Plug-in Criptext So lassen sich peinliche E-Mails zurückholen

Das Criptext-Logo. Die New Yorker Firma verspricht weniger Agonie wegen peinlicher Nachrichten.

(Foto: PR)
  • Das Tool Criptext soll bereits verschickte E-Mails "ungeschehen" machen.
  • Nutzer müssen dabei aber in Kauf nehmen, dass sie ihren gesamten Schriftverkehr einem kleinen US-Start-up anvertrauen.
Von Franziska Schwarz

Software holt verschickte E-Mails "zurück"

Es funktioniert tatsächlich: Die Kollegin sieht das "Hey, Du alte Gake", das man ihr zu Testzwecken geschickt hat, nicht mehr. Die E-Mail ist zwar noch in ihrem Posteingang, aber leer. Möglich ist das dank des Plug-ins Criptext. Entwickelt hat es eine Firma aus New York. Wer die Software für den Browser herunterlädt und ihr den Zugriff auf seinen Schriftverkehr erlaubt, sieht ab da neben jeder verschickten E-Mail ein Vorhänge-Schloss-Symbol.

Ein blaues Schloss zeigt an, dass der Empfänger die Nachricht noch nicht gelesen hat. Ein graues, dass er sie geöffnet hat. Und ein rotes Schloss bedeutet, dass der Verfasser für die E-Mail einen "Rückruf" angeordnet hat. Criptext zeigt links oben einen Button namens "E-Mail Activity" an. Dahinter findet sich eine Liste der verschickten E-Mails mit der Funktion "Recall". Beim E-Mail-Dienst Outlook beispielsweise lassen sich Nachrichten ebenfalls "zurückrufen" - allerdings nur formal, mit dem Hinweis "Xy möchte die Nachrichten "unbestimmter Betreff" zurückrufen. Das lenkt die Aufmerksamkeit eher noch stärker auf den Fauxpas.

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Zusätzlich zeigt Criptext auf die Minute genau an, wann der Empfänger die Nachricht angeklickt hat. Überdies lässt sich einstellen, dass sich die Nachricht nach einer bestimmten Zeit selbst zerstört - wie bei Snapchat. Die Firma nennt den Service passenderweise "Control Freak Tracking". Bislang läuft das Plug-in nur im Chrome-Browser und funktioniert nur zusammen mit Googlemail. Versionen für Firefox, Safari und Outlook sollen in Arbeit sein.

Criptext wurde Ende 2013 gegründet, besteht der Firmendatenbank Crunchbase zufolge aus sechs Köpfen und hat Anfang Juni 500 000 US-Dollar von einem Investor erhalten. Die Firma wirbt damit, dass es alle E-Mails Ende-zu-Ende verschlüsselt. Wer Criptext nutzt, vertraut dem kleinen Dritt-Anbieter allerdings seinen gesamten E-Mail-Verkehr an. Für Menschen, die sich um ihre Daten sorgen, ist das nichts. Jetzt gibt es also die Wahl: Plugin installieren und sich durch leere E-Mails auffällig machen. Oder lieber ein paar Sekunden warten, bevor es heißt: "Senden".