Schutz von Kindern Großbritannnien geht gegen Abzocke-Apps vor

Für Eltern ist es häufig ein Schock: Der Nachwuchs lädt mit ihrer Erlaubnis ein Gratisspiel herunter und kauft sich dann unbemerkt teure Zusatzfunktionen. Verbraucherschützer in Großbritannien wollen solche Freemium-Angebote nun prüfen.

Fünfjährige können üblicherweise nicht viel Unfug mit Geld treiben, schließlich haben sie kaum etwas davon. Anders war das im Fall von Danny Kitchen: Das Kind aus der britischen Stadt Bristol verzockte mal eben 1700 Pfund (fast 2000 Euro) auf dem iPad seiner Familie. In dem Glauben, der Sohnemann wolle ein kostenloses Spiel herunterladen, hatte Dannys Vater sein Passwort eingegeben.

Später stellte sich heraus, dass es sich um eine sogenannte Fremium-App handelte, also eine Anwendung, deren Download zwar kostenlos ist, die aber die Möglichkeit bietet, Weiterentwicklungen und zusätzliche Features hinzuzukaufen. Der kleine Danny nutzte dieses Angebot.

Die Behörden in Großbritannien wollen künftig verhindern, dass Eltern von unangenehmen Kreditkartenabrechnungen überrascht werden. Wie die Financial Times schreibt, untersuchen Verbraucherschützer nun, ob die Gratis-Apps aus den Online-Stores von Apple oder Google Kinder dazu verleiten, Geld auszugeben. Die Behörden prüfen demnach, ob bestimmte Spiele "irreführend" oder "aggresiv werbend" sind.

"Wir sind besorgt, dass Kinder und ihre Eltern Opfer von auf unfaire Weise zum Kauf gezwungen werden, wenn sie vermeintlich kostenlose Spiele spielen, die dann aber erhebliche Kosten verursachen können", sagte Cavendish Elithorn, Direktorin der Verbraucherschutzbehörde, der FT.

"Es ist viel zu einfach für Kinder, in Spiele hineingezogen zu werden", sagte Justine Roberts, Chefin der Eltern-Ratgeberseite Mumsnet. Bevor sie überhaupt wüssten, was los ist, "haben sie riesige Kosten durch den Kauf von Münzen, Beeren und Doughnuts angehäuft".

Laut Jack Kent, einem Analysten bei IHS Screen Digest, haben die Nutzer von Freemium-Spielen 2011 etwa drei Milliarden Dollar ausgegeben. Im laufenden Jahr soll der Umsatz auf mehr als acht Milliarden Dollar steigen.

Im Fall des kleinen Danny Kitchen hat Apple sich übrigens bereiterklärt, den Eltern die entstandenen Kosten zurückzuerstatten. Und Danny soll gelernt haben, "sowas nicht noch einmal zu tun".