Handy-Ortung in Deutschland Überwachung mittels stiller SMS nimmt zu

Deutsche Ermittlungsbehörden orten immer häufiger Mobiltelefone, ohne dass deren Besitzer etwas davon mitbekommen. Das geht aus einer Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Linken hervor.

Der Standort von Mobiltelefonen lässt sich mit relativ geringem Aufwand feststellen, ohne dass der Überwachte davon etwas mitbekommt: mittels stiller SMS. Ermittler müssen dazu lediglich die Nummer des Handys kennen. Und sie nutzen dieses Instrument immer häufiger.

So haben allein in der ersten Hälfte dieses Jahres der Verfassungsschutz, das Bundeskriminalamt, die Bundespolizei und der Zoll insgesamt 264.684 stille SMS verschickt. Den größten Anteil daran hat der Zoll mit 138.779 Ortungs-Daten. Im gesamten Jahr 2012 waren es 328.572. Diese Zahlen liefert eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Andrej Hunko.

Die stillen SMS sind nicht die einzige Möglichkeit, den Standort von Handys zu bestimmen, aber eine sehr effektive. Technisch gesehen unterscheiden sie sich kaum von normalen Kurznachrichten, außer dass sie keinen Inhalt haben und einen Steuerbefehl enthalten. Der sorgt dafür, dass auf dem Handy weder etwas angezeigt wird, noch ein Signal ausgegeben wird. Nur wenn das Mobiltelefon beispielsweise neben einem Lautsprecher liegt, könnte der Überwachte Verdacht schöpfen.

Wie oft der Bundesnachrichtendienst stille SMS zur Ortung von Mobiltelefonen verschickt hat, beantwortet die Anfrage nicht. Diese Angaben werden als Verschlusssache behandelt. Der Militärische Abschirmdienst verschickte 2012 laut der Antwort nur eine stille SMS.

"Berichte über die zunehmende Überwachung digitaler Verkehre untergraben das Vertrauen in die Freiheit des Internet und der Telekommunikation", erklärt Hunko. Die neuen, von Wikileaks veröffentlichten Dokumente würden ebenso wie die nun vorliegende Antwort der Bundesregierung belegen, dass alle Formen der Telekommunikationsüberwachung ansteigen.