Finanzinvestitionen Anleger knausern bei Beratungskosten

Durch schlechte Anlageberatung verlieren Sparer jährlich Milliarden. Dennoch: Die Informationen wollen sie zum Discountpreis.

Von A. Mühlauer

Für einen Besuch beim Friseur zahlt so mancher Zeitgenosse 60 Euro, gerne auch mal mehr. Und natürlich darf eine Privatstunde mit dem Tennislehrer oder ein sogenannter Wellness-Tag 70 Euro kosten, schließlich tut man etwas für seinen Körper. Wenn es allerdings um die Pflege der eigenen Finanzen geht, sind die Deutschen kaum bereit, mehr als 60 Euro zu bezahlen. Das zeigen die Ergebnisse mehrerer Verbraucher-Umfragen.

So hat die Universität Mainz zusammen mit der Honorarkonzept AG und der Unternehmensberatung MC4MS insgesamt 990 Kunden von Versicherungen, Banken, Sparkassen und Finanzvertrieben befragt, wie viel sie bereit wären für eine unabhängige Finanzberatung zu bezahlen. Das Ergebnis: im Durchschnitt 62,70 Euro pro Stunde.

Das sind gut zehn Euro mehr als die Befragten einer anderen repräsentativen Umfrage angaben. Im Auftrag der Beratungsgesellschaft BBDO Consulting fand die Innofact AG heraus, dass die Verbraucher weniger als 50 Euro als einen fairen Preis für eine umfassende Anlageberatung ansahen.

Seit Ausbruch der Finanzkrise suchen immer mehr Verbraucher ihr Heil in der Honorarberatung. Viele fühlen sich von ihrer Bank schlecht beraten. Denn beim Buhlen um das Geld der Anleger haben die Kunden oft das Nachsehen - egal ob Versicherungen oder Wertpapiere verkauft werden, egal ob ein freier Makler oder eine Großbank am Werk war. "Allzu oft dient die Beratung nicht den Interessen des Anlegers", sagt Martin Weber, Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Mannheim.

Erst kürzlich bestätigte eine Untersuchung der Stiftung Warentest eklatante Mängel bei der Anlageberatung. Die Tester hatten in 21 Banken und Sparkassen 147 Beratungsgespräche geführt. Die beste vergebene Note war eine 3,4. Die meisten Geldhäuser wurden mit "ausreichend", zwei sogar mit "mangelhaft" bewertet.

Es habe "krasse Fehlleistungen" in der Beratung gegeben, so das negative Urteil der Stiftung Warentest. Die Empfehlungen der Berater passten in der Regel nicht zu den geäußerten Wünschen der Tester. Die meisten Institute versuchten, die Kunden von komplizierten und teuren Produkten des eigenen Hauses zu überzeugen. Ganz einfach deshalb, weil sie daran am meisten verdienen.

Noch immer ist den meisten Anlegern nicht bewusst, wie hoch die Provisionen sind, die ihr Berater kassiert. Wer weiß schon, dass sein Gegenüber beim Kauf eines Fonds nicht nur den Ausgabeaufschlag, sondern jährlich noch rund die Hälfte der Managementgebühr erhält? Wer hat sich jemals die versteckten Kosten vorrechnen lassen, wenn er eine Kapitallebensversicherung abschließt?

Milliardenverluste durch falsche Finanzberatung

In der Krise haben nun auch Politiker erkannt, dass in der Finanzberatung vieles falsch läuft. Laut einer Studie, die das Bundesverbraucherschutzministerium in Auftrag gab, verlieren die Deutschen jährlich etwa 30 Milliarden Euro durch schlechte Anlageberatung. Verbraucherschützer setzen sich deshalb für eine Beratung gegen Honorar ein.

Ihr Wunsch: Im Idealfall soll der Makler komplett auf die oft üppigen Vertriebsprovisionen verzichten. Stattdessen zahlt der Kunde ein Honorar für die Dienstleistung. Üblich sind derzeit zwischen 100 und 200 Euro je Stunde oder etwa 2000 Euro für eine Anfangsberatung. Diese Summen sind allerdings weit von dem entfernt, was Verbraucher laut Umfragen bereit sind zu bezahlen.

Wie es aber aussieht, hat selbst in der Finanzbranche ein Umdenken in Sachen Honorarberatung begonnen. Warnte der Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft, Rolf-Peter Hoenen, einst vor übereifrigen Politikern und Verbraucherschützern, so spricht er sich heute für ein "ausgewogenes Miteinander von provisionsbasiertem Vertrieb und Honorarberatung" aus.

Auf der Streckbank der großen Krise

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