Affäre um Ex-BayernLB-Vorstand Die Welt der Abzocker

Wer als Vorstand einer Bank ganz nebenbei 50 Millionen Dollar einsteckt, ist frech und dumm. Doch es wäre falsch, allein auf Gerhard Gribkowsky zu blicken. Der Fall offenbart vielmehr die Abgründe im gesamten Bankenwesen.

Ein Kommentar von Hans Leyendecker

Das Fehlverhalten von Bankern, die Milliarden Euro verzockt und virtuell verbrannt haben, wird vielerorts von Staatsanwaltschaften aufgearbeitet. In jedem Fall muss juristisch geprüft werden, ob Dilettanten am Werk waren, die schlicht nicht wussten, was sie anrichteten, oder ob sie doch vorsätzlich gehandelt haben. Gier und Dummheit allein sind nicht strafbar. Aber es gibt in der Gesellschaft eine Sehnsucht nach Sühne.

Da mag manchem Betrachter der Fall des früheren Vorstandsmitglieds der BayernLB, Gerhard Gribkowsky, gerade recht kommen. Zwar gilt auch für ihn bis zu einer etwaigen rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung, aber ein bisschen merkwürdig hat er sich schon verhalten.

Wer als Vorstand einer Bank ganz nebenbei Geschäfte macht und für Beratungsleistungen still fünfzig Millionen Dollar einsteckt, ist frech und dumm. Er ist frech, weil er vermutlich selbst geglaubt hat (und möglicherweise noch glaubt), das Geld stehe ihm zu. Er ist dumm, weil er geglaubt hat, damit durchzukommen. Die Umstände der Enttarnung in diesem speziellen Fall lassen jedenfalls den Schluss zu, dass Herr G. die Bodenhaftung verloren hat.

Das von Gribkowsky eingesackte Honorar ist so aberwitzig hoch, dass die Frage erlaubt sein muss, warum ihm jemand für was auch immer so viel Geld gezahlt hat. Die Umstände der Transfers werden möglicherweise in den juristischen Verdachts-Komplexen Untreue und Verdacht der Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr geklärt werden. Allein die Millionensumme der angeblich hinterzogenen Steuer wiegt schwer. Gribkowsky hätte sich am Ende nur noch mit einer Selbstanzeige retten können. Aber es gibt keinen Hinweis, dass er diesen Ausweg noch erkannt hat.

Kapitulationserklärung der Kontrollinstanzen

Nein, dieser Beschuldigte befindet sich in einer unkomfortablen Lage. So kann er sich auch der Vorverachtung derjenigen sicher sein, die in der Finanzkrise in den Vorständen oder in den Kontrollgremien selbst versagt haben. Viele von ihnen tun ja gern so, als habe es sich bei alledem nur um eine unentrinnbare Naturkatastrophe gehandelt, der sich niemand in den Weg hätte stellen können. Herr G. gibt da einen prächtigen Sündenbock ab.

Besonders empört geben sich intern einige der früheren Vorstände und ehemaligen Verwaltungsräte der BayernLB. Wer hätte das von so einem gedacht? Die Herren reiben sich erstaunt die Augen.

Wahr ist aber auch, dass es den Abgreifern immer wieder zu leicht gemacht wurde. Dass die Herren von der Landesbank den milliardenschweren Anteil im Formel-1-Geschäft verkauften, ohne eine eigene Bewertung des Pakets vorzunehmen, kommt einer Bankrotterklärung des Vorstands und eine Kapitulationserklärung der Kontrollinstanzen gleich. Ein bisschen echte Selbstkritik wäre da angebracht. Wer nur auf den Mann im Gefängnis zeigt, auf den weisen nun mal drei Finger der eigenen Hand selbst zurück.

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