Immobilienboom "Berlin-Mitte ist teurer als München-Mitte"

Architektin, 39 Jahre, Hamburg:

Vier Jahre lang habe ich nach einer Wohnung gesucht - dass es so lange gedauert hat, lag sowohl an mir als auch dem Immobilienmarkt. Aus meinem vorigen Apartment wollte ich nur ausziehen, um einen kürzeren Weg zur Arbeit zu haben. Ansonsten war alles perfekt: Hell, Altbau, Balkon - und das für 530 Euro warm. Mittlerweile gehen die Preise für eine solche Wohnung ab 700 Euro los. In diesen vier Jahren habe ich mir 30 bis 40 Immobilien angeschaut, vielleicht zehn waren dabei, die ich genommen hätte. Oft zogen sich die Bewerberschlangen vor dem Haus die ganze Straße entlang - nur ein Mal habe ich mich angestellt. Doch als ich es endlich nach innen geschafft hatte, waren die Interessentenbögen schon aus. Von Freunden habe ich gehört, dass den Maklern oft heimlich Geld zugesteckt wird.

Außerhalb von Hamburg ist das Angebot natürlich viel größer, doch gerade in beliebten Vierteln wie Eimsbüttel oder der Schanze hat man eigentlich nur über Mund-zu-Mund Propaganda eine Chance. Die Angebote, die dann im Internet landen, will keiner. Im September ist ein Kollege von mir umgezogen, dessen Wohnung habe ich nun übernommen und zahle für meine zwei Zimmer genauso viel wie vorher - und habe sogar zehn Quadratmeter mehr.

Journalistin, 34 Jahre, Berlin:

Mein halbes Leben lang will ich in die deutsche Hauptstadt ziehen. Einen Studienplatz hatte ich dort schon, Jobangebot ebenfalls, nach und nach sind fast alle Freunde in die Hauptstadt gezogen. Doch Berlin, dachte ich, geht später immer noch - und blickte aus Paris, Köln und München 15 Jahre lang wehmütig gen Osten, wo die Mieten immer billiger, die Wohnungen stets größer und die Wohnungssuchenden immer viel zufriedener waren. Sie schwärmten von Drei-Zimmer-Altbau-Wohnungen mit Holzdielen, Riesenküche, Badewanne mit Löwenfüßen, Flügeltüren - und das alles zu Spottpreisen, für die ich in Paris ein Loch, in Köln ein WG-Zimmer mit Blick auf die Bahn und in München mit viel Glück eine halbe Wohnung zahlen konnte. Jetzt, dachte ich, bin auch ich dran, und ziehe endlich nach Berlin.

Ich suche: Mitte, zwei Zimmer, Küche, Bad. Hell, schön, Altbau und wenn möglich nicht teurer als meine aktuelle Miete in München. Ich bekomme: Tatsächlich viele Angebote über ein Mietportal im Internet, fast täglich kommen neue hinzu. Allein: Das ist alles nichts. Wohnlöcher. Studentenbuden. Winzig, düster und nicht renoviert. Alles ohne Kücheneinbau. Oder mit einem Abstand für eine heruntergekommene Küche, der jeder Erwähnung spottet. Oder mit Provisionen zu Phantasiepreisen. Oder gleich alles zusammen. Gerne möchte auch der Vormieter seine verranzte Einrichtung loswerden - zu völlig überhöhten Preisen. Berlin-Mitte ist teurer als München-Mitte. Ich habe es inzwischen aufgegeben und suche nur noch über private Kontakte nach Wohnungen in Berlin. Da kann ich wenigstens sicher sein, dass ich nicht nur eine von Tausenden bin.