Messaging-Dienst Whatsapp hat 250 Millionen Nutzer

Bisher gab es nur Spekulationen und Hochrechnungen. Jetzt hat Whatsapp erstmals Nutzerzahlen veröffentlicht: 250 Millionen Menschen sollen jeden Monat über den Messaging-Dienst Nachrichten verschicken. Für die Mobilfunkbetreiber bedeutet dies Verluste in Milliardenhöhe.

Der populäre Kurznachrichtendienst Whatsapp zum ersten Mal in seiner Firmengeschichte Nutzerzahlen veröffentlicht. 250 Millionen Menschen weltweit sollen monatlich aktiv den Dienst nutzen, teilte das Unternehmen dem Wall Street Journal mit. Damit hat Whatsapp mehr User als Twitter - das Unternehmen hatte im Dezember verkündet, erstmals mehr als 200 Millionen aktive User pro Monat gezählt zu haben.

Für die Telekommunikationsunternehmen ist Whatsapp eine Bedrohung ihres Geschäftsmodells mit SMS. Die Marktforschungsagentur Informa stellte fest, dass 2012 weltweit täglich etwa 19 Milliarden Nachrichten über kostenfreie Messaging-Dienste wie Whatsapp verschickt werden - und nur noch etwa 17,6 Milliarden reguläre SMS. 2013 soll der Studie zufolge die Nutzung von Messaging-Diensten mehr als das Doppelte des SMS-Traffic betragen.

Das britische Marktforschungsunternehmen Ovum sagte den Telekommunikationsunternehmen weltweit bis zum Jahr 2016 einen Verlust in Höhe von 54 Milliarden US-Dollar durch kostenfreie Messaging-Dienste voraus. Deshalb arbeiten die Mobilnetzbetreiber seit Jahren an ihrer eigenen Whatsapp-Alternative unter dem Namen Joyn. Der Start hatte sich jedoch zuerst mehrfach verzögert. Seit August 2012 ist Joyn im Vodafone-Netz verfügbar, seit März 2013 auch bei der Telekom.

Jedoch ist Joyn bislang bei den Nutzern kaum beliebt - was auch an der etwas undurchsichtigen Kostenstruktur liegen dürfte: So sind reine Textnachrichten im Datenpaket inklusive und werden von der Telekom nicht einmal auf das monatliche Datenvolumen angerechnet. Wird dagegen die Option "Kamera zuschalten" aktiviert, wird dies nur bei Vodafone mit dem gebuchten Datenvolumen verrechnet - die Telekom rechnet die Gesprächsdauer gar wie ein Telefonat ab.

Whatsapp dagegen war lange Zeit weitgehend kostenlos. Zwar gab es auch hier einen kurzen Aufschrei der empörten Community, als bekannt wurde, dass ab dem zweiten Nutzungsjahr für Android-User eine pauschale Gebühr in Höhe von 99 Cent pro Jahr fällig wird. Die iPhone-App war von Beginn an nicht gratis, sondern kostete im App-Store einmalig 99 Cent - und seit März dieses Jahres ebenfalls eine kleine jährliche Gebühr. Der wachsenden Verbreitung des Messaging-Dienstes tat dies jedoch keinen Abbruch.

Ebenso wenig die Debatte um die mangelnde Sicherheit. Als im Herbst vergangenen Jahres bekannt wurde, dass bei der Whatsapp-Nutzung über ein ungesichertes Wlan komplette Accounts gekapert werden konnten, empfahlen Sicherheitsexperten, auf den Messaging-Dienst zu verzichten. Whatsapp besserte umgehend mit einem Sicherheitsupdate nach, doch auch das schloss nicht alle Lücken. Auch Datenschützer haben mehrfach Bedenken gegen den Messaging-Dienst angemeldet - weil die App das komplette Telefonbuch des Nutzers auf den Firmenserver überträgt und dort mit den Listen anderer User abgleicht, um die Kontakte herzustellen.

Gegründet wurde der Messaging-Dienst von den beiden ehemaligen Yahoo-Mitarbeitern Brian Acton und Jan Koum. Sie verstehen ihr erfolgreiches Geschäftsmodell - die Financial Times Deutschland sprach von einem "positiven Cashflow" - nicht als Konkurrenz zu den Mobilfunkanbietern. Im Gegenteil: Durch Whatsapp würden, gerade in Schwellenländern, mehr Menschen dazu bewegt, einen Datentarif abzuschließen. Dass Vodafone, Telekom und Co. diese Argumentation bestätigen, ist aber wohl zweifelhaft.