Geschicklichkeitsspiel Flappy Bird Drücken, drücken, ausrasten

Flappy Bird

Die Idee ist so langweilig wie erfolgreich. Das Ziel des Smartphone-Spiels Flappy Bird ist es, einen Vogel in der Luft zu halten. Die Wirkung ist enorm: Als Spieler wird man sehr schnell sehr sauer.

Von Hakan Tanriverdi

Angespielt, nicht durchgespielt: Unsere Games-Kurzkritik "Screenshot" beantwortet die wichtigsten Fragen zu den neuesten Computer- und Videospielen auf allen gängigen Plattformen. Und gibt so einen ersten Eindruck, worauf Sie sich bei einem Spiel freuen können - und warum Sie lieber skeptisch sein sollten.

Worum geht es in "Flappy Bird"?

Es geht darum, einen Vogel in der Luft zu halten. Das ist wirklich schon alles. Jede Berührung des Touchscreens ist ein Flügelschlag; je öfter man also drückt, desto höher fliegt der Vogel. Das Problem ist: In seinem Weg befinden sich Röhren als Hindernisse, zwischen denen man hindurch fliegen muss. Jede Röhre, die man hinter sich lässt, bringt einen Punkt. Berührt man sie, fällt man zu Boden und das Spiel beginnt von vorne. Meine durchschnittliche Spieldauer beträgt etwa 15 Sekunden.

Nach dem Verlieren kann man seinen Highscore teilen, die App bewerten oder von vorne anfangen. Kommt man über einen Highscore von mehr als zehn Punkten, gibt es Medaillen zur Belohnung. Dieses simple Setting reicht offenbar aus, um den ersten Platz in der Kategorie Free Apps im Apple App Store zu belegen.

Was sieht vielversprechend aus?

Optisch wie inhaltlich ist Flappy Bird äußerst reduziert. Die Grafik ist nicht der Rede wert, eine nennenswerte Handlung gibt es nicht. Das Spiel bezieht seinen Reiz ausschließlich daraus, dass es den Spieler beim Ehrgeiz packt.

Mich zum Beispiel. Wie kann es sein, dass ich 20 Minuten spiele und mein Highscore noch immer bei fünf liegt? Warum drücke ich immer zu früh? Wieso spiele ich so schlecht? Flappy Bird schafft es, mir das Gefühl zu vermitteln, ein absoluter Nichtsnutz zu sein. Ich kann ja noch nicht einmal diesen Vogel sicher an den Röhren vorbeifliegen. Man muss das nicht als "vielversprechend" bezeichnen, aber wenn es einen Grund gibt, das Spiel zu spielen, dann diesen: Wie hoch kriege ich meinen Highscore?

Denn der Highscore wird während des Spielens in der oberen Bildschirmhälfte angezeigt und setzt den Spieler unter Druck: Oh, schon bei vier Punkten, jetzt aber aufpassen, dass ich ja nichts falsch mache. Wer so denkt, drückt zu oft, fliegt zu hoch, donnert gegen eine Röhre und fängt von vorne an. Und weil das sehr oft passiert, wird man sehr schnell sehr sauer. Nicht nur ich, um das an dieser Stelle explizit zu sagen.

Aber sobald man seinen Highscore knackt, blinkt ein kleines "New" neben dem Highscore und für einen ganz kurzen Augenblick verschmerzt man die nächsten schlechtgespielten Runden. Ab dann ist es das Ziel, einen neuen Highscore zu erzielen.

Warum sollte man trotzdem skeptisch sein?

Dieses Spiel frisst Zeit und kostet Nerven. Ich kenne kein so sinnloses (aber gleichzeitig seltsamerweise sehr tolles) Spiel, dessen einziger Zweck es ist, die Spieler in Rage zu versetzen.

Woran erinnert "Flappy Bird"?

Dem Namen nach offensichtlich an Angry Birds. Ansonsten ist das Spiele-Prinzip eine Standardvariante in Browserspielen, zum Beispiel im "Helicopter Game" - und auf dem Smartphone funktioniert das "drücken, drücken, ausrasten" jedenfalls sehr gut.

Was passiert, wenn man "Flappy Birds" zum ersten Mal startet?

Der Bildschirm öffnet sich, man sieht den Vogel und wird aufgefordert, den Bildschirm zweimal zu berühren. Macht man das, beginnt das Spiel. Nach einer kurzen Einflugzeit kommen auch schon die ersten Röhren und man verliert - und beginnt gleich von vorne.

Die App steht in Apples App Store oder im Play Store von Android zum kostenlosen Download.

(Mein Highscore liegt mittlerweile bei 18 Punkten.

Update: 21.)