BayernLB Der Chef kämpft um seinen Job

Er will nicht nur Zwischenlösung sein: Stefan Ermisch, kommissarischer Chef der BayernLB, geht in die Offensive.

Von Klaus Ott

Seit fünf Wochen ist Stefan Ermisch kommissarischer Chef von Bayerns angeschlagener Landesbank, nun hat sich der ehrgeizige Manager erstmals an die Belegschaft gewandt.

Der kommissarische Chef Stefan Ermisch hat sich erstmals an die Belegschaft gewandt. Er verweist auf "erste Erfolge" und scheint die dauerhafte Spitzenposition anzustreben. Je schneller der Verwaltungsrat über die Stelle entscheiden muss, desto besser stehen die Chancen für Ermisch.

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Erste Erfolge

Der 44-Jährige verweist auf, "erste Erfolge" bei der Sanierung des staatlichen Kreditinstituts, die gut vorankomme. Es sei gelungen, neue Kunden zu gewinnen, die Geschäftszahlen seien besser als geplant, schreibt Ermisch und fügt hinzu, man sei auf dem, "richtigen Weg".

Unter Mitarbeitern wird die Botschaft als deutliches Signal gewertet, dass der erst vor gut eineinhalb Jahren zur BayernLB gekommene Manager auf Dauer Vorstandschef sein wolle. "Er will den Job", heißt es in der Belegschaft. "Das ist keiner, der kampflos aufgibt."

Der Zeitpunkt für die erste Botschaft von Ermisch sei kein Zufall, glauben Mitarbeiter. Diese Woche war der von Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) geleitete Verwaltungsrat überein gekommen, erst einmal nach anderen Kandidaten für den Chefposten Ausschau zu halten, bevor man entscheidet.

Entscheidung im Februar

Der Verwaltungsrat beaufsichtigt die Staatsbank, ihm gehören mehrere CSU-Politiker an, und die CSU will sich offenbar Zeit lassen. Doch der Koalitionspartner FDP macht Druck: "Wir werden sehr rasch entscheiden", sagte am Freitag Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil, der dem Verwaltungsrat angehört. Noch im Februar solle der neue Bankchef bestimmt werden, betonte der FDP-Mann. Das hilft Ermisch. Je weniger Zeit bleibt, eine Alternative zu finden, desto besser sind die Chancen des kommissarischen Chefs. Und der will seine Chancen offenbar nutzen.

Intern war ihm bereits angekreidet worden, sich seit der Übernahme der Amtsgeschäfte von Michael Kemmer noch nicht an die Belegschaft gewandt zu haben. Kemmer hatte wegen des Milliardendesasters der BayernLB bei der Kärntner Bank Hypo Alpe Adria gehen müssen. Jetzt geht Ermisch in die Offensive und verbreitet in seinem Brief Zuversicht: "Alle Geschäftsfelder übertreffen deutlich die Planungen", darauf könnten die Beschäftigten stolz sein. Ohne die Belastungen durch die Hypo Alpe Adria, die für 2009 zu einem, "sehr hohen Jahresfehlbetrag" führten, wäre die Landesbank bereits wieder profitabel. Beim Abbau der Risiken und der Beteiligungen, die nicht zum künftigen Kerngeschäft gehörten, mache man, "gute Fortschritte".

Eine wettbewerbsfähige Bank

Das Fazit von Ermisch: "Die BayernLB steht heute besser und stabiler da als vor einem Jahr.'' Man habe die Grundlagen für eine, "wettbewerbsfähige Bank geschaffen". Betriebsbedingte Kündigungen seien ausgeschlossen, verspricht Ermisch. Er wirbt dafür, "gemeinsam weiterhin entschlossene Schritte nach vorne zu machen".

Ob das mit ihm als Vorstandschef geschieht, ist offen. Kaum hatte FDP-Minister Zeil am Freitag verkündet, der neue Bankchef werde im Februar bestimmt, da folgte wenig später eine gemeinsame Erklärung von Regierungschef Horst Seehofer (CSU), Finanzminister Fahrenschon und eben Zeil: "Sorgfalt geht vor Schnelligkeit", stand da. Die Auswahl der Bankchefs sei, "wohl abzuwägen". Das klang nicht nach einer schnellen Entscheidung.