Hochhausfinanzierung in Bogotá Schwarm greift nach den Sternen

Bogotá bekommt das größte Hochhaus Kolumbiens. Finanziert wird das Luxusgebäude von mehr als 3000 Kleininvestoren, die bisher 170 Millionen Dollar zusammengetragen haben. Die Initiatoren des Crowdfundings haben noch größere Ziele - sie wollen eine ganz neue Stadt.

Von Peter Burghardt, Buenos Aires

Die Werbefilme und Anzeigen sind schon lange zu besichtigen, jetzt wächst auch das dazugehörige Gebäude in die Höhe. In Bogotá soll bis 2015 der höchste Wolkenkratzer Kolumbiens entstehen, am Rande der engen Altstadt. Wenn alles so klappt wie geplant, dann wird die Anlage namens BD Bacatá 66 Stockwerke hoch und bekommt 396 Wohnungen, 138 Büros, 38 Geschäfte und ein Luxushotel mit 542 Zimmern.

"Eine neue Ikone der Renovierung des Zentrums von Bogotá", heißt es auf der Website der Betreiber. Das allein wäre kaum der Rede wert. Südamerika erlebt einen Aufschwung, und auch andere Städte bauen fleißig Hochhäuser. Doch hinter diesem umstrittenen Projekt steht ein Zauberwort: Crowdfunding. Nicht ein großer Investor, sondern viele kleine Anleger haben dafür bezahlt.

"Crowd" steht für Masse, auf Deutsch wird zuweilen der Begriff Schwarmfinanzierung verwendet. Interessenten, die sich kein ganzes Apartment leisten können, kaufen sich Anteile. Sie investieren nicht in die üblichen Immobilienfonds - sondern in einen konkreten Komplex, der anders kaum zu finanzieren wäre. Statt in einen Pool von Vermögenswerten zahle man in einen einzigen Vermögenswert ein, erläuterte Rodrigo Niño von der Firma Prodigy Network der Bloomberg Businessweek das Projekt.

BD Bacatá gilt als das bisher größte Modell von Crowdfunding, 3200 Investoren haben bereits mehr als 170 Millionen Dollar zusammengetragen und versprechen sich hohe Wertsteigerung. Und die Anbieter haben noch größere Pläne. Sie träumen von einer neuen Stadt dieser Art. Unter dem Titel "My Ideal City" hat der Kolumbianer Rodrigo Niño gemeinsam mit zwei Architekten zwar noch keine ideale Stadt entworfen, aber bereits eine Seite im Internet. "Welche Methode würdest du für den Transport in Bogotá nützen?", lautet da eine Frage, oder "welches System würdest du für effektives Recycling verwenden?" Da könnten Bürger und globale Experten "die kollektive Vision der Zukunft einer Stadt definieren", erläutert Niño in einem Interview.

Er selbst stammt aus Bogotá und hat in New York gelebt. Mit den Erfahrungen aus Manhattan will er seine Heimatstadt verbessern und auch Geschäfte machen. Bislang sei Bogotá gewachsen "wie ein flacher Pfannkuchen", er wolle "mehr vertikales Wachstum und Verbesserungen in der Verkehrssituation". Statt ins Zentrum zu fahren, sollten die Leute also lieber dort wohnen.

Bogotá gilt als innovativ

Die kolumbianische Metropole leidet wie viele andere unter wahnwitzigen Staus, weil immer mehr Autofahrer in den Betondschungel drängen. Allerdings gilt Bogotá auch als innovativ. Busse fahren auf eigenen Trassen, Straßen werden gelegentlich für Fahrradfahrer gesperrt. Modell stand die brasilianische Stadt Curitiba. Ansonsten mauern sich wohlhabende Latinos lieber in Ghettos ein, nahe Guatemala-City wohnen Reiche sogar in einer eigenen Stadt.

Nicht nur deshalb hat das Crowdfunding-Experiment auch Gegner. Widersacher kritisieren Spekulation, mangelnde Infrastruktur und unpassende Form. Der Verkehr werde durch den BD Bacatá zunehmen. Stadtrat Darío Fernando Cepeda glaubt, da werde "in eine Pyramide" investiert.