Dank Blippy können Nachbarn und Freunde im Internet sehen, was der Einzelne per Kreditkarte bezahlt: Musik, Schuhe, Hotel mit der Geliebten. Das soll Spaß machen - Datenschützer sind entsetzt.
Die Tinte auf dem Vertrag ist noch nicht trocken, da weiß die neugierige Nachbarin schon, dass Familie Müller einen Tauchurlaub gebucht hat. Sie hat gar nicht fragen müssen, denn alles, was Müllers per Kreditkarte bezahlen, steht Sekunden später im Internet - für jeden zugänglich. Klingt wie in George Orwells Überwachungsfiktion "1984"? Willkommen bei Blippy, dem neuesten Spielzeug im Web 2.0.
Schau, was ich eingekauft habe: Blippy veröffentlicht Kreditkartenabrechnungen im Internet. Die freiwillige Einkaufsüberwachung soll Spaß machen - Datenschützer sind entsetzt. (© Foto: Blippy/dpa)
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In amerikanischen Medien und Blogs wird Blippy schon als der nächste große Wurf gefeiert - Verbraucherschützer bringt der Internetdienst auf die Palme. Seit der Veröffentlichung Anfang Dezember waren Einladungen zu Blippy heißbegehrt - weil sich das Portal offiziell in der Testphase befand, ließ es zunächst nur Nutzer zu, die von anderen Mitgliedern eingeladen worden waren. Seit wenigen Tagen ist der Zugang für alle offen.
Das Piepsen der Supermarktkasse
Die Idee des Internet-Netzwerks ist simpel, der Nutzen für den Anwender fragwürdig. Bei der Anmeldung gibt er seine Kreditkartennummer und/oder Zugangsdaten für Internetkaufhäuser wie Amazon oder Apples iTunes-Store an. Alles, was er anschließend dort einkauft oder in einem beliebigen Geschäft per Kreditkarte bezahlt, wird automatisch in seinem Profil auf http://blippy.com veröffentlicht.
Dort ist dann zu lesen, wo er welche Dinge wann eingekauft hat - und was sie gekostet haben. Der Name des Dienstes erinnert nicht zufällig an das Geräusch einer Supermarktkasse: Blip steht im Englischen für einen Piepston. Um zu verhindern, dass intime Besorgungen wie etwa Weihnachtsgeschenke oder Hotelbesuche mit der Liebesaffäre verkündet werden, raten die Betreiber zur Benutzung zweier Kreditkarten - eine mit und eine ohne Blippy-Verknüpfung.
Eine typische Blippy-Meldung sieht so aus: "Philip Kaplan hat gerade 178,51 Dollar im Aloft Hotel ausgegeben. Er war dort zum ersten Mal Kunde." Die anderen Nutzer können das vermeintliche Schnäppchen online bewerten und kommentieren - dem Käufer also beispielsweise erzählen, dass sie ein viel besseres Hotel für viel weniger Geld kennen. Oder, dass es eine großartige Unterkunft ist und er dort viel Spaß haben wird.
"Wir teilen deinen Schmerz"
Auch Mitleidsbekundungen sind üblich - beispielsweise im Falle einer Telefonrechnung in Höhe von 398 Dollar, die in Kaplans Profil aufgetaucht ist. "Wir alle teilen deinen Schmerz", kommentiert etwa ein Nutzer namens "marcusbryan".
Kaplan alias "Pud" ist einer der prominentesten Blippy-Nutzer - er hat das amerikanische Start-up-Unternehmen mitgegründet. Er sagt, Einkäufe seien "viel interessanter, wenn sie öffentlich diskutiert werden können". Seinen Angaben zufolge hat Blippy bereits Umsätze im Wert von fünf Millionen Dollar registriert. Er rechne damit, dass es bald eine Million Dollar täglich seien. Der Wert eines durchschnittlicher Blippy-Einkaufs liege derzeit bei 42 Dollar.
Noch sind es vor allem Kaplans Landsleute, die sich für den neuen Dienst begeistern lassen. Etwa 5000 Mitglieder zählt Blippy bislang. Auch Pop-Sternchen Britney Spears hat offenbar schon einen Zugang - Einkäufe wurden unter ihrem Namen allerdings noch nicht registriert.
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Warum entblößen sich Menschen online?
Ich glaube, sie suchen nach Aufmerksamkeit.
Den Preis eines gekauften Produkts online zu publizieren,
das ist doch nichts als digitale Angeberei.
Auf die Idee, dass es nicht so interessant ist,
was zuletzt wo wie teuer gekauft wurde,
kommen manche wohl nicht.
Die Daten werden ja erst für Werbetreibende interessant.
Wenn man sich also wünscht,
dass es so etwas wie Blippy nicht (mehr) gibt,
muss man das Problem an der Wurzel packen und sich fragen, wieso die Nutzer nicht auf anderen Wegen Aufmerksamkeit bekommen können.
Aber solange man selbst nicht Blippy o.ä. nutzt,
muss man sich darüber ja auch nicht so schrecklich viele Gedanken machen, oder?
Wenn die Leute es lustig finden, na bitte.
Frage mich allerdings warum dann die Amis nicht gleich jedem einen ID-Chip unter die Fingerkuppe plantieren um gleich alles gläsern zu machen.
Ich werde erzkonservativ wie immer, solche Hypes nicht teilen. Bin immer noch der Ansicht das meine Telefongespräche, meine Kreditkartenkäufe, meine Arztbesuche und meine Partybesuche niemand etwas angehen.
und wieder mal: Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten (man könnte auch Blödheit sagen)
Ich denke das Problem heißt eigentlich "Ich kommuniziere - also bin ich" und ist Ausdruck eines kollektiven Minderwertigkeitskomplexes innerhalb der "Informationsgesellschaft".
Früher konnte man nur persönliche Dinge über irgendwelche Promis lesen - heute kann Jeder persönliche Dinge von sich preisgeben und sich auf diese Weise wichtiger finden.
Motto: Wenn Andere sich mit meinem Leben auseinandersetzen - dann bin ich "wichtig" oder "beliebt"... sprich auch so ein bißchen "Promi".
..mal empfehlen einen kurzen Blick in die AGB seines Kreditkartenanbieters zu werfen: Normalerweise wird da nämlich ein Haftungsausschluss des Kreditkarteninstituts zu finden sein, wenn man nicht ordnungsgemäß mit den einem anvertrauten, sensiblen Daten umgeht.
Ich bin ja mal gespannt, wie groß die Tränen sind, wenn irgendwann Karl oder Lieschen Müller knietief im Dispo hängen, weil so ein böser Internetkrimineller mit ihren Kreditkarteninfos Schindluder getrieben hat....und sich die Bank (in diesem Falle völlig zu Recht) weigert den Schaden zu ersetzen.
Das Einzige, das den entstandenen Schaden in Grenzen halten könnte, ist die Hoffnung, dass der Straftäter aus dem Lachen nicht mehr rauskommt, weil man es ihm so unfassbar einfach gemacht hat.
Des weiteren können wir uns sicher auf ein paar spannende Berichte bei den Privatsendern freuen: "Abgezockt! Wie skrupellose Internetverbrecher gutgläubige Bürger bedrohen"
Als Gast u.a. Wolfgang Bosbach (Vorsitzender des Bundestags-Innenausschusses) und Jörg Ziercke (BKA), die uns erklären warum das Internet grundsätzlich böse ist und verschärfter Überwachung bedarf....
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