Großbritannien im Kampf gegen den Terror Cameron will Verschlüsselung bei Chat-Apps verbieten

  • Der britische Premierminister David Cameron will die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verbieten, sollte er wiedergewählt werden.
  • Damit würden Dienste wie Whatsapp, Apple iMessage und Facetime illegal.
  • Ein möglicher Ausweg wäre es, wenn die Unternehmen eine technische Hintertür einbauen.
Von Hakan Tanriverdi

Verschlüsselung soll nicht länger erlaubt sein

Der Premierminister von Großbritannien, David Cameron, will die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verbieten. Bei einer Rede in Nottingham sagte er, dass es für die Arbeit von Polizisten und Geheimdiensten unabdingbar sei, sich Zugang zu Nachrichteninhalten zu verschaffen. "Die Attacken der Terroristen in Paris haben demonstriert, welche Ausmaße die Anschläge der Terroristen annehmen können", sagte Cameron. Sollte er 2015 wiedergewählt werden, kündigte er an, ein entsprechendes Gesetz in die Wege zu leiten.

Whatsapp und Apple wären betroffen

Mit einer solchen Regelung wären diverse Nachrichtenapps illegal - darunter jene von Whatsapp und Apple. Whatsapp hat 700 Millionen Nutzer weltweit und erst kürzlich seine Nachrichten verschlüsselt. Bisher gilt das zwar nur für die Android-Version, doch auch das Betriebssystem von Apple dürfte dieses Update bekommen.

Wird eine Nachricht Ende-zu-Ende verschlüsselt, ist ihr Inhalt nicht zu lesen, wenn sie abgefangen wird. Auch Apple nutzt diese Form der Verschlüsselung, sowohl für den Nachrichtendienst iMessage als auch für die Videotelefonie Facetime. Sollte das angedachte Gesetz tatsächlich kommen, wäre es ebenfalls illegal, E-Mails über das sogenannte PGP-Verfahren zu verschlüsseln. Apple und Whatsapp müssten dann ihre Verschlüsselung abschwächen oder aufheben, damit sie in Großbritannien weiterhin legal bleiben.

Ausweg "Hintertür"

Cameron sieht eine weitere Möglichkeit: Die Unternehmen könnten "Hintertüren" in ihre Produkte einbauen. Ähnlich argumentierte die US-Regierung Mitte der 1990er Jahre im Falle des sogenannten "Clipper-Chips": Dabei handelte es sich um ein Verschlüsselungssystem, das von der NSA entwickelt worden war, um den Behörden Zugriff auf Daten zu geben. Nutzer hätten zwar verschlüsselt kommunizieren können, aber die Regierung wäre in der Lage gewesen, mitzulesen.

Das System wurde nicht eingesetzt, da sich die Öffentlichkeit in Umfragen dagegen aussprach. Hinzu kam, dass der IT-Sicherheitsforscher Matt Blaze eine Sicherheitslücke in dem angewendeten Verfahren entdeckt hatte. Damit wurde laut Gegnern ein Grundproblem deutlich: Wenn Hintertüren eingebaut werden, können diese von allen ausgenutzt werden - nicht nur von der Regierung.

"Absolut richtig für eine liberale Demokratie"

Cameron gibt zu, dass diese Möglichkeit, Nachrichten mitzulesen, durchaus umstritten sei. Aber er kenne kein System, das besser für die Sicherheit der Daten sorgen könne. Der Zugriff auf die konkreten Inhalte könne nur dann erfolgen, wenn es eine entsprechende behördliche Anordnung gebe. Er befolge ein "simples Prinzip": "Wollen wir eine Form der Kommunikation zwischen Menschen ermöglichen, ohne dass wir mitlesen können?" Camerons Antwort: Nein, das dürfe nicht passieren.

Großbritannien hat die Vorratsdatenspeicherung - als Notstandsgesetz

Großbritannien hat bereits ein Notstandsgesetz erlassen, mit dem Telekommunikationsanbieter dazu verpflichtet werden, die Daten ihrer Kunden für zwölf Monate zu speichern. Es wurde eingeführt, nachdem der Europäische Gerichtshof die Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung für nichtig erklärt hatte. Das Gesetz wurde innerhalb von drei Monaten erlassen.

GCHQ knackt Verschlüsselungs-Standards

Geheimdienste wie die amerikanische NSA und der britischer Gegenpart GCHQ verwenden bereits viel Zeit darauf, gängige Methoden der Verschlüsselung zu knacken. Das gelingt ihnen jedoch nicht in allen Fällen. Die klassische Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gilt weiterhin als unknackbar.