Tweets bestimmen Farbe des London Eye Gelbes Licht für Twitter während Olympia

Twitter will Geld verdienen und sucht deshalb die Nähe zum internationalen Spitzensport. Für die Olympischen Spiele setzt der Kurznachrichtendienst auf öffentlichkeitswirksame Aktionen. Sogar das Wahrzeichen Londons, das London Eye, nutzt das Unternehmen für seinen Werbefeldzug.

Von Benjamin Zeeb

Wenige Tage vor der Eröffnung der Olympischen Spiele finden die Londoner noch allerlei Gründe, sich zu beschweren: die Sicherheitsmaßnahmen, das drohende Verkehrschaos, das Logo der Veranstaltung. Wie sich die öffentliche Stimmung mit Blick auf die Spiele entwickelt, kann man seit vergangenem Freitag an einem der prominentesten Fixpunkte der Stadt ablesen. In Kooperation mit dem sozialen Netzwerk Twitter soll das Riesenrad London Eye zur Leinwand für positive und negative Meinungsäußerungen in Kurznachrichten werden. Buntes Licht - gelb für überwiegend positive Wortmeldungen, grün für neutrale und lila für negative - soll Volkes Stimmung sichtbar machen.

Der Marketing Coup ist nur ein kleiner Teil einer umfassenderen Olympia-Kampagne des sozialen Netzwerks, die vor allem darauf abzielt alle Nachrichten zu den Spielen auf einer Seite, dem Olympic hub, zusammenzufassen. Teil dieser Strategie, die die Klickzahlen und damit die Werbeeinnahmen erhöhen soll, ist auch die Zusammenarbeit mit dem US-Fernsehsender NBC, der für die Dauer der Spiele Twitter mit Informationen und Videoinhalten versorgen wird.

Außerdem sieht die Kooperation vor, dass der sogenannte Hashtag der Olympischen Spiele - das Stichwort, unter dem bei Twitter alle Olympia-relevanten Nachrichten einsortiert werden - in NBCs Live-Übertragungen eingeblendet wird. Nachdem neuere Studien gezeigt haben, dass die Fernsehzuschauer insbesondere Live-Events zunehmend auf mehreren Plattformen gleichzeitig verfolgen, erhofft sich der Sender höhere Quoten durch eine stärkere Einbindung des sogenannten second screen, also von Smartphones und Tablets in das eigene Programm.

Großkonzerne kaufen Anzeigen

Für Twitter geht es vor allem darum, endlich ein tragfähiges finanzielles Konzept vorzustellen, um so Bewertungen von ca. 8,4 Milliarden Dollar (ca. 693 Milliarden Euro) rechtfertigen zu können. Die Strategie könnte aufgehen: Die Großkonzerne Procter & Gamble und General Electric haben bereits Anzeigen gekauft. NBC soll an diesen Einnahmen nicht beteiligt werden.

Für das Geschäft mit dem Sport bringt Twitter auch gewisse Risiken mit sich. Einerseits zeigte sich zwar spätestens bei der Winter-Olympiade 2010, dass die öffentliche Kommunikation der Athleten untereinander und mit den Fans das Interesse an großen Events steigern kann. Andererseits kann die Stimmung - das mussten die Formel 1-Verantwortlichen anlässlich des umstrittenen Rennens in Bahrain unlängst feststellen - auch schnell umschlagen. Ein Grund für die IOC und Sponsoren, beim Blick über die Themse auf viel gelbes Licht zu hoffen.