bekenntnis, dass alle Banker nur mit Leuten aus der City ausgehen ist definitv nicht repräsentativ, genausowenig wie die abgegriffene Metapher vom Stripclub. Die Aussage, dass die City das machte, was sie wollte, faule Papiere verpackte und verkaufte, zeugt in dieser Form aus dem Kontext gerissen von bestenfalls periphären Kenntnissen über wirtschaftswissenschaftliche Zusammenhänge. Sinnvoll wäre es hier gewesen, zumindest die Rolle der Rating-Agenturen, das Verlangen der Investoren nach hohen Renditen und die zu grosszuegige Ausstattung der Weltwirtschaft mit Liquiditaet durch die Zentralbanken zu thematisieren.
Im Gegensatz zu Frau Stcherbatcheff interessiert es das Management in den mir bekannten Investment-Banken sehr wohl, wie die Händler es schaffen, ihren Gewinn abzuliefern. Operative, Markt- und Kreditrisiken führen naemlich zu erheblichen Kapitalkosten. Zudem ist der überwiegende Teil der Händler nicht mit dem isolierten Eingehen von Risiko beschäftigt, sondern mit dem Risikomanagement der Positionen, die im Interesse ihrer institutionellen und Firmenkundschaft eingegangen werden.
Frau Stcherbatcheff hat nach eigener Angabe als höchste Summe an einem Tag ein Monatsgehalt für Ihren Arbeitgeber verloren. Für den unbeteiligten Leser mag sich das vielleicht viel anhören, denn das Monatsgehalt eines Londoner Händlers (ohne Bonus) liegt so in der Groessenordnung von 15.000 Pfund brutto.
....Tatsache ist aber, dass abgesehen von der Ausbildung von Trainees, die irgendwann auch mit "richtigem Geld" handeln duerfen, solche Tagesschwankungen einfach nicht existieren. Je nach Grundgeschäft, Assetklasse und Senioritaet des Haendlers sind Tagesgewinne oder -verluste von mehreren hunderttausend bis ein paar Millionen Euro die Regel. Ihre Arbeitgeber wussten anscheinend, weshalb sie Frau Stcherbatcheff solche Risiken nicht eingehen liessen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich arbeite seit über 15 Jahren als Wertpapierhändler in London und Deutschland bei einer europäischen Grossbank, verfüge über Erfahrung in allen Asset-Klassen und bin in leitender Position tätig. Das Interview hat bei uns im Handelsraum grosses Unverständnis, Unglauben, aber auch Schmunzeln ausgelöst, zum einen, weil hier mit sehr realitätsfremden Pauschalurteilen eine Berufsgruppe verunglimpft wird, die ohnehin schon in den negativen Schlagzeilen ist. Und zum anderen, weil sich der Eindruck aufdrängt, daß Frau Stcherbatcheff nicht wirklich aus der Branche ist, oder dass bewusst sehr kreativ mit den Fakten umgegangen wird, um Aufmerksamkeit zu erhaschen.
Mir ist kein Händler bekannt, der um 16.00 schon fertig ist. Das koennte eventuell auf Kollegen zutreffen, die japanische Aktien oder Anleihen handeln. Die fangen dann aber in London so nach Mitternacht zu arbeiten an und nicht um 7 Uhr. Im Gegensatz zu Frau Stcherbatcheff kenne ich auch keinen Händler, der während der Arbeitszeit den Gang zur Toilette unterdrückt. Ihr Bekenntnis, dass alle Banker nur mit Leuten aus der City ausgehen ist definitv nicht repräsentativ, genausowenig wie die abgegriffene Metapher vom Stripclub. Die Aussage, dass die City das machte, was sie wollte, faule Papiere verpackte und verkaufte, zeugt in dieser Form aus dem Kontext gerissen von bestenfalls periphären Kenntnissen über wirtschaftswissenschaftliche Zusammenhänge. Sinnvoll wäre es hier gewesen, zumindest die Rolle der Rating-Agenturen, das Verlangen der Investoren nach hohen Renditen und die zu grosszuegige Ausstattung der Weltwirtschaft mit Liquiditaet durch die Zentralbanken zu thematisieren.
Im Gegensatz zu Frau Stcherbatcheff interessiert es das Management in den mir bekannten Investment-Banken sehr wohl, wie die Händler es schaffen, ihren Gewinn abzuliefern. Operative, Markt- und Kreditrisiken führen naemlich zu erheblichen Kapitalkosten. Zudem ist der überwiegende Teil der Händler nicht mit dem isolierten Eingehen von Risiko beschäftigt, sondern mit dem Risikomanagement der Positionen, die im Interesse ihrer institutionellen und Firmenkundschaft eingegangen werden.
Frau Stcherbatcheff hat nach eigener Angabe als höchste Summe an einem Tag ein Monatsgehalt für Ihren Arbeitgeber verloren. Für den unbeteiligten Leser mag sich das vielleicht viel anhören, denn das Monatsgehalt eines Londoner Händlers (ohne Bonus) liegt so in der Groessenordnung von 15.000 Pfund brutto. Tatsac
habe ich die Redaktion per Email gefragt, ob Sie das Thema - sprich die Interviewte nicht einmal nach-recherchieren will, denn - und das hat auch ein anderer Forist hier festgestellt, die "Investmentbankerin" hat weder eine Lizenz noch war sie für die drei genannten Banken tätig.... Leider: eine Antwort bekam ich nicht.
Der ganze Text hier ist eine Merkwürdigkeit...gelinde gesagt.
Paging