Zuckerberg stellt Änderungen vor Facebook wird zum eigenen Internet

Mark Zuckerberg macht Ernst: Auf der Entwicklerkonferenz F8 stellt der Facebook-Chef neue Funktionen vor, die das Portal zum Medienkonsum-Zentrum und zum kompletten digitalen Lebensarchiv seiner Nutzer machen sollen. Ein riskanter Plan, doch es winkt eine ungeahnte Machtfülle im weltweiten Netz.

Von Johannes Kuhn

Mark Zuckerberg ist kein großer Präsentator, doch auf der Facebook-Entwicklerkonferenz kann er seinen Stolz nicht verbergen: "Lange waren sich viele Menschen unsicher, wie lange das Phänomen existieren würde", sagt er den anwesenden Mitarbeitern, Programmierern und mehr als 100.000 Zuschauern im Live-Stream, "aber ich glaube, die Menschen begreifen nun, dass soziale Netzwerke ein allgegenwärtiges Werkzeug sein werden, mit dem Menschen weltweit in Verbindung bleiben."

Facebook will bleiben: Trotz des jüngst verschobenen Börsengangs. Trotz der neuen Konkurrenz durch Google Plus. Trotz der drängenden Frage: Was macht das Portal, wenn es nicht mehr wachsen kann? Bei mehr als 750 Millionen registrierten Mitgliedern und teils stagnierenden Nutzerzahlen muss das Unternehmen von Mark Zuckerberg darauf eine Antwort finden.

Er hat sie offenbar gefunden und sie lautet: Facebook geht aufs Ganze. Über den allgegenwärtigen "Gefällt-mir"-Knopf war der Dienst längst einem herkömmlichen Freundschaftsportal entwachsen und zum Netz hinter dem Internet geworden. Nun folgt der nächste Schritt der Metamorphose - Facebook entwickelt sich immer deutlicher zu einem eigenen Internet.

Der Hintergrund: Bereits jetzt verbringen Nutzer in vielen Ländern weltweit mehr Zeit bei Facebook als auf irgendeiner anderen Seite. Alleine in den USA sind dies monatlich mehr als 53,5 Milliarden Stunden, das Vierfache von dem, was Nutzer bei Google verbringen.

Um diese Zeit weiter zu steigern - und damit auch die Werbeeinblendungen, die vermarktbaren persönlichen Informationen - muss Facebook die Nutzer weiter an die Plattform fesseln. Künftig, so die Zuckerberg-Vision, sollen Nutzer ihren Alltag deshalb rund um die Uhr bei Facebook dokumentieren.

Selbst für den Konsum von Nachrichten, Filmen oder Musik müssten sie die Plattform nicht mehr verlassen.

Facebooks Universalstrategie, Teil 1: Das Buch des Lebens

"The Timeline" ist vielleicht die optisch prominenteste Änderung - denn sie betrifft das Profil. Dort können Nutzer künftig ein großes Foto als Willkommensbild hochladen, darunter kommen Porträtbild, Profilangaben, Aktivitäten und Status-Updates. Das alles wirkt optisch ansprechender.

Neu und nicht ohne Brisanz ist eine Art Zeitstrahl am rechten Rand: Dort bewahrt Facebook alle Inhalte auf, die ein Nutzer im Laufe der Zeit bei Facebook veröffentlicht hat.

Wer also beispielsweise im Mai 2011 seine Hochzeitsbilder und Fotos seiner Flitterwochen hochgeladen hat, findet sie künftig unter diesem Monat abgespeichert. Facebook will Nutzer dazu ermuntern, auch die Zeitleiste der Vor-Facebook-Zeit zu bestücken, zum Beispiel mit Kinderbildern oder Ereignissen wie dem eigenen Schulabschluss, falls dessen Zeitpunkt vor dem Beitritt liegt. "So erzählt man die ganze Geschichte seines Lebens auf einer einzigen Seite", schwärmte Zuckerberg bei der Präsentation.

Die Idee dahinter: Facebook wird zu einer Art eigenen Lebenschronik. Wer sie anlegt, dürfte mehrmals überlegen, ob er sein Profil einfach löscht - denn mit ihm verschwindet auch sein Facebook des Lebens.

Verfechter der digitalen Privatsphäre dürften diese Neuerung am heftigsten kritisieren, übermittelt ein Nutzer doch noch mehr Daten und Bilder an Facebook. Der Informationsschatz des Unternehmens über den Einzelnen wächst damit an - zielgerichtete Werbung kann so noch genauer nach Interessen und biographischen Parametern zugestellt werden.

Nutzer können immerhin entscheiden, was in ihrer Timeline wie groß auftaucht. Die Suchfunktion soll es ermöglichen, bestimmte Ereignisse und geteilte Inhalte einfach wiederzufinden.