Billigtextilien Gutes Gewissen kostet extra

Was ein gutes Hemd kostet

Kleider, die mit ausbeuterischen Löhnen und vielen Schadstoffen hergestellt werden, gibt es zuhauf in deutschen Geschäften. Beim Spontankauf sieht man allerdings nicht, ob Kinderhände die Jeans gebleicht haben und der Lohn der Näherin zum Leben reicht. Sozial und ökologisch produzierte Mode ist schwer zu finden. Ein kleiner Einkaufsführer

Von Catherine Hoffmann

Immer mehr Menschen beginnen, die alte Frage neu zu stellen: Dürfen wir einfach konsumieren - ohne große Rücksicht auf Menschenrechte und Natur? Ist es in Ordnung, ein T-Shirt für 2,50 Euro zu kaufen, wohl wissend, dass es weder sozial- noch umweltverträglich hergestellt wurde? Es gibt Verbraucher, denen es nicht mehr genügt, die neueste Mode zu niedrigen Preisen zu kaufen. Sie wollen wissen, wer das produziert hat und wie; sie fragen nach. Das setzt Händler und Hersteller unter Druck, auch wenn sich der - noch - gut aushalten lässt.

Was für Lebensmittel und Kosmetik längst selbstverständlich ist, kommt bei Klamotten gerade erst in Schwung. "Die Diskussion über nachhaltige Textilien bewegt mehr und mehr Verbraucher", sagt Heike Scheuer vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN). Aber es ist ein mühsames Geschäft.

Designer tun sich schwer mit langfristigem Denken und Nachhaltigkeit, Mode muss die Augen auf sich ziehen und das Herz höher schlagen lassen. Beim Spontankauf sieht man nicht, ob Kinderhände die Jeans gebleicht haben und der Lohn der Näherin zum Leben reicht. Umfragen zeigen, dass Preis und Qualität beim Kauf von Kleidern ausschlaggebend sind, ethische Fragen spielen kaum eine Rolle. Sozialverträgliche Arbeits- und Produktionsbedingungen, Schutz der Umwelt oder bessere Verträglichkeit sind den meisten Käufern egal. Zudem zweifeln Verbraucher an der Glaubwürdigkeit von Gütesiegeln; und sie fürchten, dass faire Mode teuer und langweilig ist.

Auch Gütesiegel bieten keine Sicherheit

Die Deutschen wollen aber vor allem eines: Sie sparen beim Shoppen, auch wenn sie es nicht nötig haben. Da hilft nur der Appell an das schlechte Gewissen. So grausam es ist: Die Schreckensnachrichten über die vielen Toten in Bangladesch, die beim Brand einer Textilfabrik ums Leben kamen, Bilder von fliederfarbenen Gewässern und Berichte über giftige Chemikalien in Anoraks helfen dabei, die Sinne zu schärfen für das, was in die Tüte kommt - und was man besser liegen lässt. Dabei soll nicht verschwiegen werden: Gutes Gewissen kostet extra. Ein T-Shirt für 2,50 Euro kann nicht fair und sauber sein. Das bedeutet aber nicht, dass ein 50-Euro-T-Shirt unter menschenwürdigen Bedingungen produziert wurde, ohne der Natur zu schaden.