Ergo: Sex-Orgie in Budapest "Das übertrifft meine Phantasie"

Die Sex-Sause der Hamburg-Mannheimer bringt die gesamte Branche in Bedrängnis. Die Versicherer wehren sich gegen einen Generalverdacht, doch viel spricht dafür, dass sexuelle Dienste in der Wirtschaft nicht unüblich sind.

Von Harald Freiberger, Catherine Hoffmann und Markus Zydra

Leonhard Knoll ist seit vielen Jahren auf Hauptversammlungen unterwegs. Dort löchert der Berater und Wirtschaftsprofessor die Firmenchefs mit seinen Fragen. "Da bekommt man immer mal wieder Informationen zugesteckt", erzählt Knoll. Und so brachte er den Stein ins Rollen, der nun als Sexaffäre den Dax-Konzern Munich Re peinigt.

Auf der Hauptversammlung des Weltmarktführers fragte der Aktionär im April nach "Fringe Benefits im rosaroten Bereich", freiwilligen Sozialleistungen der anderen Art. Vorstandschef Nikolaus von Bomhard antwortete prompt: "Nach unseren Recherchen konnte nicht ausgeschlossen werden, dass es hier gewisse Exzesse gegeben hat."

Inzwischen ist bekannt: Die Versicherung Hamburg-Mannheimer hat im Jahr 2007 eine wilde Sex-Sause in einer Budapester Therme veranstaltet, um besonders verdiente Mitarbeiter bei Laune zu halten. Die Hamburg-Mannheimer ist mittlerweile in der Ergo Versicherung aufgegangen, die wiederum Tochter der Munich Re ist.

"Unglaublich peinlich" sei ihm die Reise seiner Vertriebsleute, gesteht Ergo-Chef Torsten Oletzky dem Spiegel. Allein die Abendveranstaltung kostete 83000 Euro. Es gab Himmelbetten und rund 20 Prostituierte mit farbigen Armbändern - ein klarer Verstoß gegen die Richtlinien des Unternehmens.

Die Sache bringt auch Munich-Re-Chef Bomhard in Verlegenheit, der viel auf die konservative Risikopolitik seines Unternehmens und seine klimapolitischen Initiativen hält. Ein Sprecher nennt die Vorgänge in Budapest "inakzeptabel" und sagt: "Dieses Verhalten verstößt gegen elementare Verhaltensgrundsätze, deren Einhaltung wir von unseren Mitarbeitern konzernweit selbstverständlich erwarten.

Realität übertrifft Phantasie

Eine Blaupause der verruchten Veranstaltung findet sich in Markus Wills Thriller Bad Banker. Darin feiert eine von ihm erfundene Investmentbank in London 2006, auf dem Höhepunkt der Gier vor der Finanzkrise, eine rauschende Weihnachtsparty.

Der Chef hat für seine Top-Leute 20 Edelprostituierte organisiert. "Um sie von den anwesenden Ehefrauen und Bankerinnen zu unterscheiden, habe ich mir ausgedacht, dass sie ein blaues Bändchen um das Handgelenk tragen", erzählt Autor Will.

Als er nun von den Vorgängen bei der Hamburg-Mannheimer in Budapest las, war er verblüfft: "Ich hätte nie gedacht, dass die Realität meine Phantasie noch übertrifft."