Einkaufsphänomen Showrooming Nur mal gucken kostet fünf Dollar

Ladenkunden, die "einfach gucken" und sich die Produkte anschließend online bestellen, nerven viele Einzelhändler. Ein Ladenbesitzer in Australien verlangt nun fünf Dollar von Menschen, die sich in seinem Geschäft nur umschauen wollen. Experten raten Geschäftsbesitzern stattdessen, mit dem Internet mitzuhalten.

Von Artur Lebedew

Die Digitalisierung verlangt von Ladenbesitzern starke Nerven: Kunden stolzieren zwischen Regalen, scannen den Barcode von Produkten, vergleichen den Preis im Internet - und verlassen den Laden wieder, ohne etwas zu kaufen. Experten nennen das "Showrooming": Kunden nutzten stationäre Einkaufsläden als Vorführräume, als Orte, um sich umzusehen. Die Produkte kaufen sie dann anderswo, gerne online.

Ein australischer Spezialitäten-Händler von gluten-freien Nahrungsmitteln hat nun einen radikalen Schritt gegen das "Showrooming" unternommen. Im sozialen Netzwerk Reddit macht ein Foto die Runde, das ein Schild in dem Geschäft in der Stadt Brisbane zeigt. Bevor Kunden den Laden betreten, lesen sie im Schaufenster: "Lieber Kunde, vom ersten Februar an verlangt dieses Geschäft von jedem Kunden für 'einfach gucken' fünf Dollar". Darunter versichern die Betreiber, dass der Betrag wieder zurück gegeben werde, wenn der Kunde tatsächlich etwas kaufe.

Celiac Supplies wirbt auf seiner Internetseite, das einzige Geschäft in Brisbane zu sein, das über 2000 glutenfreie Waren anbietet. Wie das Schild zeigt, fürchtet der Besitzer trotzdem die Konkurrenz: die aus dem Netz. Deren gesamte virtuelle Auslagen dürften größer sein als die von Celiac Supplies.

Adidas und Best Buy wehren sich gegen Showrooming

Besonders in den USA wird die Debatte um Showrooming hitzig geführt: Die Elektroartikel-Kette Best Buy verkündete im Februar "das Ende von Showrooming" - und garantierte Niedrigstpreise, um die Abwanderung zu stoppen: Wenn Kunden ein gekauftes Produkt bei einem der "19 größten Internet- oder Lokal-Händler" günstiger finden als bei Best Buy, erstatte das Unternehmen die Differenz.

Auch Adidas wehrt sich gegen die Konkurrenz aus dem Netz. In Zukunft will der Sportartikelhersteller den Verkauf seiner Artikel über Online-Plattformen wie Amazon oder Ebay verbieten. "Wir wollen sicherstellen, dass unsere Produkte über die Webseiten unserer Handelspartner oder unsere eigene Webseite verkauft werden", zitiert Spiegel-Online eine Unternehmenssprecherin.

"Natürlich ist das für Ladenbesitzer ärgerlich, wenn sie 20 Kunden beraten und 19 von ihnen nichts kaufen", sagt Handels-Experte Hendrik Schröder von der Universität Duisburg-Essen. Zumal viele Kunden heute durch Smartphone-Apps besser informiert seien als die Verkäufer selbst. "Aber das Problem, das sich hinter Showrooming verbirgt ist älter als das Internet."

Schröder erinnert sich an eine Situation vor vielen Jahren, als er in einem Elektronik-Geschäft einen Computer kaufen wollte und der Verkäufer erst einmal zehn Mark für die Beratung verlangte. Ihm zufolge waren es früher Kataloge von Otto oder Quelle, die für die stationären Geschäfte eine Konkurrenz darstellten. "Kunden gingen in den Laden, schauten sich die Ware an, ließen sich beraten und kauften die Produkte dann aber über die Kataloge oder bei anderen Händlern", sagt Schröder.