Im Vorstand der Bundesbank wird geschlossen gegen den Kollegen Sarrazin argumentiert. Die Frage ist nur, wie die Bundesbank ihn loswerden kann. Entlassen kann Sarrazin nur der Bundespräsident - doch auch der unterstützt offenbar den Rauswurf.
Eigentlich ist der Dienstag der Tag, an dem sich die sechs Vorstandsmitglieder der Bundesbank regelmäßig treffen. Sie sitzen dann im 12. Stock der Bundesbank beieinander, in einem Gebäude, das wie ein schwerer Riegel im Norden Frankfurts liegt. Dann wird über die Geschäfte geredet, den Euro, das, was in der Europäischen Zentralbank passiert. Dieses Mal traf man sich am Mittwochvormittag. Das war wegen der Urlaubszeit so eingefädelt worden. Aber dieses Mal war sowieso alles anders. Schon am Montag trommelte Bundesbankpräsident Axel Weber fünf Vorstände zusammen, gleich nachdem er seinem Flieger aus Amerika entstiegen war.
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In der Bundesbank heißt es, Sarrazin gefährde den Betriebsfrieden in der Frankfurter Institution. (© dpa)
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Erregt diskutierten die Herren, was ihr Kollege Thilo Sarrazin in der Zwischenzeit verbrochen hatte. Der stellte derweil in Berlin sein neues Buch vor, zu seinem Dauerthema Einwanderung und der damit verbundenen Verdummung Deutschlands. Mit seinem Job bei der Bundesbank hat das Buch nichts zu tun. Soll man ihn abmahnen, überlegten die Herren. Vor die Tür setzen? Kann man ihn überhaupt loswerden? Mehr als zwei Stunden ging es hin und her. Klar war dann, die Form muss gewahrt bleiben, der mögliche Abgang geregelt werden. Man beschloss, Sarrazin zunächst die Gelegenheit zu einer mündlichen Rechtfertigung zu geben. Man kann auch sagen, er wurde per Pressemitteilung nach Frankfurt zum Rapport bestellt.
Stimmungswandel im Vorstand
Bundesbankpräsident Weber und seine vier Vorstände werfen Sarrazin vor, er habe sich "mehrfach und nachhaltig provokant zu Themen der Migration geäußert", nicht die Ansichten der Bundesbank wiedergegeben und dem Ansehen der Bank Schaden zugefügt. Neu sind diese Vorwürfe nicht. Schon 2009 musste Sarrazin sich das anhören. Schon damals weigerte er sich, zurückzutreten.
Neu klingt die Formulierung, Sarrazin gefährde den Betriebsfrieden der Bank. Viele Mitarbeiter hätten einen Migrationshintergrund, würden also die Gene tragen, die Sarrazin für die Verdummung der Gesellschaft verantwortlich macht. Juristisch am schwersten aber wiegt der Vorwurf, Sarrazin habe sich bei seiner politischen Betätigung nicht so zurückgehalten, wie es sich für sein Amt gehört.
Nach außen geben sich seine Gegner verschwiegen. Aber die fünf Herren sollen auf ihrer Sitzung geschlossen gegen Sarrazin argumentiert haben, obwohl noch im Herbst mancher zu ihm gehalten haben soll. Offenbar hat Sarrazin an Terrain verloren. Selbst Bundespräsident Christian Wulff legte der Bundesbank seinen Rauswurf nahe. "Ich glaube, dass jetzt der Vorstand der Deutschen Bundesbank schon einiges tun kann, damit die Diskussion Deutschland nicht schadet - vor allem auch international", sagte er dem Sender N24. Wulff ist der einzige, der Sarrazin auf Antrag des Bundesbank-Gesamtvorstandes entlassen kann.
Der gab sich aber vorerst verhalten. Das Schweigen hat taktische Gründe. Die Herren wollen dem Aufmüpfigen keine rechtliche Handhabe geben. Sarrazin lässt sich von einem Anwalt beraten, wie es viele tun, wenn der Rauswurf droht. Wegen des Bemühens, alles korrekt über die Bühne zu bringen, verstrich die Zeit am Mittwochvormittag zäh. Am Nachmittag wurde schließlich vertagt, Weber musste zur EZB ins Frankfurter Zentrum. Da ging es nicht um Sarrazin, sondern um den Euro. Über den hat Sarrazin auch schon ein Buch geschrieben, 1997 war das. Er wählte den treffenden Untertitel "Chance oder Abenteuer?"
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(SZ vom 02.09.2010/hgn)
Es ist schon erstaunlich, wie die vereinten Kräfte dieses Landes unangenehme Wahrheiten wegwischen: in einer konzertierten Aktion von Medien und Politikern bekommen wir gesagt, was wir für richtig und falsch zu halten haben! Von kritischer Vernunft ist nicht mehr viel zu hören - als ob wir nicht in der Lage wären, überspitzte und polemische Äußerungen vom wahren Kern, der trotzdem dahinter steckt, zu trennen. Hier setzt sich die neue "Tradition" fort, daß wir vorgeschrieben bekommen, was politisch korrekt ist und thematisiert werden darf und was nicht.
Wir könnten gut noch ein paar mehr Sarrazins gebrauchen - vielleicht ein bißchen weniger polemisch. Aber dann würde ja keiner der Politiker und der selbsternannten Hüter der Moral davon Notiz nehmen, oder?
Falscher Titel. 85 % der Bürger nicht.
ihre Wortwahl beweist, dass sie an sachlicher Diskussion kein Interesse haben.... verzichten sie auf dümmliche Formulierungen wie "linke gutmenschen" "multikulti-trallala" dann kann man sich argumentativ auseinandersetzen.
Diejenigen die das Thema "Multikulturelle Gesellschaft" auf die Agenda gesetzt haben, sind die überhaupt ein Bewusstsein dafür geschaffen haben, dass in Deutschland Millionen Menschen auf Dauer leben werden, die inklusive ihrer hier geborenen Nachkommen bis dahin nur als "Gastarbeiter" bezeichnet wurden. Es ist noch nicht lange her, da behauptete der damalige Innenminister Schäuble (90er Jahre) Deutschland sei kein Einwanderungsland. Dem wurde damals richtigerweise entgegengehalten, man erkläre sich nicht zu einem Einwanderungsland, man sei es einfach. Genauso verhält es sich mit der multikulturellen Gesellschaft. Man erklärt sich nicht dazu, man ist es, oder eben nicht.
Wenn ich ihr Geschriebenes so lese, dann sehe ich nicht ihren Lösungsansatz.... sondern nur Geschrei.
auch für Sie. Sie werden niemanden finden, der die Probleme, die es in diesem TV-Film zu sehen gibt, verneinen würde. Auch und gerade diejenigen, die Sarrazin kritisieren, sind sich der vorhandenen Integrationsprobleme durchaus bewusst. Aber es ist nicht sinnvoll sich die Probleme reinzuziehen und dann Zeter und Mordio zu schreien, ohne über sinnvolle Lösungen auch nur nachzudenken.
Da höre ich von der populistischen Rechten wenig bis gar nichts.
Da traut sich mal einer, die Wahrheit zu sagen und all die selbstgestrickten Multikulti-Trallalas im rosaroten Wolkenkuckucksheim jaulen gequält auf. Die Politiker kriegen geradezu Schaum vor den Mund bei der kollektiven Sarrazin-Beschimpfung. Es wird nicht zur Kenntnis genommen, dass der Mann recht hat mit seiner Behauptung, dass die Moslems in ihrer übergroßen Mehrheit jegliche Integration verweigern und dass das einzige, was sie von Deutschland annehmen wollen, die Sozialhilfe ist. Sarrazin neigt zur Überpointierung, aber das ändert nichts am Wahrheitsgehalt seiner Aussagen. Statt auf ihn einzuprügeln, sollten sich die Politiker mal ernsthaft mit seinen Aussagen beschäftigen. Oder gilt die Meinungsfreiheit in Deutschland nur für die linken selbsternannten Gutmenschen?
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