Beobachte Olympia für mich, Internet!

Webdienst IFTTT /
Von Pascal Paukner
/ Veröffentlicht am , im Digitalblog

Macht was man will: der Webdienst IFTTT.

(Foto: Screenshot)

Die Digitalisierung ist ein Segen für Kulturpessimisten. Ständig bringt sie neue Entwicklungen hervor, über die sich hervorragend lamentieren lässt: Soziale Netzwerke? Wir werden alle vereinsamen. Filesharing? Künstler sterben aus. Smartphones? Volkskrankheit Burnout.

Dabei ist oftmals gar nicht so sehr die Frage entscheidend, ob eine neue Technologie gut oder schlecht ist, sondern, auf welche Art und Weise sie eingesetzt wird. Wer auf Twitter willkürlich 500 Nutzern folgt, wird kaum soziales Kapital daraus schlagen können. Wer sich genau überlegt, wessen Nachrichten er abonniert, schon. Lädt jemand permanent Musik herunter, wird er den Kulturschaffenden kaum helfen. Versichert er sich damit, dass der Konzertkartenkauf auch lohnt, ist das Bild ein anderes.

Ähnliches gilt auch für das Smartphone. Wer sich per E-Mail, App oder Push-Benachrichtigung über jede Kleinigkeiten informieren lässt, wird sich von der digitalen Informationsflut schnell überfordert fühlen. Immer klingelt irgendetwas. Besonders in Zeiten medialer Großereignisse wie den derzeit stattfindenden Olympischen Spielen. Goldmedaille im Luftgewehrschießen? Ringding. Neuer Weltrekord im Schwimmen? Dingdong.

Kooperationen mit zahlreichen Webdiensten

Das ist die eine Seite. Die andere Seite heißt IFTTT, sie ist in Wahrheit eine Webseite und sie macht das Leben in der Informationsflut einfacher. IFTTT, das steht für "if this then that" und es funktioniert ein bisschen wie ein Dauerauftrag bei der Bank. Der Bank sagt man: Jedes Mal wenn Ereignis A eintritt, dann führe Aktion B aus. Beispielsweise: Überweise jeden Monatsanfang 1000 Euro an den Münchner Vermieter. Ähnlich funktioniert IFTTT. Nur sind die Kombinationsmöglichkeiten komplexer. Der Klassiker ist: Wer bei Facebook ein neues Profilbild hochlädt, dessen Bild auf Twitter wird automatisch aktualisiert. Das spart Zeit und Aufwand.

Um solche standardisierten Abläufe zu ermöglichen, kooperiert das Unternehmen aus San Francisco mit zahlreichen anderen Webdiensten. Google, Dropbox, Instagram, und Evernote sind beispielsweise mit dabei. Und passend zu Olympia ist neuerdings auch der amerikanische Sport-Fernsehsender ESPN mit an Bord.

Populärste Kombinationen auf einen Blick

Für Olympiafans eröffnet das neue Möglichkeiten. Mit wenigen Klicks lässt sich IFTTT so konfigurieren, dass der Dienst sich immer dann bemerkbar macht, wenn man es will. Befehle wie: "Schicke mir eine E-Mail, wenn das britische Team Gold gewinnt", sind möglich. Oder auch: "Wenn ein kanadischer Sportler einen Weltrekord aufstellt, dann twittere das." Wer will kann auch sein Twitter-Profilbild durch die Landesflagge der jeweils letzten Weltrekord-Nation ersetzen lassen. Oder, oder, oder.

Zum Start gibt IFTTT seinen Nutzern einige Denkanstöße mit auf den Weg. Auf einer Übersichtseite listet der Dienst die populärsten Kombinationen auf. Eigentlich sollte da für jeden etwas dabei sein. Wer immer noch überfordert ist: Einfach bei Medaillengewinnen des deutschen Teams E-Mails schicken lassen. Nervt nicht. Und wenn es so weitergeht wie bisher, sind es nicht allzu viele. Da hat sogar der Kulturpessimist seine Ruhe.