Banken in Bedrängnis Griechen plündern ihre Konten

Wie sicher ist das Geld auf der Bank noch? Griechenlands Bürger sind in Sorge - und heben in großem Stil ihre Ersparnisse ab.

Von Alexander Hagelüken

Die Bürger Griechenlands machen sich offenbar mindestens ebenso große Sorgen über den Zustand ihres Staates wie internationale Investoren. Laut einer neuen Studie beginnen sie, in großem Stil Geld von ihren Bankkonten abzuziehen, als befürchteten sie, dass es dort nicht mehr sicher ist. Diese Nachricht kommt an einem Tag, da die Zitterprämie für Käufer Athener Anleihen steil anstieg, was die Lage für das Euro-Land mit den gigantischen Schulden noch schwieriger werden lässt.

Immer mehr Griechen befällt Panik, dass sie in der Krise Ersparnisse verlieren könnten. Im Januar und Februar hoben sie nach Zahlen der heimischen Notenbank unter dem Strich acht Milliarden Euro von ihren Konten ab. Das entspricht vier Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. "Solche Aktionen kennen wir normalerweise nicht aus Industriestaaten, sondern nur von Bankenkrisen in Schwellenländern wie Argentinien", sagt Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank, die das Phänomen in einer Studie beleuchtet. Die Griechen hätten ihre Einlagen erstmals seit dem Beitritt zur Währungsunion vor knapp zehn Jahren reduziert.

Das Misstrauen der Griechen gegenüber ihrer Regierung bringt die inländischen Banken in Bedrängnis. Sie haben in den vergangenen Monaten billig Geld von der Europäischen Zentralbank geliehen und damit Staatsanleihen gekauft, nach manchen Daten in einem Ausmaß, das dem Eigenkapital des Bankensektors entspricht. Wenn diese Anleihen stark im Kurs fallen oder die Regierung gar die Zahlungen aufschieben muss, geraten die Banken ins Straucheln. Weil die inländischen Geldhäuser die größten Käufer griechischer Staatsanleihen sind, kommt auch die Regierung in Not.

Investoren weltweit drückten am Dienstag ihr Unbehagen über die Zahlungsfähigkeit des Landes aus. Der Risikoaufschlag für Anleihen aus Athen kletterte um einen halben Prozentpunkt auf ein neues Rekordniveau von zeitweise mehr als vier Prozentpunkten (siehe Grafik). Die Regierung muss Käufern neuer Anleihen in der Tendenz also vier Prozentpunkte mehr bezahlen, als es die Bundesregierung für deutsche Anleihen tut. Damit ist die Finanzierung für Griechenland weit teurer als für Schwellenländer wie Brasilien oder Mexiko (Aufschlag knapp zwei Prozent). Zum Vergleich: Vergangenen Sommer lag die griechische Zitterprämie nur bei einem Prozentpunkt.

Weniger Interesse an griechischen Anleihen

Bemerkenswert war am Dienstag der steile Anstieg genauso wie die Ursache dafür: Eine Nachrichtenagentur zitierte anonyme Regierungsmitglieder, die angeblich das EU-Hilfspaket für den Notfall ändern wollen, weil sie zu harte Auflagen des Weltwährungsfonds (IWF) befürchten. Die Regierung in Athen dementierte die Meldung umgehend, konnte die Nervosität der Anleger damit aber nicht zerstreuen.

Gillian Edgeworth, Volkswirtin der Deutschen Bank in London, erklärt dies mit mehreren Faktoren. Vergangene Woche hätten Investoren deutlich weniger Interesse an neuen griechischen Anleihen gezeigt. Außerdem war der Anteil inländischer Käufer hoch. "Beides beunruhigt die Märkte", sagt die Analystin. Anleger glaubten, dass ein Notfallpaket kompliziertere Verhandlungen zwischen Institutionen wie Weltwährungsfonds, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank erforderten, als nach dem EU-Gipfel vor zehn Tagen gedacht.

Damals hatten Europas Regierungen zugesagt, Griechenland zu helfen, falls es seine Kredite nicht aus eigener Kraft ablösen kann. Das war als große Unterstützung für das Euro-Mitglied gewertet worden und hatte die Zitterprämien für Anleihen vorübergehend reduziert. Am Dienstag stieg diese Prämie aber weit über das Niveau vor den Hilfszusagen. Ähnlich prekär waren die Daten bisher nur einmal Ende Januar, als offen war, ob die EU-Nachbarn Griechenland überhaupt helfen. "Der positive Effekt des Gipfels ist verpufft", sagt Commerzbank-Analyst Leuchtmann. "Die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass Europa helfen muss." Der Euro fiel zeitweise um eineinhalb Cent.