Die Finanzaufsicht Bafin hat hochriskante Leerverkäufe verboten - und sofort kehrt die Unsicherheit an den Märkten zurück. Der Euro stürzt ab, erstmals seit April 2006 unter die Marke von 1,22 Euro.
Es war ein Paukenschlag. Noch vor Börsenschluss an der Wall Street wurde die Nachricht bekannt, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) bestimmte hochspekulative Finanzgeschäfte bis zum 31. Mai 2011 verbieten würde. Die Reaktion kam prompt: Der Euro-Kurs, der sich gerade bei 1,24 Dollar stabilisiert hatte, stürzte ab und sank erstmals seit vier Jahren unter die Marke von 1,22 Dollar.
Leerverkäufe können für besonders heftige Kursausschläge sorgen. (© Foto: AP)
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Konkret sieht der Beschluss der Bafin so aus: Sogenannte ungedeckte Leerverkäufe von Aktien der zehn bedeutendsten deutschen Finanzinstitute sind seit Mitternacht untersagt. Das gleiche Verbot gilt für Staatsanleihen der Euro-Zone.
Leerverkäufe sind eine Methode, um an sinkenden Kursen zu verdienen. Dabei verkauft ein Spekulant Aktien oder Anleihen, die er sich lediglich geliehen hat. Er hofft, diese Papiere später zu einem niedrigeren Kurs erwerben zu können. Bei "ungedeckten" Leerverkäufen unterbleibt sogar der Vorgang des Leihens. Der Spekulant hofft einfach darauf, das Wertpapier später zu bekommen.
Solche Geschäfte gelten als besonders riskant und werden daher in Extremsituationen gelegentlich verboten. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hatte so ein Verbot kurz vor dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 erlassen.
Der Schritt der Bafin signalisiert den Finanzmärkten jetzt, dass die Situation derzeit ähnlich ernst ist wie vor zwei Jahren. Auch ungedeckte Kreditausfallversicherungen (CDS) auf Anleihen von Staaten der Euro-Zone fallen unter die Vorschrift.
Dabei handelt es sich um Versicherungen, bei denen die Spekulanten die dahinter stehende Anleihe nicht besitzen. Betroffen von dem Verbot sind Aktien von Allianz, Commerzbank, Deutscher Bank und Münchener Rück, Deutscher Börse, Deutscher Postbank, Hannover Rück, Aareal Bank, Generali Deutschland und MLP. Ein Mitglied der Unionsfraktion sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werde sich am Mittwoch zu dem Verbot äußern.
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(SZ vom 19.05.2010/segi/hgn)
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