Von H. Leyendecker und K. Ott

Bei der BayernLB haben Ermittler schon oft gestaunt. Doch es kommt noch besser: Die Bank soll Jörg Haider bestochen haben.

Jörg Haider ist tot, die Manager der spendablen BayernLB haben Kärnten wegen des Milliardendesasters mit der Bank Hypo Alpe Adria fluchtartig verlassen - und auch sonst ist die Lage des jahrelang aus vielen Töpfen alimentierten Fußballclubs SK Austria Kärnten nicht rosig.

BayernLB, dpa

Die Münchner Staatsanwälte untersuchen, ob die BayernLB über ihre Berliner Tochterbank DKB Millionen für den Profifußball in Kärnten gezahlt hat, weil Haider das bei den Verhandlungen über den Verkauf der Hypo Alpe Adria an die Landesbank so gefordert habe. (© Foto: dpa)

Anzeige

Magere sieben Punkte aus 19 Spielen, Tabellenletzter, Riesenlöcher im Etat. Den Manager des österreichischen Bundesligisten, Michael Heiden, kann eigentlich nichts mehr überraschen, aber das Telefonat vor zwei, drei Wochen, war schon merkwürdig.

Der Anrufer gab sich als Vertreter der bayerischen Staatskanzlei aus und machte einen interessanten Vorschlag: Die im September 2007 eröffnete "Hypo Group Arena" solle in "BayernLB-Arena" umbenannt werden. Ob das möglich sei?

Heiden antwortete etwas ausweichend, das hänge vom Geld ab. Dann endete das Gespräch. "Ich glaube, das war ein Scherzanruf", sagt der Manager heute.

Die Spur wird wohl wirklich nicht in die Münchner Staatskanzlei führen, aber der Unbekannte scheint ein Kenner der wahren Verhältnisse zu sein. Ohne die Bayerische Landesbank wäre der Lieblingsklub des früheren Kärntner Landeshauptmanns Haider, darauf deuten die Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft hin, nicht erstklassig geworden. Heimliche Geldspritzen der DKB, eine Tochterbank der BayernLB mit Sitz in Berlin, könnten dem Retortenclub erst zum Leben verholfen haben.

Es gibt inzwischen nicht mehr viel, was die Ermittler des Untreue-Verfahrens im Fall der BayernLB noch staunen lässt. Dass die Landesbank vor bald drei Jahren bei der Übernahme der Kärntner Finanzgruppe Hypo Alpe Adria viel zu viel Geld gezahlt hat, mutmaßen die Strafverfolger schon lange. Sie haben auch nachvollziehen können, dass Haider das viele Geld aus Bayern für seine politischen Wohltaten eingesetzt hat. Auch finden sie es bedenklich, dass der Kaufvertrag alle Risiken dem Käufer BayernLB auflud - und alle Vorteile dem Verkäufer gewährte. Aber die Fußball-Geschichte ist schon sehr pittoresk.

Sie handelt von Nepotismus und Größenwahn und das beginnt schon mit der Entstehungsgeschichte des Stadions in Klagenfurt, einer Stadt mit 92.000 Einwohnern. Haider schwadronierte öffentlich über die "Sicherung der fußballerischen Entwicklung in diesem Lande". Zu diesem Zweck wurde ein viel zu großes, viel zu teures Stadion gebaut, das anfangs jedem dritten Einwohner der Stadt Platz bot.

Eine furiose Idee

Die Kapazität von heute immer noch bis zu 30.000 Zuschauern ist so beeindruckend wie der Preis für das meist leere Stadion und den angrenzenden Sportpark: 72,12 Millionen Euro. Als die Anlage, in der bei der Fußball-EM im Sommer 2008 auch die deutsche Elf auflief, schon fast fertig war, fehlte immer noch der passende Fußballklub. Da kamen Haider und einige seiner Gefolgsleute auf eine furiose Idee: Sie kauften gewissermaßen den Fußballklub SV Superfund Pasching aus Oberösterreich, der mit seiner Erstligalizenz nach Klagenfurt übersiedelte und dort als SK Austria Kärnten weiter existierte.

Präsident von Pasching war der Speditionsunternehmer Franz Grad, von dem der schöne Spruch überliefert ist, in Bayern würden Haftbefehle ausgestellt "wie bei uns Krankenscheine". Mit ihm nahm im Frühjahr 2007 ein Haider-Getreuer Kontakt auf und im Juni erfolgte der Vereinstransfer nach Kärnten. Angeblich flossen zu diesem Zweck mehrere Millionen Euro auf ein Treuhandkonto, zur "Förderung des Fußballsports in Pasching", wo man plötzlich achtklassig geworden war.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Zwei Millionen für die erste Fußball-Liga
  2. Wo kamen die Millionen her?
Leser empfehlen