Meist heiter bis wolkig

Wetterstation von Netatmo im Test /
Von Pascal Paukner
/ Veröffentlicht am , im Digitalblog

Minimalistisches Design: das Außen- und Innenmodul (rechts) der Wetterstation von Netatmo

(Foto: Pascal Paukner)

Elektronikmärkte sind schizophrene Orte. In den Fernseh- und Mobilfunkabteilungen dieser Läden kennt der technische Fortschritt kaum Grenzen. Es geht dort stets um höhere Auflösungen, knalligere Farben, schärfere Kontraste und schnellere Prozessoren. In Elektronikmärkten, so hat man den Eindruck, kann man die Zukunft sehen.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die Vergangenheit ist meist nicht weit, sie steht ein paar Regale weiter bei den Wetterstationen. Die Geräte sehen heute noch immer aus wie vor zwanzig Jahren. Grau, trist, langweilig. Keine digitale Revolution, nirgends. Bislang zumindest. Denn das könnte sich ändern. Das französische Start-up Netatmo hat eine neue Wetterstation entwickelt. Sie soll den überschaubaren Markt aufmischen.

Was ist das für ein Gerät?

Eine Wetterstation, gebaut für das 21. Jahrhundert. Sie besteht aus zwei Modulen. Das Innenmodul misst Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck, Kohlenstoffdioxid-Konzentration und Lautstärke. Das Außenmodul erfasst Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Sämtlich Messdaten werden über Wlan an die Server des Unternehmens gesendet, von dort lassen sie sich über Smartphone, Tablet oder Web-App abrufen. Wenn die Luft in der Wohnung schlecht wird oder im Freien die Temperatur sinkt, warnt das Gerät den Nutzer. In Diagrammen lässt sich der Messeverlauf nachvollziehen und so ein Archiv der Daten anlegen.

Wer braucht sowas?

Das Unternehmen selbst zielt auf Großstädter ab, bewirbt das Gerät als "urbane Wetterstation". Da detaillierte Wetterdaten über Ballungszentren aber auch andererorts im Internet zu finden sind, dürfte die Station vor allem für Bewohner ländlicher Regionen interessant sein. Dort liegen die offiziellen Messstationen oft weit auseinander und es ist schwierig, an spezifische Wetterdaten zu gelangen. Ansonsten: Geeks, die ihr Wetter am liebsten selbst messen wollen, aber keine Meteorologie-Geeks sind. Denn die werden Regensensor und Windmesser vermissen.

Wie funktioniert es?

Das Setup ist einfach. Mehr als eine Wlan-Verbindung, eine Mailadresse für den Netatmo-Account und ein Smartphone, Tablet (iOS, Android ab Version 4.0) oder Computer braucht man nicht. Einstecken, Firmware aktualisieren, Wlan freigeben, Account anlegen. Das war's. Die Anlage beginnt dann mit der Aufzeichnung der Messdaten.

Wie macht sich das Design?

Ganz ordentlich. Das Aluminumgehäuse könnte von Apple stammen, auf der diesjährigen CES hat das Unternehmen damit zwei Designpreise abgestaubt. Wohl auch, weil die Konkurrenz häufig noch ziemlich vorsintflutlich aussieht.

Was fällt positiv auf?

Das gesamte Konzept. Zugegeben: Wer sonst nicht viel mit Technik anfangen kann, braucht auch diese Wetterstation nicht. Wer sich aber für das Wetter interessiert und Technikrimskrams gut findet, wird es wohl auch ganz charmant finden, von unterwegs mal die Kohlenstoffdioxid-Konzentration zu Hause zu checken. Auch gut: Die optionalen Push-Benachrichtigungen aufs Smartphone, wenn beispielsweise die Raumluft schlecht wird oder im Freien die Temperatur unter drei Grad Celsius sinkt.

Was fällt negativ auf?

Die Software. Alle fünf Minuten sammeln die beiden Module neue Daten und speichern sie ab. Damit lässt sich aber kaum etwas anfangen. Es gibt nur eine Standardansicht, die den Datenverlauf in der Vergangenheit zeigt. Vergleiche mit anderen Orten, Durchschnittswerten oder alternative Visualisierungen sind nicht möglich. Auch wird der Nutzer mit der Deutung der Daten alleine gelassen. Was bedeutet steigender Luftdruck oder eine höhere Luftfeuchtigkeit fürs Wetter? Das wird nicht erklärt. Weiterer Schwachpunkt: Die Daten lassen sich nicht ohne weiteres exportieren.

Und der Preis?

Happig. 170 Euro kostet die Wetterstation von Netatmo derzeit.

Das Fazit?

Meist heiter bis wolkig. Idee und Design sind klasse. Die Software-Funktionen sollten noch ausgebaut werden.

Der Hersteller hat der Redaktion das Testgerät für den Testzeitraum kostenlos zur Verfügung gestellt.