Zugegeben, dass einen ständig neue Informationspakete erreichen, kann ablenken oder abhängig machen, besonders bei Menschen mit Aufmerksamkeitsstörungen. Aber Ablenkung ist kein neues Phänomen.

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Die Lösung liegt nicht darin, über die Technologie zu jammern, sondern Strategien der Selbstkontrolle zu entwickeln, wie wir das für jede andere Versuchung im Leben auch tun. Man schließt das E-Mail-Programm und Twitter, wenn man arbeitet, man legt das Blackberry zum Abendessen beiseite und bittet seinen Ehepartner, einen zu einer festgelegten Zeit ins Bett zu rufen.

Und wer zu intellektueller Tiefgründigkeit ermuntern will, muss dafür nicht gegen PowerPoint oder Google wettern. Es ist ja nicht so, dass Menschen sich vertiefte Reflexion, gründliche Recherche und präzise Argumentation je ganz von allein angewöhnt hätten.

Die Geisteskraft wächst nicht unendlich

Diese Dinge müssen in speziellen Institutionen erlernt werden, die wir Universitäten nennen. Und sie müssen durch ständige Übung frisch gehalten werden, durch etwas, das wir Analyse, Kritik und Debatte nennen.

Sie werden nicht schon allein dadurch gewährleistet, dass man sich ein schweres Lexikon auf den Schoß wuchtet, und sie gehen durch einen effizienten Zugang zu Informationen im Internet nicht einfach wieder verloren.

Die neuen Medien haben sich aus einem ganz bestimmten Grund durchgesetzt. Das verfügbare Wissen nimmt rasend schnell zu, die menschliche Geisteskraft und die Stunden, in denen wir wach sein können, aber nicht.

Zum Glück helfen uns Internet und Informationstechnologien dabei, unseren kollektiven intellektuellen Output zu bewältigen, ihn zu durchsuchen und dabei fündig zu werden, und zwar auf unterschiedlichen Ebenen, von Twitter und Vorschaufunktionen bis zu E-Books und Online-Enzyklopädien. Diese Technologien sind weit davon entfernt, uns dumm zu machen, ganz im Gegenteil: einzig durch sie werden wir klug bleiben.

Der Autor ist Professor für Psychologie an der Harvard University und hat zahlreiche Artikel und Bücher über Neurowissenschaft, Sprache und Kognition geschrieben.

Deutsch von Niklas Hofmann

Lesen Sie hierzu Berichte in der Süddeutschen Zeitung.

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  1. Digital macht nicht dümmer
  2. Der Fehler in der Neuro-Debatte
  3. Sie lesen jetzt Nur durch Technologie werden wir klug bleiben
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(SZ vom 05.07.2010/joku)