BayernLB Oh, ein Erfolg

Die BayernLB verdiente 2010 überraschend viel - und lässt wohl auch ihre Teilhaber etwas davon abbekommen. Nach verlustreichen Jahren sieht Bankchef Häusler ein Zeichen für die Wende.

Von Martin Hesse

Lange hatten Eigentümer und Mitarbeiter der BayernLB nichts zu Lachen gehabt. Das gesamte Jahr 2010 über hatten sie vor allem die Skandale der Vergangenheit aufarbeiten müssen, immer neue Enthüllungen hielten Verwaltungsrat und Management in Atem. Jetzt konnte Vorstandschef Gerd Häusler einmal mit einer positiven Überraschung aufwarten: Die BayernLB hat im vergangenen Jahr mehr Gewinn gemacht, als erwartet worden war. 800 Millionen Euro hat die Landesbank vor Steuern verdient, detaillierte Zahlen will das Management erst Ende März vorlegen.

Das Geld reicht, um den Genussscheininhabern die Verluste der vergangenen Jahre auszugleichen, auch der Freistaat bekommt einen Teil der Verluste, die er mit seiner stillen Einlage erlitten hatte, ausgeglichen. Entsprechend positiv sei das Ergebnis in der Landesregierung aufgenommen worden, hieß es in Eigentümerkreisen. Die BayernLB gehört dem Freistaat zu 94 Prozent, der Rest liegt noch bei den bayerischen Sparkassen.

Schon Ende vergangenen Jahres hatte Häusler gehofft, die Zeit der Vergangenheitsbewältigung bei der BayernLB neige sich dem Ende zu. Der Untersuchungsausschuss zum Kauf der Skandalbank Hypo Alpe Adria, der die BayernLB 3,7 Milliarden Euro Verlust bescherte, hatte seine Arbeit weitgehend abgeschlossen. Doch dann kam erneut ein skandalöser Vorgang ans Licht: Ex-Risikovorstand Gerhard Gribkowsky wird verdächtigt, 50 Millionen Euro für Gefälligkeiten im Zusammenhang mit dem Verkauf der Formel-1 kassiert zu haben. Deshalb war die Stimmung in der Landesbank in den vergangenen Wochen gedrückt, wie es heißt. Man war frustriert, dass immer wieder Fehler der Vergangenheit die bessere heutige Entwicklung überlagern.

Jetzt hoffen die Landesbanker auf bessere Zeiten. Der Gewinn im Jahr 2010 fiel deutlich höher aus, als noch im November erwartet worden war. Damals hatte Finanzvorstand Stefan Ermisch die Ergebnisse für das dritte Quartal vorgelegt und angedeutet, im Schlussquartal könne die Bank womöglich wieder in die roten Zahlen rutschen. Nach neun Monaten hatte sich der Gewinn der Bank auf 669 Millionen Euro summiert, demnach kamen im Schlussquartal noch einmal gut 130 Millionen Euro hinzu. 2009 hatte die BayernLB mit einem Verlust von 2,8 Milliarden Euro abgeschlossen.

"Überaus erfreulich"

"Nach mehreren Jahren hoher Verluste stellt sich das vorläufige Jahresergebnis für 2010 für die Bank überaus erfreulich dar", sagte Häusler. Vor allem die Bereiche, die künftig das Kerngeschäft ausmachen sollen, entwickelten sich gut, erklärte der Bankchef. Gemeint sind das Geschäft mit mittelständischen und großen Unternehmen sowie den vor allem in der DKB gebündelten Privatkunden. Zugute kam der BayernLB wie auch anderen Kreditinstituten, dass sich der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland verfestigt. Die Landesbank musste weniger Geld für faule Kredite zurücklegen. Auch die Risikovorsorge für die ungarische Tochter MKB erwies sich als ausreichend. Deren Probleme hatten der BayernLB die Halbjahreszahlen verhagelt. Zwar musste die BayernLB der MKB im Herbst 173 Millionen Euro Kapital nachschießen. Dennoch schrumpfte die Risikovorsorge per Jahresende auf rund 800Millionen Euro nach 3,3 Milliarden Euro Ende 2009. Da Häusler ein rigides Sparprogramm auflegte und tausende Stellen strich, verbessern auch niedrigere Verwaltungskosten das Ergebnis.

Der Gewinn kommt jetzt zunächst den Inhabern von Genussscheinen sowie der stillen Einlage der BayernLB zugute. In den Jahren 2008 und 2009 war der Wert dieses Nachrangkapitals um 15 Prozent herabgesetzt worden, Zinszahlungen gab es nicht. Jetzt soll der Wertverlust der Genussscheine voll ausgeglichen werden. In Bankenkreisen heißt es, dass die BayernLB allein dafür einen kleinen dreistelligen Millionenbetrag aufbringen muss. Auch sämtliche Zinsansprüche könnten aus heutiger Sicht befriedigt werden. Auf die Stillen Einlagen könnten "erste begrenzte Wiederauffüllungen des herabgesetzten Kapitals" erfolgen, teilte die Bank mit.

Mit den Zahlen sendet Häusler auch ein Signal an die EU-Kommission, die in den kommenden Monaten über Beihilfe-Auflagen für die BayernLB entscheidet. Die Landesbank muss schrumpfen und zugleich nachweisen, dass sie mit ihrem neuen Geschäftsmodell überleben kann. Nachdem Fusionsverhandlungen mit der WestLB im Herbst gescheitert waren, will Häusler nun zeigen, dass die BayernLB auch alleine zurechtkommt. Mittelfristig kann man sich in München ein Zusammengehen mit anderen Landesbanken wie der LBBW vorstellen.