Facebooks Universalstrategie, Teil 2: Teile alles

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Bislang teilen Nutzer viele Interaktionen über den "Gefällt-mir"-Button mit. Nun führt Facebook Verben ein. Das ist vor allem für Entwickler interessant. Beispiel: Höre ich über eine Facebook-App "Losing My Religion" von REM, erscheint in meiner Timeline "User xy hört 'Losing My Religion' von REM". 

Solche Apps soll es künftig für jede Aktivität geben: "Man hat ein Essen gegessen, ist einen Wanderweg gelaufen, hat einen Song gehört", beschrieb Zuckerberg die Vision, "Menschen können millionenfach besser ausdrücken, was sie tun." Der Vorteil für Facebook liegt auf der Hand: Die Handlungen werden automatisch auf den Facebook-Servern archiviert, der Konzern erhält besser auswertbare und katalogisierbare Daten über das Nutzerverhalten, die er über personalisierte Werbung vermarkten kann.

Für Facebook-Apps wird es zudem künftig leichter, solche Mini-Nachrichten selber zu schreiben. Den Nutzer sollen sie nicht weiter stören, weil diese Handlungen in den "Ticker" fließen. Dort erscheinen nun solche belanglosen Meldungen, damit Nutzer wissen, was ihre Freunde gerade machen. Dies ist für einen weiteren Punkt wichtig: den gemeinsamen Medienkonsum.

Facebooks Universalstrategie, Teil 3: Werde ein Medienzentrum

Wann immer ein Nutzer Musik hören, einen Film sehen oder einen Artikel lesen will - er soll es künftig auf Facebook tun. Dies sollen Streamingdienste wie Spotify, Hulu oder Netflix ermöglichen. Auch journalistische Portale wie die Washington Post oder der Guardian bieten künftig eine eigene Facebook-Anwendung an, mit deren Hilfe Nutzer Inhalte über Facebook lesen können, ohne die Seite verlassen zu müssen.

Was Facebook dezentralen Lösungen voraushat, ist der Freundeskreis. Am besten lässt sich das anhand des Musikkonsums erklären. In der Ticker-Leiste erfährt ein Nutzer, welcher seiner Freunde gerade Musik hört - und kann sich einklinken, wenn ihm der Song gefällt. Dies gilt analog für den Filmkonsum über Hulu oder Netflix.

Diese Sozialisierung des Medienverhaltens könnte Filmindustrie und Musikbranche theoretisch neue Vertriebswege für ihre Inhalte erschließen - an denen Facebook kräftig mitverdienen kann.

Ob und wann der kollaborative Medienkonsum allerdings auch nach Deutschland kommt, ist noch ungewiss. Die prominenten Partner wie Spotify und Netflix haben bislang für Deutschland keine Lizenzen, bei Musik-Streamingdiensten stellt sich häufig die Gema quer.

Fazit: Riskantes Spiel

Facebook verspricht mit den Änderungen den Nutzern neue Gemeinschaftserlebnisse und eine Art digitales Logbuch für das eigene Leben an. Dafür mutet das Unternehmen ihnen allerdings nicht nur starke Veränderungen in Optik und Nutzerverhalten zu; wer Facebook wirklich im Zuckerberg'schen Sinne erleben möchte, nimmt dafür ein Digitalprotokoll in Kauf, das den Einzelnen noch gläserner macht.

Dies ist viel verlangt: Werden die Nutzer ob der Flut der hinterlassenen Daten misstrauisch, haben sie keine Lust auf ein komplettes Facebook-Leben oder hakt es schlicht an der Nutzerfreundlichkeit, könnte dem Portal der Absturz drohen.

Das Risiko nimmt Zuckerberg offensichtlich in Kauf, denn geht der Plan auf, könnte Facebook zu einem der mächtigsten Unternehmen der Gegenwart werden: Tummeln sich die Nutzer auf Facebook, kann die Firma jeder Branche, die dort vertreten sein möchte, die Bedingungen diktieren.

Was einmal als College-Plattform für Freundschaften und Bilder begann, ist längst zu einem der ambitioniertesten Projekte in der Geschichte des Internets geworden.

Doch wie sieht das Zuckerberg-Internet aus, sollte dieses Projekt tatsächlich gelingen? Die Antwort darauf könnte Verfechtern eines dezentralen Netzes durchaus Furcht einflößen.

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(sueddeutsche.de/moe/lala)