Auf dem iPad und seinen Artgenossen ruhen große Hoffnungen - allen voran die der Verlage. Auf der Ifa zeigt Apples Konkurrenz, dass sie durchaus mithalten kann.
Ein Gerät, das sich mit dem iPad von Apple hätte messen können, war bis dato nicht auf dem Markt. Doch das ändert sich. Und es scheint, als hätten die Hersteller mit Vorliebe gerade die Merkmale in Angriff genommen, an denen es dem iPad mangelt. Samsung etwa liefert bei seinem Galaxy Tab einen Adapter mit, mit dem sich das Gerät über den Multimedia-Anschluss HDMI mit Flachbildfernsehern verbinden lässt, um darauf Filme in hoher Auflösung abzuspielen - und das sogar für solche Filme, die in Divx kodiert sind.
Anzeige
Als Betriebssystem dient hier wie auch bei vielen anderen Anbietern Googles Android - ein offenes System, das den Nutzer nicht so stark wie bei Apple an das firmeneigene System fesselt und bei dem Programmierer weltweit aufgerufen sind, ihre Ideen und Programme beizusteuern.
Ganz und gar frei von solchen Beschränkungen präsentiert sich das in Deutschland entwickelte WePad (449 Euro, mit UMTS 569 Euro), das auf der Basis von MeeGo läuft. Auch MeeGo ist wie Android eine Variante des freien Betriebssystems Linux. MeeGo wird demnächst auch auf Handys von Nokia sowie in TV-Boxen mit Intel-Prozessor zum Einsatz kommen.
Alle können Flash
Einen interessanten Ansatz hat ViewSonic gewählt: Das ViewPad 100 läuft sowohl mit Windows 7 Home Premium als auch mit Googles Android, allerdings in der mittlerweile veralteten Version 1.6; aktuell ist 2.2. Alle der neu vorgestellten Geräte, darunter auch Toshibas interessantes Folio 100 (429 Euro ohne UMTS), können anders als das iPad die weit verbreiteten Flash-Videos zeigen. Das Folio lässt sich zudem via HDMI als HD-Zuspieler nutzen, die Buchse dafür ist bereits eingebaut.
Zur Auswahl stehen nun verschiedene Bildschirmgrößen - das WePad mit seinen 29,5 Zentimeter Bildschirmdiagonale führt das Feld an, dahinter rangieren Geräte wie das ViewPad und Toshibas Folio mit 25-Zentimeter-Bildschirm. Samsungs Galaxy Tab ist mit seinen knapp 18 Zentimetern das kleinste, aber mit 380 Gramm auch das leichteste; man kann es mit einer Hand halten. Es bringt auch eine Telefonfunktion mit und zeichnet Videos in HD auf. Nur eines ist trotz der unterschiedlichen Größen und Betriebssysteme gleich: Alle Geräte werden ausschließlich über einen berührungsempfindlichen Bildschirm gesteuert - so wie es Apple vorgemacht hat.
- Ifa 2010: Tablet-Computer Der verärgerte Schnelldenker 06.09.2010
- Ifa 2010: Trends Der Fernseher lernt surfen 03.09.2010
- Ifa 2010 Die verflixte dritte Dimension 01.09.2010
- Digitale Zeitungen Danke für die Kunden 05.09.2010
- Digitale Zukunft "Das Web ist tot" 18.08.2010
- W&V: E-Publishing "An Apple kommt keiner vorbei" 15.08.2010
- Neuer Tablet-Computer Ein Sonnen-iPad für jedermann 12.08.2010
(SZ vom 06.09.2010/leja)
Hm, klingt ja schon nach "schönreden".
Die Schwächen sind eigentlich die Stärken. Achso.
Wie mans nimmt. Möglicherweise ist es aber auch nur ein sich-selbst-überzeugen, weil man irgendwie weiss, das man mit dem Ding übers Ohr gehauen wurde. Aber das will man nicht zugeben, nicht mal vor sich selbst. Und plötzlich ist man der glühende Verfechter.
Wie ein Ex-Raucher, der der unablässig übers Rauchen schimpft und zetert, weil er das Nichtrauchen sonst nicht aushält ;-)
netter Versuch, der aber nur zeigt, dass sie offenbar noch nie ein Android-Handy oder einen PC mit Ubuntu oder Mint in Betrieb gesehen. Sonst würden sie nicht so daherreden. Von Kompliziertheit kann überhaupt keine Rede sein. Die sogenannte "Usability" ist hervorragend.
Aber ist halt preiswerter und klebt kein Apfellogo drauf, für das sie offenbar verdeckt werben.
Sie haben völlig recht. Sogar der Name von Apple ist ja geklaut, bei den Beatles. Ansonsten zeigt sich das Apple das neue Microsoft ist.
Linux überhaupt OpenSource gehört die Zukunft.
Fast alle Kommentare übersehen, das die Einschränkungen des iPads eigentlich die Stärke ist. Was nützt mir ein angeblich offenes System wie Linux, wenn ich die Vorzüge der Offenheit als Laie nicht nutzen kann. Als Nutzer, der keine Lust hat sich in die Untiefen eines offenen oder auch geschlossen Betriebsystems zu begeben, will ich ein einfach zu bedienendes Gerät haben. Ich selbst beobachte dies mehrmals bei meinem iPod-Touch: Er liegt auf meinem Küchentisch oder auf dem Couchtisch. So ganz nebenbei schaue ich schnell im Internet nach, ob es etwas interessantes in SZ-online gibt, oder ob ich eine wichtige Mail übersehen habe. Ich kann auch ohne Umschweife meinen Festplattenrekorder programmieren und mir Musik aus meiner CD-Sammlung abspielen. Zwei Punkte stören mich: 1. Der Monitor ist zu klein und 2. die Texteingabe ist zu "fummelig". Das iPad füllt genau diese Lücke. Nicht mehr und nicht weniger! Übrigens auf Flash kann ich verzichten: YouTube geht auch ohne. Was will ich den mit sogenannten iPad-Killern, die nur ein schlechter Ersatz von Netbooks sind?
Eine etwas realistischere Berichterstattung in Bezug auf Tablets und Pads wäre wünschenswert.
Ich habe mit dem Galaxy Tab "spielen" dürfen. Von einer ernsthaften Konkurrenz zum iPad kann bei einem empfohlenen VK von 800 Euro - für ein Gerät, das deutlich schwächer ausgestattet als das gleich teure 64 GB/3G-iPad daherkommt - kaum die Rede sein. Die viel gelobte Flash-Unterstützung führte bei einer Flash-basierten Site mittlerer Komplexität dazu, dass das Gerät kaum noch bedienbar war. Auch sonst hat man an allen Ecken und Enden das Gefühl, dass die Koreaner hier zu kurz gesprungen sind. Alles ruckelt ein bisschen, blitzt und flackert beim Zoomen und Blättern durch Sites und Fotos. Schön ist was anderes.
Und dann: Das WePad; eine reichlich merkwürdige "deutsche" Innovation (generische Hardware aus China plus hastig angepasstem Betriebssystem), die sich schnell als Bubble auf dem See der Aufmerksamkeitsökonomie erwies - man denke an die kurzweilige Berliner Pressekonferenz des Helmut Hoffer von Ankershoffen mit seinem So-als-ob-Pad ... Ob dieses Gerät, wenn es in die Läden kommt, dann tatsächlich all die schönen Android-Apps (ein ohnehin fragmentiertes Software-Bukett) ausführen kann, und ob eine massiv von deutschen Verlagen "unterstützte" Plattform "offen" bleibt, wird man sehen.
Insofern erscheint die Aussage, dieses noch nicht einmal verfügbare Produkt sei "ganz und gar frei von Beschränkungen" - verwegen.
Was noch: Ein "Me too"-Gerät von ViewSonic mit dem Antik-Betriebssystem Android 1.6? Na fein.
Fazit: Das iPad hat Unzulänglichkeiten; manche davon zgg. schmerzhaft. Aber es ist verfügbar, es sind schon über 3 Millionen Geräte verkauft worden und es gibt 25.000 Anwendungen für dieses Gerät. Ich benutze es gerne alle paar Tage - und habe auch auf der IFA keinen Konkurrenten gesehen, der einen ernsthaften "Habenwollen"-Reflex auslösen könnte. Eine Bluetooth-Tastatur kann man ihm übrigens auch spendieren - und hat dann eine ganz formidable Reiseschreibmaschine.
Egal. Schön wäre es ja, wenn jemand Apple mit neuen Ideen bei Soft- und Hardware sowie forscher Preisgestaltung überholen könnte. Bis jetzt sehe ich davon aber nichts.
Paging