Fairphone statt iPhone 6000 Kunden haben sich registriert

Ganz ähnlich wird es sein, wenn der Niederländer in zwei Wochen nach China reist. In der Gegend um Shenzhen, wo Chinas große Technologiekonzerne Huawei und ZTE, aber auch eine Vielzahl von Auftragsfertigern für westliche Firmen sitzen, wird er fünf Fabriken besuchen - und nach einem Ort suchen, der nicht denen gleicht, in denen die iPhones zusammengeschraubt werden. Riesige Werke, in denen die Wanderarbeiter fernab der Heimat und fernab neuer Bekanntschaften leben und in Schichten rund um die Uhr arbeiten.

"Zu glauben, dass wir die Arbeitsbedingungen von heute auf morgen ändern, wäre naiv", räumt Bas van Abel ein. Er macht sich da keine Illusionen. "Wenn wir bei Foxconn anklopfen und um höhere Gehälter und echte Gewerkschaften bitten, lachen die uns doch aus." 10.000 Smartphones, das ist in etwa das, was in den Fabriken von Foxconn täglich als Ausschuss aussortiert wird.

Womit Bas van Abel die Fertiger für sein Projekt gewinnen will, das ist das Versprechen, dass andere Kunden folgen werden. Unternehmen, die ebenso wie Fairphone Zinn, Gold oder Tantal einsetzen, das keine Bürgerkriege finanziert, keine Böden auslaugt. Und die dann eine Fabrik suchen werden, die sich damit auskennt.

6000 Kunden haben sich auf der Internetseite von Fairphone inzwischen registriert, um im Mai beim Vorverkauf für das etwa 300 Euro teure Telefon dabei zu sein. Seit vor allem im Netz über das Projekt gesprochen wird, horchen auch die Mobilfunkanbieter auf. Der niederländische Anbieter KPN, zu dem auch E-Plus gehört, hat bereits 1000 Geräte geordert. Das ist nicht viel für einen Konzern wie KPN, aber eben doch ein ordentlicher Vertrauensvorschuss. Schließlich kann Bas van Abel noch keine Testgeräte vorzeigen.

Mit Vodafone und O2 sind er und sein Team ebenfalls in Verhandlungen. Für den Niederländer ist das der Beweis dafür, dass der Verbraucher doch Macht hat. Doch er weiß auch, dass dieser Typ von Verbraucher noch nicht allzu weit verbreitet ist. "Unsere Kundschaft, dass sind die, die sich Gedanken darüber machen, woher das kommt, was sie kaufen. Nicht die, die nur ein schickes Telefon wollen."

Gespräche mit den Machern von Ubuntu und Firefox OS

Transparent soll das Design sein, damit die Leute sehen, was drin steckt. Das Fairphone soll Platz für zwei SIM-Karten bieten. Dann, so der Gedanke, muss man sich nicht ein zweites Telefon für die beruflichen Dinge anschaffen. Nach eineinhalb Jahren, jener Zeit also, nach der sich viele im Schnitt ein neues Handy kaufen, landet es nicht im Müll. Das Fairphone taugt auch für Schwellenländer, in denen die Menschen wegen der instabilen Netze oft auf zwei Mobilfunkanbieter und damit auch auf zwei SIM-Karten setzen.

Auf der Mobilfunkmesse in Barcelona sucht Bas van Abel nun das Gespräch mit den Machern von Ubuntu und Firefox OS, beides freie Software. Hinter der einen steht der Multimillionär Mark Shuttleworth, der sich selbst als "wohlwollenden Diktator" bezeichnet; hinter der anderen die von Mitchell Baker geführte Mozilla-Stiftung. Eine gute Software ist in einem Handy inzwischen so wichtig wie Gold. Deshalb soll das Fairphone zunächst auf Android laufen, jenem mobilen Betriebssystem, das der Internetkonzern Google auch einer Vielzahl anderer Handy-Hersteller wie etwa Samsung kostenlos anbietet.

Von jeder App, die auf eines via Android betriebenen Geräte geladen wird, kassiert Google ein Drittel. Ist das fair? Will einer, der gerechte Smartphones anbietet, sich wirklich mit einem Konzern zusammentun, dem der Ruf vorauseilt, persönliche Daten zu horten und durch seine schiere Macht im Netz kleinere Anbieter auszubremsen? "Zum Auftakt wollen wir kein Risiko eingehen", verteidigt Bas van Abel die Auswahl von Android. Er weiß: Wenn das Fairphone nicht funktioniert, wenn es dafür kaum Apps gibt, dann interessiert sich niemand dafür. Später, so sagt er, könne man dann vielleicht auch eine andere Software aufspielen. Wer die Welt verbessern will, der muss dies in kleinen Schritten tun.

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