Google Das sind die wichtigsten Änderungen bei Gmail

Google spendiert seinem E-Mail-Dienst Gmail zahlreiche neue Funktionen.

(Foto: Google LLC)
  • Google hat ein neues Design und neue Funktionen für seinen E-Mail-Dienst Gmail vorgestellt.
  • Das Unternehmen will dem Absender mehr Kontrolle über seine Mails geben.
  • Vor allem Googles künstliche Intelligenz soll eine größere Rolle spielen und etwa Antwortvorschläge generieren.
Von Marvin Strathmann

Mehr als 1,2 Milliarden Gmail-Nutzer müssen damit rechnen, dass ihr E-Mail-Dienst bald anders aussieht, als sie es gewohnt sind: Google überarbeitet die Oberfläche und führt neue Funktionen ein. Die sollen die Sicherheit verbessern, dem Nutzer mehr Kontrolle über verschickte Mails geben und Googles künstliche Intelligenz stärker einbinden. Das sind die wichtigsten Änderungen, die Google angekündigt hat:

E-Mails mit Ablaufdatum verschicken

Für einzelne Nachrichten kann der Nutzer neue Sicherheitseinstellungen wählen und eine E-Mail etwa mit einem Verfallsdatum versehen. Nach einer zuvor eingestellten Zeit verschwindet die Mail samt Anhängen aus dem Posteingang des Empfängers. Der erhält die Nachricht nicht direkt, sondern muss sie per Link aus einer Mail aufrufen. Die ursprüngliche E-Mail bleibt nur im Postfach des Absenders gespeichert. Außerdem kann der der Empfänger daran gehindert werden, die Mail weiterzuleiten oder zu drucken.

Falls der Empfänger gehackt wird, können Kriminelle nicht auf die zerstörten E-Mails zugreifen. Wenn der Absender zum Opfer wird, sind die Nachrichten allerdings lesbar. Wie bei verschwindenden Snapchat-Fotos kann der Empfänger Screenshots des vertraulichen Inhalts anfertigen und weitergeben. Der Absender muss dem Empfänger also - wie schon immer - vertrauen, wenn er ihm vertrauliche Informationen zumailt.

Empfänger müssen sich identifizieren

Der Absender kann für einzelne Mails eine zusätzliche Sicherheitsstufe aktivieren, die sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung. Das heißt: Der Empfänger muss erst einen Code eingeben, den er per SMS erhalten hat, bevor er die Mail öffnen kann. Er bestätigt also mit seiner Handynummer, dass er die Person ist, für den die Inhalte auch bestimmt waren.

Nachrichten erhalten eine Snooze-Funktion

Wer sich frühmorgens ein paar extra Minuten im Bett gönnen will, drückt die Schlummertaste des Weckers. Das selbe Prinzip führt Google für Gmail ein: Der Nutzer fährt mit der Maus über die Mail im Posteingang und wählt den Schlummer-Button. Anschließend kann er etwa "Morgen" oder "Nächste Woche" auswählen. Die Mail wird aufgehoben und erscheint erst nach der gewählten Zeit wieder im Eingang.

Bisher haben mehrere Dienste und Erweiterungen von Drittanbietern diese Funktion für Gmail angeboten. Google zieht nun mit dem Schlummer-Button nach und integriert das Feature direkt in Gmail.

Eindeutige Warnung vor Phishing-Mails

Google will die Nutzer deutlicher vor möglicherweise schädlichen E-Mails warnen und hat die Sicherheitshinweise neu gestaltet. Wird eine Mail als gefährlich eingestuft, warnt Gmail den Empfänger mit großen Buchstaben auf rotem Hintergrund. Das soll Nutzer davon abhalten, auf Links zu klicken, die Schadsoftware verbreiten oder Daten abgreifen.

Künstliche Intelligenz soll E-Mail-Handhabung erleichtern

Google möchte Gmail-Nutzern das Denken abnehmen oder zumindest erleichtern. Dazu führt das Unternehmen drei Features ein, die auf künstliche Intelligenz (KI) setzen: automatische Erinnerungen, intelligente Antworten und wichtige Benachrichtigungen.

  • Liegt eine E-Mail schon länger im Posteingang und hält die künstliche Intelligenz von Google sie für wichtig, zeigt Gmail die Nachricht wieder oben im Posteingang an und versieht sie mit einer kleinen Erinnerung: "Vor drei Tagen erhalten. Antworten?" Wer die automatische Neuordnung der Inbox nicht mag, kann das Feature abschalten.
  • Google testet schon länger automatisch ausgewählte Antwortvorschläge in der Inbox- und Gmail-App sowie mit der App Reply für andere Messenger wie Whatsapp oder Slack. Nun sollen auch Gmail-Nutzer vor dem Computer mehrere Antwortmöglichkeiten erhalten. So kann Gmail etwa vorschlagen, auf eine Einladung mit "Dienstag passt gut" zu antworten. Nach Angaben von Google entfallen schon jetzt zehn Prozent aller E-Mail-Antworten auf dem Handy auf die automatischen Vorschläge.
  • Wer zu viele Gmail-Benachrichtigungen auf dem Handy erhält, soll in Zukunft nur noch gestört werden, wenn die KI die Nachricht für relevant hält. Die Algorithmen analysieren, welche E-Mails von welchen Absendern besonders häufig geöffnet werden. So soll die KI außerdem irrelevante Newsletter identifizieren und dem Nutzer vorschlagen, sie abzubestellen.

Endlich eine integrierte Verwaltung der Aufgaben

In einer neuen Seitenleiste am rechten Rand sollen in Zukunft weitere Dienste ihren Platz finden, etwa der Google-Kalender oder der Notizen-Dienst Keep. Auch Dritt-Apps können dort angezeigt werden.

Das kommt vor allem der Aufgabenverwaltung zugute. Bisher mussten Gmail-Nutzer auf den Pfeil links oben klicken und "Tasks" auswählen, damit sich ein kleines Fenster mit einer altbackenen To-do-Liste unten rechts öffnete. Da Nutzer ihre einzelnen Listen nicht über die Dienste hinweg synchronisieren können, war die Aufgabenverwaltung mit Google relativ umständlich und unübersichtlich.

Nun scheint sich das Unternehmen auf eine neue App zu konzentrieren. Am Dienstag wurde Google Tasks für Android veröffentlicht (Link zum Play Store). Mit der App kann der Nutzer Aufgaben und Erinnerungen anlegen. Möglicherweise schafft es Google damit, das To-do-Chaos in den eigenen Diensten aufzuräumen.

So lassen sich die Funktionen aktivieren

Wer die Gmail-Features schon jetzt ausprobieren will, klickt in Gmail oben rechts auf das Zahnrad-Symbol und wählt anschließend "Probiere das neue Gmail". Allerdings ist das neue Design noch nicht flächendeckend freigeschaltet. Möglicherweise müssen Nutzer noch etwas warten, bis sie die Schaltfläche sehen. Im Laufe der kommenden Wochen sollen die Funktionen für alle aktiviert werden.

Wie gut die Google-KI funktioniert, wird sich erst in der Praxis zeigen. Klar ist, dass das Unternehmen für diese Features die E-Mails der Nutzer scannen und auswerten muss. Das geschieht allerdings ohnehin, um etwa Spam zu erkennen. Immerhin verwendet Google die E-Mail-Inhalte nicht mehr für personalisierte Werbung. Wer größeren Wert auf Datenschutz legt, sollte Alternativen wie Posteo, Mailbox.org oder Protonmail ausprobieren.

Google will E-Mails nicht mehr zu Werbezwecken scannen

Der Gmail-Posteingang wird aber nach wie vor durchleuchtet. Wer interessenbezogene Werbung komplett abschalten will, muss selbst tätig werden. mehr...