Hektische Tage für die Banken: Geldinstitute und Versicherungen müssen ihre griechischen Anleihen abschreiben. Wohl jetzt schon. Das kostet sie Milliarden - besonders schlimm trifft es die Commerzbank.
Wenn sich die Fachgremien des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Düsseldorf treffen, ist das normalerweise von begrenztem öffentlichen Interesse. Doch was der Berufsverband am Dienstag beschloss, schlug bei Banken und Versicherungen ein wie eine Bombe. Der Verband empfiehlt den Finanzinstituten, den Wert ihrer griechischen Anleihen zu berichtigen. "Wir müssen nach heutigem Stand von einem Zwang zu Abschreibungen ausgehen", sagte Verbandschef Klaus-Peter Naumann.
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Für die Banken sind Abschreibungen von 30 bis 50 Prozent im Gespräch. Es wird auch davon abhängen, wie die Griechenland-Rettung auf dem EU-Gipfel aussieht. (© dpa)
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Banken müssen rechnen
Damit ist eingetreten, wovor Banken und Versicherungen seit einem Jahr zittern: der Ernstfall. Denn die Empfehlung ist für alle Wirtschaftsprüfer bindend, sie werden sich daran halten. Und der Verband sagte auch gleich dazu, wann er die Werte gerne berichtigt hätte, nämlich schon im Abschluss für das zweite Quartal. Die Deutsche Bank veröffentlicht die Zahlen schon am nächsten Dienstag, andere Institute folgen kurz darauf. "Das werden jetzt hektische Tage für die Banken und Versicherungen", heißt es in Frankfurter Finanzkreisen. Die Institute müssen ausrechnen, wie viel sie von ihrem Griechenland-Engagement verloren geben müssen.
Eine feste Vorgabe der Wirtschaftsprüfer gibt es dazu nicht. Im Gespräch sind Abschreibungen von 30 bis 50 Prozent. Es wird auch davon abhängen, wie die Griechenland-Rettung auf dem EU-Gipfel aussieht. Insgesamt soll es um 19 Milliarden Euro gehen, die bei deutschen Banken und Versicherungen an griechischen Anleihen liegen. Doch einen Teil davon haben die Institute schon abgeschrieben, es kommt auch darauf an, wie die Anleihen bilanziert wurden und wie lange sie laufen. So viel aber lässt sich schon sagen: Die Empfehlung des Wirtschaftsprüfer-Verbandes macht Banken und Versicherungen auf einen Schlag um mehrere Milliarden Euro ärmer.
"Das wird natürlich reinhageln in die Zahlen"
Am stärksten wird es die Commerzbank treffen, die mit 2,9 Milliarden Euro in Griechenland investiert ist und davon noch kaum etwas abgeschrieben hat. "Für das Institut wird es schwierig, im zweiten Quartal überhaupt noch einen Gewinn zu machen", sagt Analyst Olaf Kayser von der LBBW am Mittwoch. Eine Abschreibung um 30 Prozent würde bedeuten, dass das Ergebnis im zweiten Quartal um fast eine Milliarde Euro belastet wird. "Das wird natürlich reinhageln in die Zahlen", sagt Kayser.
Bei der Deutschen Bank stehen 1,5 Milliarden Euro im Feuer, ein großer Teil davon wurde aber schon bei der Übernahme der Postbank abgewertet. Deshalb dürfte die Abschreibungsquote deutlich niedriger liegen als 30 Prozent. Dagegen hat die Abwicklungsanstalt FMS Wertmanagement - die Bad Bank, in der die Altlasten der Hypo Real Estate liegen - den Wert ihrer Griechenlandanleihen noch gar nicht berichtigt. Auf sie kommen bei einem Schuldenschnitt von 30 Prozent fast drei Milliarden Euro Verlust zu.
Die Börse nahm die Nachricht gelassen. Die Investoren hatten schon damit gerechnet, dass der Schritt irgendwann kommen würde. "In den Commerzbank-Zahlen war das schon drin", sagte ein Analyst. Allein in den vergangenen zwei Wochen hat die Aktie mehr als ein Viertel verloren.
Groll in Frankfurt
Die Empfehlung der Wirtschaftsprüfer wird auch für die Versicherer teuer. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft schätzt, dass deutsche Erst- und Rückversicherer zuletzt 0,3 Prozent ihrer gesamten Kapitalanlagen (1,25 Billionen Euro) in griechische Staatsanleihen investiert hatten. Das entspräche 3,75 Milliarden Euro. Der Löwenanteil entfällt auf die beiden Dax-Konzerne: Die Allianz hat 1,3 Milliarden Euro im Feuer, Munich Re 1,1 Milliarden Euro. Würde Griechenland die Hälfte seiner Schulden erlassen, müsste die gesamte Branche knapp 1,9 Milliarden Euro verloren geben, was das Quartalsergebnis spürbar belasten würde.
"Die Wertberichtigungen sollten keine Versicherung so hart treffen, dass sie zu Kapitalerhöhungen gezwungen wäre", sagt Konrad Becker, Analyst beim Bankhaus Merck Finck. Auch die Versicherungskunden müssten deswegen keine geringeren Leistungen fürchten. Selbst wenn es künftig zu einer Umschuldung Irlands oder Portugals käme, dürfte das keine Versicherung umhauen. Anders sähe es aus, sollten Spanien und Italien in Not geraten.
Analysten von Goldman Sachs haben errechnet, was auf die Banken zukäme, wenn auch Irland, Portugal, Spanien und Italien einen Teil ihrer Schulden nicht mehr zurückzahlen würden: An dem Stresstest der EU-Bankenaufsicht wären dann nicht acht, sondern 27 Banken gescheitert. So weit ist es zwar noch nicht, doch in Frankfurt wächst der Groll, dass Deutschland vorprescht, während noch unklar ist, wie andere Länder mit dem Thema umgehen. Frankreich zum Beispiel wolle es seinen Banken freistellen, Verluste abzuschreiben, heißt es da. Die französischen Banken sind mit 44 Milliarden Euro in Griechenland engagiert.
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(SZ vom 21.07.2011/hgn)
Griechenland und die Euro-Zone
Wer beschreibt einmal, wieviel die Banken mit diesen Anleihen bereits verdient haben? Und wer beschreibt, wo und wie sie sich das eventuell verlorene Geld wieder reinholen?
Bestimmt nicht bei den Traumgehältern und Boni der Bankmanager! Und bestimmt auch nicht bei den Rating-Agenturen, welche bis vorgestern Griechenland noch die besten Noten gegeben haben!
Banken müssen Anleihen abschreiben. Mit diesen Sprüchen scheinen sie uns Verbraucher vorwarnen zu wollen.
Es scheint auf uns Bankkunden eine neue Art von Abzocke anzulaufen. Wenn die Banken irgendwo durch eigenes Verschulden, wie z.B. die Spekulationsverluste mit den US-Immobilienpapieren, Verluste einfahren, halten sie sich in der Regel schadlos durch betrügerische Gebühren am Inlandkunden. Diesem Gangstertum dürfen wir als Verbraucher nicht länger zusehen. Der stete Tropfen hölt den Stein, wie man die Erfolge von Foodwatch bei dem neuen Verbraucherportal von Ministerin Aigner sehen kann. Die Nahrungsmittelindustrie faucht und sieht große Renditeverluste auf sich zukommen. Ähnlich muss man mit dem Gaunertum der Banken verfahren.
Wenn ein Gewinnausfall oder nur eine Gewinnminderung von einem Quartal alles ist, was wir befürchten müssen, sehe ich der Krise gelassen ins Auge.
Der Kollateralschaden der ständigen Gewinnrettungen ist dagegen für die Gesamtwirtschaft unermesslich höher (EInsparungen in der Infrastruktur, Bildungseinsparungen, sinkende Löhne etc.)
Also - bitte nicht die Banken retten.
Dann schon lieber ein Investitionsprogramm für die Griechen - natürlich als zweckgebundener Kredit, um dem versickern des Geldes vorzubeugen!
Der Bankensektor - nein, der gesamte Finanzsektor! - hat als Medium, Investitionen dahin zu lenken, wo sie benötigt werden, versagt.
Es gelingt ihm aber prima, die Gewinne der Wirtsschaft in die eigenen Taschen zu lenken, natürlich mit dem Hinweis auf die Systemrelevanz.
Bitte keine Bankenrettungen mehr - das Geld wird dringend woanders benötigt!
Bitte einen echten Finanzmarkt - dieser setzt eine Regulierung voraus.
Selbst ein Wochenmarkt hat Regeln!
Alles andere ist Faustrecht - das Recht des Stärkeren.
Wie stark einzelne Banken in GR engagiert sind, dazu gibt es völlig widersprüchliche Informationen.
Im Artikel wird behauptet:
'Die französischen Banken sind mit 44 Milliarden Euro in Griechenland engagiert.'
Ein anderer Artikel will wissen:'Sarkozy fürchtet dadurch Schaden für die französischen Banken, die deutlich mehr griechische Staatsanleihen und Beteiligungen halten als die deutschen Institute. '
Andererseits und gegensätzlich gibt es Meldungen, daß D und F sowie die Kommission deutsche Banken und französische Banken aufgefordert hätten aus poltischer Räson, keine GR Papiere zu veräußern.
In der Folge aber hätten französische Institute trotzdem massiv einen großen Teil der Papiere veräußert und deutsche eben nicht. Dann hielten deutsche Institute aktuell erheblich mehr GR Papiere als französische und die Erklärung für Sarkozys Motive wäre obsolet.
Konträr dagegen meldet die FAZ heute: 'Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hielten die französischen Kreditinstitute Ende 2010 rund 10,5 Milliarden Euro der griechischen Staatsschuld, die deutschen 15,3 Milliarden Euro', ein völliger Widerspruch zu 3 und 4.'
Kann die Redaktion das mal aufklären..??
wieder einmal, zum zigsten Male - dass die "großartigen" Finanzmanager durch die Bank vor allem Eines sind: "großartige" Totalversager!
Genau so wie viele "Top-"männätscher.
Fast alle erweisen sich im Nachhinein als absolute Nieten.
Aber nicht, dass daraus jemals etwas gelernt würde.
Gier macht dumm.
Paging