Facebook Zuckerbergs vager Masterplan

Hat ein Manifest veröffentlicht: Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

(Foto: dpa)
  • Der Facebook-Chef hat ein neues Missionspapier veröffentlicht: Er wolle eine globale Gemeinschaft schaffen, die für alle funktioniert.
  • Über "Fake News" und Filterblasen im Netz macht sich Zuckerberg Sorgen.
Von Beate Wild, New Orleans

Facebook-Chef Mark Zuckerberg will eine "soziale Infrastruktur" schaffen, um die Weltgemeinschaft näher zusammenzubringen. In einem 5800 Wörter langen Manifest erläutert er seine Visionen für die Zukunft des sozialen Netzwerkes. Facebook könne dabei helfen, der wachsenden Abneigung gegen Globalisierung entgegenzuwirken.

"In den vergangenen zehn Jahren war Facebook darauf ausgerichtet, Freunde und Familien zu verbinden. Auf dieser Basis wird unser nächster Fokus sein, eine soziale Infrastruktur für die Gemeinschaft zu entwickeln", schrieb der 32-jährige Milliardär. Der Fortschritt erfordere, dass die Menschheit zusammenkomme, nicht nur in Städten oder Ländern, sondern in der globalen Gemeinschaft. Der offene Brief schließt an Zuckerbergs erstes Manifest zur sozialen Rolle von Facebook an, das er vor dem Börsengang des Online-Netzwerks im Jahr 2012 veröffentlicht hatte.

Der politisch angehauchte Beitrag kommt zu einem Zeitpunkt, in dem die Vereinigten Staaten unter dem neuen Präsidenten Donald Trump sich stark in Richtung Nationalismus und Protektionismus entwickeln und auch Bürger in anderen Ländern die Globalisierung eher fürchten als schätzen. Für ein Unternehmen, das mit grenzenloser Vernetzung Geld verdient, sind dies Alarmsignale.

Zuckerberg, dem immer wieder politische Ambitionen bis hin zu einer Kandidatur als US-Präsident nachgesagt werden (die er nun in einem Interview erneut dementierte), ist in den USA spätestens seit vergangenem Jahr eine umstrittene Figur. Für Republikaner verkörpert er die liberale Elite, weil er in ihren Augen zu modern handelt und eine sehr offene Weltsicht vertritt.

Sorgen um Fake News und Filterblasen

Rund um die US-Wahl war Facebook aber auch bei demokratischen Anhängern wegen der viralen Verbreitung von Falschnachrichten in die Kritik geraten. Diese hätten Verschwörungstheorien salonfähig gemacht und dazu beigetragen, Trump zum Präsidenten zu machen, so der Vorwurf.

In seinem Manifest gibt Zuckerberg nun zu, dass auch er sich Sorgen mache: wegen der Ausbreitung von Fake News und den Filterblasen, in denen die Nutzer feststecken und deshalb nichts über Ansichten politisch Andersdenkender mitbekommen.

Außerdem sei er besorgt, dass "Sensationalismus und Polarisierung zu einem Verlust eines allgemeinen Verständnisses" führen, schreibt er. Der Brief, der vor utopischen Idealen nur so strotzt, beinhaltet wenige konkrete Lösungsansätze oder auch nur Details, sondern ist eher eine von der PR-Abteilung bis zur Unkenntlichkeit geschliffene Ansammlung an guten Vorsätzen.

"Als wir angefangen haben, war die Idee nicht kontrovers. Jedes Jahr hat sich die Welt stärker vernetzt und das wurde als positiver Trend betrachtet", heißt es in dem Manifest. "Doch nun gibt es überall auf der Welt Leute, die hinter der Globalisierung zurückbleiben und Bewegungen, die sich aus der globalen Vernetztheit zurückziehen."

Global - aber nicht grenzenlos

Facebook, das weltweit mittlerweile nahezu 1,9 Milliarden Mitglieder hat, wolle diese Probleme angehen, schreibt Zuckerberg sehr allgemein. Es gehe darum, ob die Welt in Zukunft näher zusammenrücken werde oder auseinander. Ziel sei es, eine globale Gemeinschaft zu schaffen, die für alle funktioniere.

Sie hassen und sie lieben ihn

Das Silicon Valley begreift sich als freiheitsliebend. Das verträgt sich nicht mit Trumps Politik. Von Johannes Kuhn mehr ...

Global betrachtet ist jedoch auch die Macht, die Facebook über die Jahre hinweg aufgebaut hat, nicht grenzenlos. Das soziale Netzwerk ist in China blockiert, ein kostenloses Facebook-Projekt wurde in Indien verboten und in Europa muss sich der Internet-Gigant Fragen zu Privatsphäre sowie Hasskommentaren stellen.