Warum nur die ganze Empörung über die Griechenland-Hilfe? Ein solches Verhalten ist ärgerlich, denn auch Deutschland wird am Ende profitieren.
Der deutsche Steuerzahler hat Angst, dass sein Geld in Griechenland verlorengehen könnte. Im populären Furor wird unterstellt, dass der einst als lässig und lebensfroh geltende, aber seit einigen Monaten als faul verschriene Grieche seinen ohnehin sonnigen Lebensabend mit deutschem Steuergeld finanzieren könnte, oder dass die öffentlich Bediensteten weiter üppige Gehälter erhalten, finanziert von den vielen Milliarden Euro, die die Bundesregierung bald an die Regierung in Athen überweisen wird.
Die deutsche Politik versagt bisher bei der Aufgabe, die Bundesbürger sachlich zu informieren. (© Foto: dpa)
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Der Bund der Steuerzahler regt sich auf. Und überall im Lande sind sich Politiker, egal ob auf der Regierungsbank oder in der Opposition, nicht zu schade, die Ressentiments fleißig zu bedienen.
Sie ignorieren dabei nicht nur, dass die Realität mit den Klischees wenig zu tun hat. Viel schlimmer ist, dass die deutsche Politik bisher versagt bei der Aufgabe, die Bundesbürger sachlich zu informieren. Nicht einer aus der Regierungsspitze erklärt ruhig und ausführlich, wie es wirklich steht um das hochverschuldete Griechenland, um die gemeinsame Währung, um die Verantwortung Deutschlands in der Gemeinschaft und um deutsche Interessen.
Das Schweigen der Regierung dröhnt mittlerweile so unüberhörbar laut durch Europa, dass sich der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker genötigt sah, die aufklärerische Aufgabe zu übernehmen und wie ein Kanzler zu werben.
Juncker sprach aus, was Angela Merkel bisher verschwieg. Kurz und bündig erklärte er im Radio, dass kein europäischer Steuerzahler, und schon gar kein deutscher, Angst um sein Geld haben müsse. Für den Fall, dass die Regierung in Athen überhaupt um Geld bitte, erhalte Griechenland Darlehen, die ganz normal mit Zinsen zurückgezahlt werden müssen.
Das Verfahren kennt jeder, der schon mal eine Wohnung gekauft oder ein Haus gebaut hat. Die Bundesregierung dürfte an einem solchen Kredit sogar verdienen, da sie das Geld am Markt zu weit besseren Konditionen aufnehmen kann, als sie es dann an Athen weiterverleihen würde.
Zudem ist es keineswegs so, dass nur die Deutschen Geld leihen könnten. Nein, alle Länder mit der gemeinsamen Währung werden helfen, die Last wird nach einem fairen Schlüssel verteilt. Frankreich, Italien und Spanien werden im Notfall ebenfalls viele Milliarden Euro überweisen, obwohl deren Unternehmen bedeutend heftiger unter der Krise leiden, obwohl dort viel mehr Menschen ihren Job verloren haben, obwohl sie das Geld am Markt zu schlechteren Konditionen aufnehmen müssen.
Und warum erklärt die Bundesregierung nicht endlich, dass sie keineswegs selbstlos an Finanzhilfen denkt? Deutsche Kredite für Griechenland helfen auch der deutschen Wirtschaft. Griechenland ist für hiesige Unternehmen ein wichtiger Markt. Die Hellenen kaufen ebenso gerne deutsche Waren ein wie Bundesbürger auf den Inseln Urlaub machen. Kein Geld, kein Geschäft - so einfach ist die Wahrheit.
Nicht zu vergessen sind die Interessen deutscher Banken. Vor allem Landesbanken haben kräftig in griechische Papiere investiert, insgesamt sollen es 30 Milliarden Euro sein. Würden diese Papiere plötzlich wertlos, stünden die gerade vor Jahresfrist mit vielen Milliarden Steuergeld geretteten Institute wieder am Abgrund. Niemand schließt aus, dass sie erneut staatlich gestützt werden müssten.
Es ist gefährlich, dass die Politik dem populistischen Geplapper zu Hause nicht entschieden widerspricht. Einige europäische Staaten schauen bereits irritiert auf das große Deutschland in ihrer Nachbarschaft, dessen Bürger so gut leben, dessen Unternehmen so viel exportieren und wo dennoch das Geschrei ums Geld am größten ist. Sie wundern sich, dass die Kanzlerin zwar die Märkte zu beruhigen versucht, nicht aber ihre eigenen Bürger. Höchste Zeit, dass Merkel den Steuerzahlern ihre falsche Angst nimmt.
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(SZ vom 15.04.2010/hgn)
Ägypten
Frau Gammelin könnte eventuell Recht haben, ist das aber gewiss?
Wieso könnte Griechenland nicht Insolvenz anmelden, so wie vor nicht langer Zeit Argentinien? Würde Frau Gammelin ihr Geld für griechische Anleihen hergeben? Wie lange werden die Euroländer (und nur die) es eventuell durchhalten, wenn andere Euroländer in eine ähnliche Lage wie Griechenland kommen? Geld kann auch nur an die Geberländer zurückgegeben werden, wenn dann noch was da ist, bei Argentinien hat man bekanntlich ziemlich "in die Röhre geschaut". Hat nicht EU-Kommissar Rehn noch gestern von einer gemeinsamen Wirtschafts- und Finanzpolitk gesprochen, um ein reihenhaftes Umfallen maroder Staaten zuvorzukommen? Es genügt auch nicht nach dem Motto "Merkel locuta, causa finita" wie es Frau Gammelin anregt zu argumentieren. Menschen handeln meist aus dem Bauch heraus und wenn man an die Vernunft appelliert, so muss man das auch hieb- und stichfest machen.
Das Verhältnis Deutschland zu Griechenland ist nicht eines wie zwischen Bank und Kreditnehmer. Es ist ein Verhältnis wie zwischen Räubern. Deshalb bedarf es keiner Grundschuld, wie ein naiver Kommentator meint. Die griechische Regierung wird in Griechenland das Geschäft der Deutschen betreiben, den Lebensstandard senken und das herausgepresste Geld an deutsche Banken überweisen. Von unseren Steuergeldern sehen wir keinen Cent mehr. Der Griechenpfennig wird in den Banken zu wundersamen Milliardenboni gewandelt. Eine Art Geldhochzeit zu Kanaan also. Im schlimmsten Fall könnten wir ja wie 1941 wieder einmarschieren und uns holen, was uns gehört, so die Logik des Finanzkapitals.
Die ersten Beiträge zur Griechenlandkrise vor einigen Wochen in der Journaille strotzten nur so vor griechenfeindlicher Hetze. Überversorgte Obristentöchter, Rente mit 50, zu viele Lehrer, Fakelaki-Bestechungssystem mit 1200.- pro Jahr pro Grieche etc. So berichteten die Lohnschreiberlinge Land auf Land ab. Sie sind es, die zunächst die anti-griechische Hetze betrieben und für den nun beklagten Eindruck sorgten. Erst viel später und auch nicht in allen Zeitungen wurde dann berichtet, dass das deutsche Finanzkapital schon Mal Griechenland ausgeraubt hat, dass Griechenland an den deutschen Rüstungsexporten erstickt, dass die Exportüberschüsse der Deutschen die Miesen der anderen sind, dass deutsche Banken um ihr Geld fürchten, dass man Griechenland mit deutschen Steuergeldern sanieren will, die dann wieder in deutschen Banken auftauchen. etc. Insgesamt scheint es sich doch um eine ziemlich gleichgeschaltete bzw. gleich verhaustierte Journaille zu hendeln.
"Das Verfahren kennt jeder, der schon mal eine Wohnung gekauft oder ein Haus gebaut hat. Die Bundesregierung dürfte an einem solchen Kredit sogar verdienen, da sie das Geld am Markt zu weit besseren Konditionen aufnehmen kann, als sie es dann an Athen weiterverleihen würde. "
Hier frage ich mich, für wie blöd eigentlich die Journalisten die Bevölkerung halten.
Die Kreditaufnahme kennt jeder, der mal eine Wohnung gekauft hat. Richtig. Nur läuft es da etwas anders, als im Falle Griechenland.
Denn zum einen verlangt die Bank dafür eine Sicherheit. Dies ist nämlich die Grundschuld auf Immobilie und Grundstück. Zahlt der Schuldner den Kredit nicht zurück, so hat die Bank Zugriff auf den besicherten Teil und kann den weiterverkaufen bzw. versteigern, so dass am Ende das Geld wieder reinkommt. Mir wäre nicht bekannt, dass Deutschland eine Grundschuld in Griechenland hätte, die man einfordern kann.
Zum anderen hängt die Frage, ob die Bank überhaupt den Kredit gibt, davon ab, wie es um die Rückzahlung steht. Da reicht nicht nur der Wert der Immobilie, sondern da ist auch die Frage, ob der Kreditnehmer mit seinen aktuellen Einnahmen und Ausgabeverpflichtungen die Rückzahlung überhaupt zuverlässig vornehmen kann. Überschuldete Kreditnehmer fallen da gleich heraus. Und genau so einer ist Griechenland.
Würden hochverschuldete Kreditnehmer überhaupt einen Kredit bekommen, so wäre die Risikoprämie entsprechend hoch. Das sind dann aber keine 5% Zinsen bei einem stark ausfallgefährdeten Schuldner sondern vielleicht dann 25%. Vielleicht sollte die Bundesregierung ihre Risikomanager nicht bei den Landesbanken holen, sondern bei den Banken, die ohne Staatshilfe über die Runden gekommen sind. Davon gibt es nämlich auch viele.
Und was man überhaupt nicht erwähnt: Es gibt in Griechenland keinerlei Bestrebungen, den Haushalt in den Griff zu bekommen. Und solange das nicht geschieht, steht auch in den Sternen, wie man die Kredite überhaupt zurückzahlt.
Zum Schluß liebe Journalisten: Man kann Leute für blöd verkaufen. Man sollte nur aufpassen, dass diese Leute am Ende nicht intelligenter sind, als man denkt. Denn sie könnten sich wehren, und dann hat man die Konsequenzen. Wenn keiner mehr eine Zeitung kauft, dann braucht's auch den Journalisten dort nicht mehr. Und mit Argumentationen auf Bild-Niveau kann ich mit gleich eine Bildzeitung kaufen. Dann habe ich wenigstens das Original und keine schlechte Abschrift davon.
Ist der Artikel ein verspäteter Aprilscherz?
Griechenlands Probleme sind strukturell bedingt - und an dieser Struktur hat sich nichts geändert.
Griechenland ist ein Fass ohne Boden, in das immer mehr Geld geworfen wird. Immer höhere Schulden sollen die Lösung sein, wo doch die heutigen Schulden nicht im Entferntesten bezahlt werden können?
Wer profitiert tatsächlich? Die Spekulanten, deren kurzfristige Geldanlagen von Staatsgeldern finanziert und verzinst werden. Am Ende stehen EU-Länder und IWF-Länder als Gläubiger vor einem noch größeren Scherbenhaufen als heute.
Wie sagte Urban Priol? "Hellas von Sinnen."
Diese Analyse ist ein Witz.
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