Studie zu Online-Debatten Montags kommt der Troll

Montage sind gerade noch etwas schlimmer geworden. Denn dann kommen die Trolle hervor.

(Foto: imago stock&people)
  • Bereits vorhandene Trollkommentare verleiten Nutzer zum Pöbeln.
  • Mit strenger Moderation können Webseiten Trolling bekämpfen.
Von Marvin Strathmann

Sie pöbeln in Kommentarspalten und Internet-Foren, schreiben Kommentare voller Hass, beleidigen und provozieren andere Nutzer: Trolle.

Aber was macht einen Troll zum Troll? Was bringt Menschen dazu, sich destruktiv im Netz auszulassen und damit Debatten zu zerstören statt sie zu fördern?

Bisher gingen Forscher eher davon aus, dass Trolle von sich aus schlechte Eigenschaften mitbringen. Sie seien eher sadistisch, psychopathisch und machiavellistisch veranlagt, fanden kanadische Wissenschaftler 2014 heraus. Dieser unangenehme Dreiklang wird Dunkle Triade genannt.

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Eine neue Studie von Sozialwissenschaftlern und Informatikern der amerikanischen Universitäten Stanford und Cornell zeigt: Jeder kann im Netz zur Nervensäge werden.

Die Forscher konnten nachweisen, dass nicht nur persönliche Eigenschaften Menschen zu Trollen machen, sondern auch ihre Laune - oder die Trollkommentare anderer Nutzer. Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie:

  • Stimmung: Je schlechter die Menschen gelaunt sind, desto eher werden sie zu Trollen. Und die Stimmung schwankt, je nach Wochentag oder Uhrzeit. Frühere Studien haben gezeigt, dass Menschen am Abend und an Montagen schlechter gelaunt sind als zu anderen Zeiten. Genau dann tauchen auch bösartige Kommentare vermehrt im Netz auf. Wer also unbedingt der Welt erklären möchte, warum Angela Merkel die beste oder schlechteste Kanzlerin aller Zeiten ist - und dabei konstruktiv bleiben will -, sollte das nicht am Montagabend tun.
  • Timing: Wer schon schlechte Laune hat, der behält sie auch. Die Forscher zeigen, dass Menschen, die in der einen Diskussion herumgetrollt haben, ihren Ärger mitnehmen und auch in anderen Debatten trollen. Was hilft, ist Abwarten: Wer nach einem Troll-Post länger wartet, bis er wieder etwas schreibt, kommt runter und verfasst eher keinen weiteren beleidigenden Post. "Zeit heilt alle Wunden", schreiben die Forscher.
  • Umgebung: Ein Troll kommt selten allein. Wenn die vorherigen Kommentare provozierend und beleidigend sind, ist es wahrscheinlicher, dass ein weiterer Troll-Kommentar hinzukommt. Das war der stärkste Indikator für weiteres Trolling. Auch das Thema beeinflusst die Zahl der Querulanten. Je kontroverser es ist, umso eher zieht es brachiale Kommentare an - zum Beispiel wenn es um Kriege, Religion oder genmanipulierte Pflanzen geht.

Für ihre Definition von Trolling haben sich die Forscher an den Richtlinien der Nachrichten-Webseite CNN.com orientiert. Die entsprechenden Kommentare mussten beleidigend oder irrelevant sein, oder augenscheinlich eine wütende Reaktion hervorrufen.

Um Online-Trolle näher zu untersuchen, führten die Forscher ein Experiment und eine Datenanalyse durch. Teilnehmer des Experiments mussten entweder einen leichten oder einen schweren Test lösen. Anschließend sollten sie einen Fragebogen zu ihrer Stimmung ausfüllen. Wer den schweren Test bekommen hatte, war eher schlechter drauf als die anderen.

Anschließend sollten die Teilnehmer an einer Online-Diskussion zur US-Präsidentschaftswahl teilnehmen und mindestens einen Kommentar verfassen. Dort warteten schon entweder aggressive oder normale Kommentare auf die Probanden.

Zusätzlich zu diesem Experiment werteten die Forscher in der Datenanalyse 16 Millionen Kommentare in 16.000 Diskussionen auf CNN.com aus.

Was hilft gegen Trolle?

Jahrelang lautete das Patentrezept gegen Hass im Netz: Don't feed the troll - den Troll nicht füttern! Man sollte ihn ignorieren und links liegen lassen. Dann wird er schon weggehen, irgendwann. Aber den fiesen Kommentar einfach stehen zu lassen verleitet nach den neuen Erkenntnissen wiederum andere zum Trolling. Für Seitenbetreiber ist das demnach also kein guter Ratschlag. Auch Nutzer sollten aggressive Beiträge eher melden, statt sie nur zu ignorieren.

Eine gute Diskussionsplattform könnte Trolling einschränken, schreiben die Forscher von Stanford und Cornell. Sie schlagen vor, die Stimmung anhand von Tastenanschlägen und früheren Beiträgen des Nutzers zu bestimmen. Wer zum Beispiel gerade aus einer hitzigen Debatte kommt, dem könnte ein Kommentar-Limit auferlegt werden. Das dürfte allerdings sicher vielen Nutzern als Einschränkung ihrer Freiheit, sich zu äußern, aufstoßen.

Die Forscher schlagen außerdem vor, dass Nutzer gerade gepostete Kommentare zurückziehen können. Damit die Stimmung positiv bleibe, sollten außerdem Ärgernisse für Nutzer vermieden werden, etwa lange Ladezeiten oder schlechtes Design.

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Weitere Tipps: destruktive Kommentare ausblenden und den Fokus auf konstruktive Beiträge lenken. Auch ethische Standards und Richtlinien könnten dabei helfen, Trolling zu verhindern.

Andere Forscher empfehlen Algorithmen. Sie entwickelten bereits 2015 eine Methode, mit der mögliche Trolle erkannt werden sollen, die später aus dem Forum verbannt werden würden. Dafür werden nicht die Kommentar-Inhalte der Nutzer analysiert, sondern ihr Verhalten. Kommentierten Nutzer nur wenige Beiträgen, schrieben dort aber sehr viel, dann waren es mit großer Wahrscheinlichkeit Trolle. Der Algorithmus lag in etwa 80 Prozent der Fälle richtig. Moderatoren von Foren könnten so einen Hinweis erhalten, welche Nutzer sie stärker im Auge behalten sollten.