Die private Altersvorsorge kostet zu viel, kritisiert Deutschlands oberster Verbraucherschützer Gerd Billen. Er will stattdessen einen staatlichen Fonds - um die Branche unter Druck zu setzen.
Viele der fast 13 Millionen Riester-Verträge sind zu teuer und intransparent, moniert Gerd Billen. Der Chef des Verbraucherzentrale-Bundesverbands fordert eine Reform der privaten Altersvorsorge. Die meisten Vorsorgeprodukte seien zu unflexibel für die wechselhaften Karrieren der Menschen, besser seien flexible Vorsorgekonten für Arbeitnehmer, die sie bei den häufiger werdenden Jobwechseln mitnehmen können.
Immer mehr Menschen müssen öfter den Job wechseln. Sie benötigen eine flexiblere Altersvorsorge, fordert Verbraucherschützer Gerd Billen. (© Foto: AP)
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SZ: Herr Billen, der Verbraucherzentrale-Bundesverband hat eine Studie vorgelegt, die das System der Altersvorsorge in Deutschland in Frage stellt. Sie vergleichen den Abschluss eines Riester-Vertrages mit einem Lotteriespiel.
Gerd Billen: In dem Gutachten zeigt sich, dass die Angebote zur staatlich gestützten Zusatzrente, im Volksmund Riester-Rente, die wachsende Vorsorgelücke nicht schließen können. Zum einen hat bislang maximal die Hälfte der Förderberechtigten einen Vertrag abgeschlossen, zum anderen erhalten nur 60 Prozent den maximalen Förderbetrag vom Staat. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner hat zudem vorgerechnet, dass Anleger mindestens 20 Milliarden Euro pro Jahr verlieren, weil ihnen ineffiziente Finanzprodukte verkauft werden. Viele Riester-Renten sind teurer als herkömmliche kapitalgedeckte Produkte. Das heißt, die Zuschüsse werden von Anbietern zum Teil in Provisionen umgemünzt statt in Anlageerfolg.
SZ: Was konkret muss sich ändern?
Billen: Die Produkte müssen transparent werden hinsichtlich der Kosten, der Chancen und Risiken. Dazu muss das derzeit freiwillige Produktinformationsblatt der Banken verbindlich werden. Die Banken sind durch die Krise unter Druck geraten, auf die Qualität der Beratung hat sich dies aber kaum ausgewirkt. Dabei haben viele Menschen inzwischen begriffen, dass Bankmitarbeiter oft in erster Linie Verkäufer sind und keine unabhängigen Berater. Trotzdem halten viele Institute an ihren Provisionsmodellen und intransparenten Produkten fest.
SZ: Es gibt ja auch Alternativmodelle, etwa das der Honorarberatung - allerdings bislang mit mäßigem Erfolg.
Billen: In der Tat liegen die Marktanteile für Honorarberatung in Deutschland bei nicht einmal zwei Prozent. Aber das muss nicht so bleiben, wenn die Banken endlich bereit sind, ihre Kosten aufzudecken. Selbst bei den staatlich geförderten Riester-Produkten fehlt bei 40 Prozent der Angebote die genaue Angabe zu den Kosten, und zwar in Euro, nicht in Prozent zu irgendeinem später angesparten Betrag. Wenn die Verbraucher flächendeckend die Provisionen mit den Honorarsätzen von Beratern vergleichen könnten, würden sie sich sicher öfter für Honorarberatung entscheiden.
SZ: In der Krise zeigt sich, dass viele Menschen nicht mehr in der Lage sind, Geld anzusparen. Viele senken ihre Beiträge zur Altersvorsorge, wohl wissend, dass die staatliche Rente nicht reicht.
Billen: Die Entwicklung macht uns große Sorgen. Aber viele Menschen kennen ihre Lücke gar nicht. Hier besser und systematisch zu beraten, erwarte ich von einem guten Vorsorgeberater. Zudem haben die Anbieter, und das ist eine Kritik vor allem der Versicherer, offensichtlich nicht realisiert, dass ihre Produkte die Lebenswirklichkeit nicht widerspiegeln.
SZ: Wie meinen Sie das?
Billen: Es gibt kaum mehr 40-jährige Erwerbsbiografien mit gesicherten Arbeitsplätzen. Die Menschen müssen sich darauf einstellen, öfters den Arbeitgeber zu wechseln, eine Zeitlang selbständig zu arbeiten oder mal arbeitslos zu sein. Viele Produkte, etwa der betrieblichen Altersvorsorge sowie die meisten Lebensversicherungen, gehen darauf gar nicht ein. Unstete Lebensläufe werden oft mit Abschlägen bei der Leistung bestraft.
SZ: Vor diesem Hintergrund ergeben dann aber auch viele der staatlich geförderten Riester- und Rürup-Produkte keinen Sinn mehr, oder?
Billen: Sie sind in jedem Fall zu unflexibel. Wenn man nicht lange genug bei einer Firma war, verliert man seine Ansprüche auf eine Betriebsrente aus diesem Betrieb meistens. Besser wären die Arbeitnehmer dran mit kapitalbildenden Konten, bei denen sie Beiträge an ihrem jeweiligen Verdienst und der Lebenssituation flexibel ausrichten könnten.
Auf der nächsten Seite: Verbraucherschützer Gerd Billen über eine mögliche Inflation und internationale Vorbilder für die private Altersvorsorge.
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Eigentlich bin ich geneigt, Herrn Billen zu zurufen, dass diverse Versicherungen die staatlichen Prämien, die doch für die Riester-Sparer gedacht waren als ihren eigenen Erbhof betrachten. Manche geben das mehr oder weniger auch noch zu. So unverschämt scheint man heutzutage zu sein. Es wäre doch wesentlich ehrlicher gewesen, wenn die damalige Regierung alle Altersvorsorge-Verträge in die staatlichen Bezuschussungen aufgenommen hätte. Das aber hat der Bankenverband erfolgreich verhindert!
Die Einzigen, die wirklich etwas von der Riesterrente haben, sind Banken und Versicherungen. Prima, die haben mit Sicherheit etwas von der "sicheren" Rente, weil sie gleich zu Anfang die Gebühren abkassieren.. Man sieht also, welches "ungeheuere" Vertrauen sie darin haben, das am Ende etwas von den eingezahlten Beträgen übrig bleibt, sonst könnten die Banken und V. doch am Schluss bei Beginn der Rentenzahlungen ihre Gebühren kassieren.
Nein, schade um die staatlichen Subventionen, die, die es wirklich brauchen würden, werden wohl nie eine "müde Mark" von den Einzahlungen sehen. An denen muss gespart werden. Aber die Versicherer bekommen "sicher" ihren Anteil. Für die sind die Rentenerträge sicher! Ein super Lobby.
Die Wahrscheinlichkeit mit der gleichen Summe Lotto zu spielen und etwas fürs Alter zu bekommen, ist wahrscheinlich sehr viel größer.
Mein Vorschlag, wenn Sie in einer Stadt wohnen, schaffen sie das Auto ab und zahlen die gesparten Beträge auf ein Konto ein, kündigen sie alle überflüssigen Versicherungen und zahlen sie das Geld auf dasselbe Konto, sie haben dann genügend Geld als Versicherung. Und Urlaub, geben sie nicht so an, sondern machen sie bescheideneren und preiswerteren Urlaub, was haben sie in Malariagebieten oder in Gegenden mit Hepatitis oder Aids verloren? Und warum müssen sie teure Markenklamotten und und Schuhe kaufen, für Angabe beim Nachbarn? Wenn sie sowieso nicht genug Geld für die Bildung ihrer Kinder haben?
Wir alle leben am besten von der Dummheit, aber Intelligenz schädigt das Geschäft: sagte vor einiger Zeit ein moderner Kaufmann zu mir.
Ist das wirklich so? Dann kaufen sie weiter "Riester"...
bitte schauen Sie sich doch mal die Reportage die Wotcom empfohlen hat:
http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/1752348?pageId=&moduleId=799280&categoryId=&goto=&show=
Dann schauen Sie sich noch diese hier an:
http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3310728
von Propheten und Moneten.
Dann werden Sie (hoffentlich) erkennen, dass auch Sie Opfer einer rafinierten Propaganda der Finanzwirtschaft geworden sind.
"ich sehe nur, dass ich etwa 1000 im Monat (incl. AG Anteil)"
Das ist viel Geld. Das kommt aber auch daher, dass die Wiedervereinigung zum überwiegenden Teil über die Sozialkassen und damit von den abhängig Beschäftigten finanziert wurde.
"einzahle und später mal ca 1800 Rente auf heutiger Kaufkraft zu erwarten habe....die ... keinerlei Rendite ergeben"
Woher wissen Sie das? Sie sagen doch selbst 1800 AUF HEUTIGER KAUFKRAFT(!). Da kann sehr wohl eine ordentliche Rendite dabei rumkommen wenn Sie die Entwicklung der Kaufkraft berücksichtigen, wie die sich entwickelt kann keiner sagen. Bei den ganzen null Zins Milliarden die die EZB gerade rausgibt kann man es sich aber denken.
Anders herum, die private Versicherung gibt Ihnen einen Garantiezins vor. Wenn jetzt der EURO abgewertet wird....puff, dann wars das mit der tollen Rendite. Der Staat wird immer für seine Rentner sorgen (müssen) in der Rentnerdemokratie.
Hinzu kommt, auch die kapitalgedeckte Altersvorsorge ist genaugenommen ein Umlagesystem. Die Wirtschaft der kommenden Generation muss schließlich auch die Forderungen aus Ihrer Kapitallebensversicherung erwirtschaften (Ihre Rendite).
Ihrem letzten Absatz stimme ich voll zu. Es gibt vieles was man besser machen könnte. Es muss eine soziale Komponente auch in der Rentenversicherung geben! Das ist aber weit weg von Riester und Konsorten und darum geht es in dieser Diskussion.
Sie haben insofern Recht, dass wir die Selbstständigen, die Beamten, die Besserverdienenden in die Solidargemeinschaft zurückholen müssen, nicht nur bei der Rente, bei den kompletten Sozialversicherungen. Wer zahlt denn das Hartz4 Geld eines gescheiterten Unternehmers?
Ich weiss wie die GRV funktioniert. Verraten Sie mir mal, wieso ich zwangsweise in ein Umlagesystem zahlen soll, was absehbar nicht wirklich funktioniert? ich sehe nur, dass ich etwa 1000 im Monat (incl. AG Anteil) einzahle und später mal ca 1800 Rente auf heutiger Kaufkraft zu erwarten habe. Das sind fast 400.000 Einzahlungen, auf auf 19 Jahre aufgeteilt keinerlei Rendite ergeben. Ich kann eher durch die zukünftigen Nullrunden (Alterseinkünftegesetz) eine Negativrendite erwarten.
Sinniger wäre die gesetzliche Rente auf eine umlagebasierte Grundsicherung umzustellen und den Rest privat zu gestalten (ähnlich der Schweiz). Zum einen hätte die Rente dann eine Solidarkomponente (existiert momentan nicht). Zum anderen wäre die Anlageform frei - wer will kauft eine Immobilie oder legt sich Bundesschatzbriefe in den Sparstrumpf. Wichtig wäre nur, dass es keinen Zwang gibt eine Versicherung reich zu machen. Siehe Amis, die haben u.a. ein 403 Plan, dazu brauchts keinen Finanzgeier.
eine Nation, ein Staat, die/der erlaubte den gesetzlich Versicherten zur Aufbesserung der eigenen Rente Zusatzleistungen in die gesetzlichen Rentenkassen zu zahlen.
Leider endet dieses Märchen nicht: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
Es endet mit einer privaten kapitalgedeckten Altersvorsorge, damit die Banken und Versicherungen sich noch mehr bereichern können, ganz abgesehen von den Zuschüssen vom Staat, die alle zahlen müssen, denn der Staat sind ja wir alle.
Armes Deutschland.
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