Debatte über Abschaffung von Roaming-Gebühren Zahlen wie zu Hause

Eine Sorge weniger auf Reisen: Wer im Ausland unterwegs ist, soll künftig nicht mehr fürs Telefonieren, SMS-Schreiben und Surfen draufzahlen, wenn es nach EU-Kommissarin Kroes geht. Dabei gibt die EU Roaming-Tarife schon im Detail vor. Was das Telefonieren im Ausland kostet.

Von Regina Brand

Es soll kuschelig werden auf Reisen durch die EU: Neelie Kroes, Digitalkommissarin der Union, forderte eine komplette Abschaffung der Roaming-Gebühren. Sie will keine zusätzlichen Netzgebühren mehr für Verbraucher, die innerhalb der Union unterwegs sind. Telefonieren und Internetsurfen mit dem Handy sollen genauso viel kosten wie daheim. Kroes sagt, ihr gehe es darum, einen einheitlichen Binnenmarkt zu schaffen. Der könne sich auch in Sachen Kommunikation keine Landesgrenzen leisten.

Bisher zahlen Reisende oder Geschäftsleute zusätzliche Gebühren, wenn sie im Ausland telefonieren, im Internet surfen oder eine SMS verschicken. Wer einen Anruf aus der Heimat annimmt, zahlt meist drauf. Je nach Land und Anbieter unterscheiden sich Roaming-Gebühren zudem stark.

Die Mobilfunkanbieter sagen, sie bräuchten das Geld aus den Gebühren - um Infrastruktur zu schaffen. Die Deutsche Telekom sieht in Kroes' Forderung eine unnötige Regulierung des Mobilfunkmarktes. "Es herrscht Wettbewerb in der Branche, wie die unterschiedlichen Roaming-Tarife der Anbieter zeigen. Durch die Regulierungsentscheidungen werden den Unternehmen Milliardensummen entzogen - gleichzeitig sollen sie aber in moderne Breitbandnetze investieren", sagt Andreas Middel, Pressesprecher der Deutschen Telekom. "Das ist ein Widerspruch, auf den die Politik keine Antwort gibt."

Der Mobilfunkanbieter Vodafone befürwortet grundsätzlich eine Vereinheitlichung des europäischen Marktes, zeigt sich allerdings von der Forderung überrascht: "Es wäre sehr merkwürdig, wenn die EU von ihrer schrittweisen Absenkung so kurzfristig abweichen würde. Denn mit dieser Maßnahme wird dem Markt Geld entzogen, das dann für Investitionen fehlt. Wir investieren in Deutschland derzeit eine Milliarde Euro pro Jahr in die Infrastruktur des Netzes", sagt Sprecher Kuzey Esener zu SZ.de. Seit mehr als fünf Jahren kämpft die EU gegen Roaming und hat bereits einzelne Etappen für eine Absenkung der Preise festgelegt.

Preisdeckelung im Sommer

Zum vergangenen Juli deckelte die EU Kosten für Telefonate und SMS in den insgesamt 27 Mitgliedsländern. Ein Megabyte darf seitdem nicht mehr als 70 Cent kosten, der Versand einer SMS aus dem europäischen Ausland maximal 9 Cent. Für abgehende Telefonate dürfen höchstens 29 Cent pro Minute fällig werden, für eingehende höchstens 8 Cent. Das gilt sowohl für Vertrags- als auch Prepaid-Tarife. Mobiles Surfen im EU-Ausland wurde bei der Preissenkung im Sommer 2012 nur geringfügig billiger.

Die nächsten Preissenkungen gelten vom 1. Juli diesen Jahres an, zur Urlaubssaison. Ein Megabyte soll dann 45 Cent kosten. Fürs Telefonieren fallen folgende Kosten an:

  • Abgehende Telefonate: 24 Cent
  • Eingehende Telefonate: 7 Cent
  • Versenden von SMS: 8 Cent

Außerhalb der EU entstehen zusätzliche Kosten

Wer eine Reise außerhalb der EU plant, sollte besonders vorsichtig sein. Damit er nach dem Urlaub nicht mit eine satten Telefonrechnung überrascht werden will, sollte er sich über die Preise in den entsprechenden Staaten informieren. Wenn ein Handy zum Beispiel so eingestellt ist, dass es E-Mails automatisch herunter lädt oder Software aktualisiert, könnte es teuer werden. Das "Daten-Roaming" sollte besser ganz ausgeschaltet sein. Am besten auch innerhalb der EU - solange die Roaming-Gebühren noch nicht gänzlich abgeschafft sind. Seit vergangenem Sommer sind die Anbieter verpflichtet, dem Kunden bei Grenzübertritt eine automatische Mitteilung zu den für ihn geltenden Preise erhalten. Und dann ist da noch der sogenannte "Kostenairbag": Die Kunden erhalten eine Nachricht, sobald sie eine Kostengrenze von 50 Euro erreicht haben. Vorab können Kunden mit ihrem Anbieter eine individuelle Kostengrenze festlegen.

Die Abschaffung der Aufschläge wie Kroes sie fordert, sei für die Verbraucher ein Segen, sagt Jürgen Scheuerer von Verivox, einem Vergleichsportal für Telekommunikation: "Es wäre ein konsequenter Schritt der EU, der den Nutzern Kosten spart und vieles vereinfacht. Es ist nämlich absurd, wenn man überlegt, dass man mit dem Auto problemlos über die Landesgrenze fahren kann, aber in Sachen Kommunikation immer Kostenhürden im Weg stehen."

In ihrer Rede im Europaparlament setzte Kroes den Abgeordneten Ostern 2014 als Ziel zur Verabschiedung des Gesetzes. Das ist kurz vor den Europawahlen im Mai: "Ich will, dass Sie zu Ihren Wählern zurückgehen können und sagen, dass Sie die Roaming-Kosten abschaffen konnten". Die Kosten würden voraussichtlich aber erst 2015 wegfallen - vorausgesetzt Parlament und EU-Staaten machen mit.