Gepäckverlust Koffer weg - was nun?

Reisende ziehen am Düsseldorfer Flughafen ihre Koffer hinter sich her - in der Hoffnung, sie am Ziel ihres Fluges wiederzusehen.

(Foto: dpa)

Pro Flugzeug geht in Europa etwa ein Koffer verloren. Was Betroffene dann tun können - und wie Sie sich vor einem Gepäckverlust schützen.

Von Matthias Urbach, Finanztip

Am Gepäckband zu stehen macht keinen Spaß: Erst geht es ewig nicht los, dann muss man höllisch aufpassen, um seinen Koffer zu erspähen - und dann ist da ja noch die Sorge, dass ausgerechnet das eigene Gepäck nicht auftaucht. Und sie ist berechtigt: Jeder 144. Passagier wartet an Europas Flughäfen vergeblich auf seinen Koffer. Oder anders ausgedrückt: Pro Flugzeug geht im Schnitt ein Gepäckstück verloren.

Die gute Nachricht: Die meisten vermissten Koffer tauchen nach kurzer Zeit wieder auf, vier von fünf sogar unversehrt. Der Rest wurde beschädigt oder es wurde sogar etwas daraus gestohlen. Einer von zwanzig vermissten Koffern bleibt gänzlich verschwunden. Passagiere haben jedoch Anspruch auf Schadensersatz. Was zu beachten ist, wenn der Koffer einmal fehlt:

1. Sofort den Verlust melden

Passagiere sollten sich umgehend zum "Lost & Found"-Schalter begeben. Dieser befindet sich in der Regel im Gepäckausgabebereich. Dort füllt der Fluggast eine Verlustmeldung aus und gibt seine (Urlaubs-)Adresse an. In der Regel wird das Gepäck nach wenigen Tagen nachgeliefert. Sinnvoll ist auch eine Meldung bei der jeweiligen Fluggesellschaft, was oft per Handy-App möglich ist. Wichtig ist es in jedem Fall, eine Bestätigung für den Kofferverlust einzuholen.

2. Notwäsche und Seife auf Rechnung kaufen

Ist das Gepäck verschollen, dürfen Urlauber wichtige Dinge wie Unterwäsche und Zahnbürste nachkaufen. Die Airline muss die Kosten anschließend erstatten. Die Höchstgrenze für derartige Einkäufe liegt bei umgerechnet 1350 Euro. Sollte die Fluggesellschaft eine niedrigere Grenze in ihren AGB vorsehen, ist diese ungültig. Fluggäste sollten trotzdem nur das Nötigste kaufen und alle Rechnungen aufheben.

Nicht alle Airlines erstatten Tagessätze unabhängig davon, was gekauft wurde: Einige Fluggesellschaften geben auch selbst eine Grundausstattung aus: Zahnpasta, Seife und Schlaf-T-Shirt in XL.

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3. Schäden dokumentieren

Wer sein Gepäck zurückerhalten hat, sollte prüfen, ob es beschädigt ist oder etwas fehlt. Schäden müssten der Airline innerhalb von sieben Tagen nach Auslieferung gemeldet werden, idealerweise durch ein Foto dokumentiert.

4. Ersatz fordern

Sollte etwas fehlen oder ist der Koffer noch immer verschwunden, so können Geschädigte erneut bis zu 1350 Euro bekommen. Der Anspruch muss spätestens 21 Tage nach Verlust angemeldet werden. Es gibt dafür zwei Möglichkeiten: Der Fluggast kann die Airline selbst anschreiben und sich notfalls an die Schlichtungsstelle SÖP wenden, falls diese sich querstellt. Oder aber der Passagier gibt den Fall an einen Rechtsdienstleister wie Fairplane, der das Geld für ihn eintreibt, aber einen festen Anteil als Honorar einbehält.

5. Sonderfall Pauschalreise

Wer eine Pauschalreise macht, sollte sich unbedingt auch beim Reiseveranstalter beschweren. Je nach Einschränkung durch den Verlust können Urlauber pro Tag ohne Gepäck bis zu 30 Prozent vom Tagespreis zurückfordern.

6. Ärger vorbeugen

Wer sich bereits im Vorfeld absichern möchte, sollte seinen Koffer vor Abflug fotografieren - sowohl von außen als auch den Inhalt - und eine Packliste zu erstellen. So können Urlauber Koffer und Inhalt leichter beschreiben, Diebstähle erkennen und einfacher Schadensersatz beanspruchen.

Zur Identifizierung sollte im Inneren des Koffers die Heimatadresse hinterlassen werden. Für die Außenseite des Koffers empfiehlt es sich, zumindest die eigene Telefonnummer samt Vorwahl anzubringen - so kann der Besitzer im Falle des Verlustes kontaktiert werden. Eine individuelle Koffergestaltung kann darüber hinaus helfen, den Koffer leichter wiederzufinden. Alte Aufkleber sollten vom Koffer entfernt werden. Wichtig ist außerdem, dass keine langen Schnüre am Koffer baumeln. Das erhöht das Risiko, dass er auf Gepäckbändern falsch befördert wird.

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