Bild vergrößern
Google Plus braucht neue Nutzer - nun sollen die durch eine tiefere Integration des Dienstes in die Web-Suche zur Registrierung animiert werden. (© dapd)
Anzeige
Google zeigt künftig persönliche Inhalte (vor allem aus Google Plus) in seiner Suche an und verärgert damit Twitter. Auf den ersten Blick sieht dies wie ein Konflikt unter IT-Firmen um das soziale Web aus - aber dahinter steckt mehr.
Die Argumentation von Google ist einfach und lautet: Wir würden ja gerne Twitter-Ergebnisse zeigen, aber da der Vertrag nicht verlängert wurde und wir keinen Zugriff auf die API haben, können wir das nicht.
Das ist erst einmal eine geschickte Nutzung der eigenen Dominanz: Wenn die Google-Suche zum Standard-Werkzeug für das Durchstöbern der eigenen Dokumente und sozialen Beziehungen wird, wächst der Druck auf Facebook, Twitter und all die anderen Netzwerke, ihre Plattformen dem Google-Zugriff zu öffnen - und dem Rivalen damit einen strategischen Vorteil zu verschaffen. Weil die Wahrscheinlichkeit aber derzeit gering ist und die Konkurrenten dies zumindest nicht kostenlos tun wollen, hilft die Indexierung Googles eigenem Netzwerk Google Plus.
Darf Google eigene Dienste bevorzugen?
Womit wir bei der Frage nach der Google-Neutralität wären. Die wird bereits in anderem Zusammenhang in diversen Klagen gestellt, in denen sich E-Commerce-Unternehmen beschweren, dass Google ihre Seiten bei der Suche benachteilige. Über dieses Thema beraten gerade EU-Kommission und US-Senat, gleichzeitig streiten sich inzwischen auch Akademiker, namentlich Benjamin Edelman von der Harvard Business School (seine Argumentation hier) und Joshua Wright vom Think Tank International Center for Law & Economics (hier sein Standpunkt als pdf).
Die erweiterte Suche fügt der Kontroverse die Frage hinzu, wie stark Google seine Suche auf die eigenen Dienste ausrichten darf. Techcrunch-Kolumnist MG Siegler argumentiert, dass Google sich zwar eine natürliche (und damit nicht zu beanstandende) Vormachtstellung im Suchbereich gesichert habe, aber der Versuch, eigenen Produkten dadurch zu Nutzern zu verhelfen, eine "Grauzone" sei. "Reisen, Restaurantkritik, und so weiter. Wir werden jedes Jahr mehr Fälle sehen." James Grimmelmann, Dozent an der New York Law School, fordert Google dazu auf, "sich darauf zu konzentrieren, eine gute Suchplattform zu bauen und darauf zu verzichten, ein nicht besonders gutes soziales Netzwerk zu stützen, indem es dieses an eine Suchmaschine anschließt".
Hinter alledem steht die Frage, ob Google ein einfacher Webdienst, ein Monopolist oder bereits grundlegender Teil der Web-Infrastruktur ist. Schon bei der Bewertung des Marktanteils könnten die Antworten unterschiedlich ausfallen: In Deutschland liegt dieser bei 85 Prozent, in den USA hingegen nur bei 65 Prozent.
Google als grundlegende Infrastruktur?
Aber der Marktanteil ist nicht alleine entscheidend, geht es doch im Kern darum, ob Kunden frei Konkurrenzprodukte wählen können und ob Google Rivalen behindert. Dabei ist die Suchmaschine nur zum Teil betroffen, wenn Google beispielsweise der Mozilla Foundation Geld gibt, damit die eigene Suche als Standard eingestellt ist. Eigentlicher Kern der Monopoldebatte sind die Resultate, die Google anzeigt, wenn es selbst ein entsprechendes Produkt oder einen ähnlichen Dienst anbietet.
Google erklärt zwar, seinen Kunden die relevantesten Suchergebnisse zeigen zu wollen - aber die Definition dafür hat das Unternehmen selbst in der Hand. Nun könnten wir argumentieren, dass die Suchergebnisse inzwischen entscheidend für den Erfolg eines E-Commerce-Unternehmens sind, unabhängig davon, ob es den Anbieter einer Suchmaschine als direkten Konkurrenten hat.
Damit wäre die Websuche ein fundamentaler Teil der Web-Infrastruktur und müsste womöglich direkt reguliert werden - garantierte "Google-Neutralität" sozusagen.
Doch wie sähe das aus? Müssten künftig Suchmaschinenanbieter ihre Algorithmen von einer Behörde absegnen lassen? Und welche Behörde wäre das bei einem globalen Dienst? Oder würde eine Institution bestimmte "neutrale" Kriterien für die Suche festlegen? Das alles erscheint wenig praktikabel, dennoch bin ich mir sicher, dass diese Grundsatzfrage in absehbarer Zeit gestellt werden wird.
Opt-Out als Problem
Von dieser Warte aus betrachtet könnte Google mit der Suchergebnis-Hervorhebung von Google Plus und persönlicher Dokumente wie Picasa-Fotos seinen Gegnern gute Argumente geliefert haben: Das entscheidende Kriterium scheint nun im Zweifelsfall nicht mehr als Relevanz, sondern als Weiterverbreitung des eigenen Dienstes definiert (angemerkt sei allerdings, dass der Algorithmus offenbar nicht automatisch Google-Plus-Inhalte bevorzugt).
Entscheidend könnte sein, dass bei der persönlichen Suche offenbar nicht Opt-In, sondern Opt-Out gelten soll. Obwohl Google seinen Dienst theoretisch nach Belieben verändern kann, könnte in der Praxis also bereits die ungefragte Einführung einer neuen Suchebene für Probleme sorgen - was wiederum ein Zeichen dafür wäre, wie beschränkt Google bei größeren Veränderungen seines Kernprodukts inzwischen ist.
Ergänzende Links (12.1., 9:40 Uhr):
MG Siegler legt mit einem Artikel zu "Googles Monopol-Paradox" nach. Techcrunch-Autor Eric Eldon sieht hinter der Erweiterung einen dezenten Versuch Googles, die Behörden auf eine mögliche Monopolstellung Facebooks im Bereich der sozialen Netzwerke hinzuweisen.
Christian Kohlschütter von der Datev hat mich über Twitter auf einen seiner Artikel zur Suchmaschinen-Neutralität hingewiesen. Er hält das, kurz gesagt, für eine Schnapsidee.
Matthew Ingram hat den Konflikt bei bei Gigaom nochmal prägnant analysiert.
Ich freue mich über Rückmeldungen, Gegenmeinungen, Standpunkte, ob in den Kommentaren, bei Twitter oder bei (Ironie der Webwelt) Google Plus.
- Thema
- Digitalblog RSS
- SOPA und PIPA Piraten verpennen den Protest 18.01.2012
- Transparenzdebatte im Netz Was wir über Politiker wissen wollen 17.01.2012
- US-Präsidentschaftswahlkampf Facebook wagt die Wahlprognose 13.01.2012
- Generationenkonflikt in der Internet-Debatte Was das Netz mit Elvis gemeinsam hat 13.01.2012
- Vegetarier wettern gegen ING-DiBa Dieser Shitstorm ist Wurst 13.01.2012
- Neue Internet-Bündnisse Was die Telekom mit Groupon und 9flats vorhat 12.01.2012
(sueddeutsche.de/gr)
DFB-Pleite gegen die Schweiz
...über Microsoft. Man konnte zu Linux wechseln, aber gerade in dieser Community war in den 90er Jahren das Geschimpfe am allergrößten, weil man dann erst mit den Problemen konfrontiert wurde, die man mit einem Microsoft-freien PC zwangsläufig bekam!
Dokumente von Kollegen, Freunden usw. konnte man nicht richtig öffnen und umgekehrt. Ich ging seinerzeit noch zur Schule und wenn damals digitale Dokumente gefordert waren, dann war es klar, dass der entsprechende Pädagoge wohl Microsoft Word meinte.
Heute geht der Kampf um das Netz. Facebooks Monopolstellung schwindet langsam aber sicher, denn viele Anbieter verknüpfen sich zwar einerseits damit, aber auch mit anderen sozialen Netzwerken.
Man ist in Facebook, weil die meisten Bekannten, zu denen man zwar unregelmäßig Kontakt hat, aber diesen dennoch nicht aufgeben möchte, auch dort sind. Es sei denn, man gehört zu denjenigen, die in der Clique meiner 13jährigen Cousine inzwischen treffend als "Stuhlgangposter" bezeichnet werden.
Ein neuer Trend, die Netze der sozialen Netze, hat bereits begonnen. Auf die Dauer wird Facebook das Nutzer kosten, aber es kann sich dem nicht verschließen, weil es möglicherweise sonst noch mehr davon verliert.
Denkbar und wie ich finde wahrscheinlich könnte eine Mehrfachklumpung nach Themen sein. Businessmenschen sind bei Xing, Schüler im SchülerVZ oder Facebook, Gourmets bei Qype, Techies bei Google Plus, Amateurphotographen in der Photocommunity und und und... alle können sich aber untereinander folgen und auch bei mehreren Netzwerken ihre Identitäten verknüpfen.
Google lebt(e) bis jetzt davon, dass die Suchergebnisse verlässlich neutral waren und nur an der Seite bzw. im hervorgehobenen Anzeigeteil bezahlte Werbekunden zu sehen waren - die aber auch zur Suche passen.
Wenn sich das ändert, warten Bing, Yahoo und Baidu schon, die momentan allenfalls ein Nischendasein führen.
Was macht einen Monopolisten zum Monopolisten? Dass es keine Alternative gibt. Schon viele Giganten der digitalen Welt mussten erleben, dass sie sehr schnell weg vom Fenster waren, wenn sie sich auf ihren Erfolg verlassen haben. Auch Google muss immer weiter um seine zufriedenen Kunden (also uns) kämpfen, sonst werden wir untreu. Und wir wollen neutrale Suchergebnisse! Wenn man dann freiwillig umschalten kann auf Netzwerk-Empfehlungen, ist es ja gut, aber mit Zwang wird es nicht funktionieren - dann steig ich um auf Bing - und da sind dann auch die Twitter-Ergebnisse mit drin