HSH Nordbank Dr. No und das Projekt Omega

HSH Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher soll tiefer in die Omega-Geschäfte der Landesbank verstrickt sein als bisher bekannt. Doch der Aufsichtsrat widerspricht.

Brisante Geschäfte, hohe Verluste: HSH Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacherwar angeblich nicht nur an der Genehmigung der Transaktion Omega 55 beteiligt, sondern auch am Vorgängergeschäft Omega 52. Dies berichtete der Sender NDR Info unter Berufung auf ihm vorliegende Dokumente.

Demnach habe Nonnenmacher im Juli 2008 kurz vor Beginn der Finanzmarktkrise die Verlängerung der Laufzeit von Omega 52 mit abgezeichnet.

Doch der Aufsichtsrat der HSH Nordbank widerspricht dieser Darstellung und hat dem angeschlagenen Institutschef das Vertrauen ausgesprochen.

Die Anwaltskanzlei Freshfields habe mitgeteilte, dass Nonnenmacher keine Pflichtverstöße vorzuwerfen seien, erklärte Aufsichtsratschef Hilmar Kopper. "Im Einzelnen stellt die Kanzlei fest, dass Herr Nonnenmacher weder an der Entscheidung über den so genannten Goldman CDS noch an der Entscheidung zu Omega 52 beteiligt gewesen ist und seine Zustimmung zum Omega 55 Engagement keinen Pflichtverstoß darstellt."

Durch Omega 52 wurde die HSH Nordbank einem vertraulichen Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zufolge bis Ende 2008 zu Abschreibungen in Höhe von 183 Millionen Euro gezwungen.

Enorme Verluste

Insgesamt mussten für die hochriskanten Wertpapiertransaktionen Omega 52 und Omega 55 mehr als 500 Millionen Euro abgeschrieben werden.

Das im Sommer 2007 für ein Jahr abgeschlossene Geschäft Omega 52 habe im Juli 2008 zur Verlängerung angestanden, berichtete der Sender.

Hätte sich die Bank dagegen entschieden, wären Abschreibungen in Höhe von 60 Millionen Euro nötig gewesen. Der Kapitalmarktvorstand der Bank, Jochen Friedrich, habe jedoch für eine Verlängerung votiert.

Absicherung im Kollegenkreis

Obwohl er diese Entscheidung hätte alleine treffen können, habe er den damaligen Vorstandsvorsitzenden Hans Berger und Nonnenmacher, damals für Finanzen und Risikomanagement zuständig, gebeten, das Papier nachträglich mit abzuzeichnen.

Friedrich habe in einem NDR Info vorliegenden Schreiben an Berger und Nonnenmacher festgehalten: "Aufgrund der ungewöhnlichen Struktur möchte ich Sie/Dich jedoch über die Transaktion informieren und bitte, diese mit abzuzeichnen."

Das Papier trage, wie auch der eigentliche Genehmigungsantrag für Omega 52, die Kürzel von Friedrich, Nonnenmacher und Berger.

Unterdessen konnte Kopper nach monatelanger Suche zwei neue Vorstandsmitglieder präsentieren. Der 56-jährige Constantin von Oesterreich kommt von der Deutschen Bank und übernimmt das Risikomanagement. Martin von Gemmeren (39), der seit 2006 für die HSH Nordbank arbeitet und zuvor Unternehmensberater war, soll die neue Abbaubank leiten.

Beide Vorstandsmitglieder wurden zunächst für den Zeitraum von drei Jahren berufen. Mit ihnen werde die Bank ihre Restrukturierung beschleunigt voranbringen, erklärte Bankchef Nonnenmacher, der zuvor drei Vorstandsressorts selbst geleitet hatte. Die Bankenaufsicht hatte eine Aufstockung des Vorstands angemahnt.