Deutsche Bank Es geht abwärts

Die Ratingagentur Moody's stuft die Kreditwürdigkeit der Deutschen Bank deutlich herab - und Chef Josef Ackermann bleibt cool. Doch Händler bangen: Trifft die Abwertung auch andere Banken?

Von Harald Freiberger

Die Meldung kam am Abend und brachte binnen Minuten sogar den Euro unter Druck: Die Ratingagentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit der Deutschen Bank überraschend um zwei Noten herab. Die europäische Währung fiel danach auf ein Tagestief von 1,3552 Dollar. "Wenn die Deutsche Bank heruntergestuft wird, fürchtet man, es könnte auch andere Banken treffen", sagte ein Devisenhändler. "Man geht deshalb aus dem Risiko raus und flüchtet sich in den als sicher geltenden Dollar."

Die Herabstufung bedeutet für die Deutsche Bank, dass sie künftig höhere Zinsen zahlen muss, wenn sie sich refinanziert. Sie sehe "keine substantiellen Auswirkungen auf die Finanzierungskosten", teilte sie eilig mit.

Als Grund für die Herabstufung nannte Moody's, die Bank sei zu abhängig vom Investmentgeschäft.

Vorstandschef Josef Ackermann hatte Anfang Februar für 2009 einen Nettogewinn von fünf Milliarden Euro verkündet. Ein großer Teil davon kam aus dem Investmentgeschäft, vor allem aus der Platzierung von Unternehmens- und Staatsanleihen.

Hängepartie mit der Postbank

Die Fokussierung auf das Kapitalmarktgeschäft mache die Deutsche Bank anfällig für Schwankungen, argumentiert Moody's. Die stabileren Sparten wie das Privatkunden- und das Firmenkundengeschäft entwickelten sich dagegen nach Ansicht der Ratingagentur nicht wie erwartet.

Hinzu kommt, dass sich die komplette Übernahme der Postbank hinzieht. Die Deutsche Bank hält 30 Prozent an dem Institut, das vor allem im Privatkundengeschäft stark ist. Ackermann ließ zuletzt keine Eile erkennen, weitere Anteile zu übernehmen.

2009 - ein gutes Jahr

2009 war ein ausgesprochen gutes Jahr für Investmentbanken. Das lag zum einen am hohen Finanzierungsbedarf von Staaten und Unternehmen, zum anderen daran, dass in der Finanzkrise einige US-Investmentbanken als Wettbewerber ausschieden. Moody's erwartet aber, dass sich der Wettbewerb wieder verschärft. Für die Deutsche Bank werde es dann schwerer, ihre hochgesteckten Ziele zu erreichen. Ackermann will den Vorsteuergewinn bis 2011 auf zehn Milliarden Euro verdoppeln. Die Ratingagentur befürchtet, dass das Institut größere Risiken eingehen könnte, um dem Druck der Investoren standzuhalten.

Finanzchef Stefan Krause hatte sich am Mittwoch mit Analysten getroffen und berichtet, dass sich das Geschäft nach einem ausgesprochen guten Januar im Februar wieder normalisiert habe. Auf die Aktie der Deutschen Bank hatte die Herabstufung der Bonität keine großen Auswirkungen. Im nachbörslichen Handel fiel das Papier nur leicht, im Vergleich zum Vortag stand es entgegen der Entwicklung des Dax sogar im Plus.