"Goldener Windbeutel" für Werbelügen Schmähpreis für Hipp-Kindertees

Zweieinhalb Würfel Zucker in einer Tasse Tee: Der Babynahrungshersteller Hipp ist von Tausenden Verbrauchern zum größten Etikettenschwindler gewählt worden. Der Konzern hat auf den Druck reagiert.

Diesen Preis will niemand haben: Mit dem "Goldenen Windbeutel" straft Foodwatch die größten Werbelügen ab. In der Internetabstimmung haben die User entscheiden, dass in diesem Jahr die Firma Hipp am dreistesten gelogen habe. Sie verkauft Instant-Tees für Kleinkinder auf Zuckergranulat-Basis. Mit Wasser aufgegossen enthält eine 200-Milliliter-Tasse der Sorten "Früchte", "Waldfrüchte" und "Apfel-Melisse" zweieinhalb Stück Würfelzucker. "Eltern ein solches Produkt für Kleinkinder zu empfehlen, ist unverantwortlich", kritisierte Oliver Huizinga von Foodwatch.

Über den Anti-Preis stimmten rund 130.000 Verbraucher im Internet ab. 34,1 Prozent wählten Hipp zum größten Etikettenschwindler. Der Babykosthersteller hatte wegen der scharfen Kritik bereits angekündigt, die Tees voraussichtlich bis zum Jahresende vom Markt zu nehmen. In Zukunft will Hipp Kinder-Tees mit einem Zuckerersatzstoff anbieten. Der Verein Foodwatch veröffentlichte die Ankündigung von Hipp auf seiner Internetseite. Trotzdem warf Hipp der Organisation vor, die Verbraucher zu verunsichern und reagierte mit Unverständnis auf die schlechte Bewertung: Mit den Tees halte Hipp die Vorschriften der Diätverordnung für Kinder unter drei Jahre ein. Außerdem sei der Zuckergehalt auf den Tees angegeben und entspreche dem einer dünn gemischten Apfelschorle.

Auf dem zweiten Platz landete mit 27,5 Prozent das "Viva Vital Hackfleisch" vom Discounter Netto, das den Verbraucherschützern zufolge mit Wasser gestreckt sei. Platz drei belegte die laut Werbung den Cholesterinspiegel senkende Margarine "Becel pro-activ" von Unilever, gefolgt von "Clausthaler Classic" von der Radeberger Gruppe - das als "alkoholfrei" beworbene Bier enthält laut Foodwatch 0,45 Volumenprozent Alkohol. Auf den fünften Platz wählten die Verbraucher den Tee "Landlust Mirabelle & Birne" von Teekanne, laut Foodwatch ein Standard-Industrie-Früchtetee, der nur teurer verkauft werde.

Ferrero lehnte den Preis 2011 ab

Insgesamt wurde der "Goldene Windbeutel" zum vierten Mal vergeben. Foodwatch möchte gemeinsam mit den Verbrauchern Druck auf die Lebensmittelindustrie ausüben, damit diese ihre "irreführenden Werbepraktiken" aufgibt. Die bisherigen Windbeutel- Gewinner waren Milch-Schnitte von Ferrero (2011), Monte Drink von Zott (2010) und Actimel von Danone (2009). Ferrero hatte den Preis im vergangenen Jahr abgelehnt: Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Verbraucher die Werbung als irreführend empfänden.

Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode forderte die Bundesregierung auf, den Markt für Kinderlebensmittel zu regulieren. "Es dürfen nur noch Produkte, die wirklich geeignet für Kinder sind, als solche beworben werden", sagte er. Mit einem entsprechenden Gesetz hätte es Hipps Zucker-Tees für Kleinkinder gar nicht erst gegeben. Die vielen Fälle von Verbrauchertäuschung sagten nicht nur etwas über die Praktiken der Unternehmen aus, sondern auch über das Versagen des Staates beim Schutz der Verbraucher, erklärte Bode.

Täuschung sei im Lebensmittelrecht zwar verboten - in der Praxis aber sehe es anders aus. "Es fehlt überall an Transparenz, bei den Herkunftsangaben, bei den Zutaten, der Tierhaltung, beim Einsatz von Gentechnik", sagte Bode.

Kritik übte Bode vor allem an der Werbung von Fußball-Nationalspielern für ungesunde Lebensmittel. "Die Herren Schweinsteiger, Müller und Co. würden ihrer Vorbildrolle gerade für Kinder eher gerecht, wenn sie sich nicht mehr für die Werbung von Chips und Salami hergeben", sagte er. Der Deutsche Fußball-Bund verstoße ohne Scham gegen seine eigene Satzung als gemeinnütziger Verein, "in der ein Vereinszweck die Förderung gesunder Ernährung ist". Dazu passe es nicht, wenn der DFB sich von einem Süßwarenhersteller wie Ferrero finanzieren lasse.