Virtual-Reality-Brille Oculus Rift Hightech, die Leiden lindert

International Games Week Berlin Ein Mann spielt am 08.04.2014 auf der International Games Week in Berlin ein Videospiel mit der Brille 'Oculus Rift', die in Echtzeit die Bewegungen der Blickrichtung in das Spiel überträgt. Die International Games Week Berlin findet vom 08.04.2014 bis zum 13.04.2014 statt. Foto: Daniel Naupold/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

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"Das ist fantastisch": Eine schwerkranke alte Dame läuft mithilfe einer Datenbrille durch die virtuelle Toskana und genießt so eine Freiheit, die ihr der Krebs seit langem verwehrt. Schon wird diskutiert, ob Geräte wie Oculus Rift sich auch zur Behandlung kranker und traumatisierter Patienten eignen.

Von Hakan Tanriverdi

Roberta Firstenberg hat einen Traum. Darin reist Enkelin Priscilla mit ihr in die Zukunft und heilt sie dort von ihrem Krebs. Jenem Krebs, der Firstenberg daran hindert, ihr Haus in Seattle zu verlassen. In ihrem Traum kann die ältere Dame endlich wieder einen Blick auf die Welt erhaschen, draußen vor ihrer Haustür. Sie vermisst diese Welt, besonders ihren Garten und die Schmetterlinge.

Als Firstenberg ihrer Enkelin von diesem Traum erzählt, hat diese eine Idee: Sie schreibt eine Mail an die Entwickler von "Oculus Rift", einer Virtual-Reality-Brille (VR), und bittet um ein Exemplar. Die Brille gaukelt dem Benutzer über zwei kleine Bildschirme eine dreidimensionale Umgebung vor. Dreht der Nutzer seinen Kopf, registriert das Gerät die Bewegung und passt den Blickwinkel entsprechend an. Gerade erst hat Facebook den Hersteller der Brille aufgekauft - für 2,3 Milliarden Dollar.

Als Priscilla Firstenberg das Gerät tatsächlich zugeschickt bekommt, lädt sie eine virtuelle Version der Toskana hoch und setzt ihrer Großmutter die Brille auf. Was danach geschieht, ist in einem Youtube-Video zu sehen: Oma Roberta taucht ins virtuelle Italien ab und findet es dort fantastisch. Während es in Seattle regnet und schneit, scheint in der Toskana-Demo die Sonne. Roberta begutachtet Schmetterlinge und weite Felder. Endlich kann sie das Haus verlassen, ohne dafür auch nur aus ihrem Sessel aufstehen zu müssen.

Einsatz abseits von klassischem Gaming?

Seit Priscilla Firstenberg das Video im November ins Internet stellte, haben es mehr als 200 000 Menschen angeschaut. Oma Roberta ist mittlerweile verstorben. Aber noch immer bekommt die Enkelin Feedback von Internetnutzern, wollen Menschen mit ihr sprechen, die von den vielseitigen VR-Brillen begeistert sind, die bislang vor allem in der Gaming-Branche eine Rolle spielen.

Virtuelle Realität als Lebenshilfe für schwerkranker Patienten? Brillen gar als Behandlungsmethode, etwa in der Trauma-Therapie? Die Technikseite The Verge beschreibt ein konkretes mögliches Einsatzgebiet der VR-Techhnik: die Behandlung von Soldaten, die an posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) erkrankt sind. In diesem Feld könne es sich lohnen, die VR-Brille einzusetzen, heißt es in dem Artikel. Diese und ähnliche Überlegungen beruhen bei aller Unterschiedlichkeit darauf, mithilfe der VR-Technik den Traumapatentienten in die Situation hineinzuversetzen, die das Trauma ausgelöst hat.

Christiane Eichenberg sieht solche Ansätze kritisch. Die Professorin für klinische Psychologie hat sich in einer Studie (hier als PDF-Datei) mit dem Forschungsstand auseinandergesetzt, den es zur Behandlung psychischer Störungen mithilfe virtueller Realitäten gibt. Sie warnt, dass der Einsatz von VR-Technik nicht die Fähigkeiten eines Klinikarztes ersetzen kann: "Diejenigen, die VR in der Therapie einsetzen, sollten sich darüber im Klaren sein, dass diese Werkzeuge immer Teil eines größeren Therapieplanes, also ergänzend, sein müssen", so Eichenberg.