Die Stiftung Warentest rügt den mangelnden Datenschutz bei sozialen Netzwerken, doch die Situation ist längst außer Kontrolle: Viele Netzwerke agieren in Grauzonen, die Nutzer sind machtlos.
Mehr als 15 Verstöße gegen geltendes Recht wollen von Stiftung Warentest beauftragte Juristen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des amerikanischen Internetnetzwerkes Facebook entdeckt haben.
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Viele Portale geben den Nutzern keine Kontrolle über ihre Daten. (© Foto: dpa)
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So erklärt sich der Nutzer beim Anmeldungsprozess auf der Seite damit einverstanden, dass er dem Unternehmen eine "weltweite Lizenz für die Nutzung jeglicher IP-Inhalte", die er auf oder im Zusammenhang mit Facebook auf der Plattform veröffentlicht, gewährt. IP-Inhalte sind geistiges Eigentum, etwa Bilder oder Texte. Dies ist laut Stiftung Warentest ein Verstoß gegen mehrere Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches sowie gegen die Vorschriften der Urheberrechtsgesetzes.
Facebook hat weltweit mehr als 400 Millionen Nutzer und gilt den deutschen Datenschützern als kritischstes Portal. Auch andere amerikanische Netzwerkseiten wie Linkedin und MySpace verstoßen nach Angaben von Stiftung Warentest gegen deutsches Recht.
Effizienz der Werbung
Die Gesetze hierzulande gelten auch für ausländische Netzwerkseiten in dem Moment, in dem sie in Deutschland geschäftlich tätig sind. "Maßgeblich sind dann das Jugendschutzgesetz, das Telekommunikationsgeheimnis sowie die allgemeinen Vorschriften des Bundesdatenschutzgesetzes", sagt der Düsseldorfer Rechtsanwalt Udo Vetter.
Grundsätzlich gilt: Wo Daten verarbeitet werden, muss dafür gesorgt werden, dass diese nicht in fremde Hände gelangen können. Außerdem haben die Anbieter Sparsamkeitsvorschriften zu beachten - also so wenige Daten zu erheben, wie es für den Dienst möglich ist.
Weil soziale Netzwerke ihren Service aber für sämtliche Nutzer in der Regel kostenlos anbieten, sind sie darauf angewiesen, mit Nutzerdaten Geld zu verdienen. Je mehr Daten sie kennen und speichern, umso effizienter können sie Werbung auf ihren Webseiten schalten. Mit der Effizienz steigen die Werbepreise und also auch die Einnahmen der sozialen Netzwerke.
Andererseits ist es bei den Plattformen weniger so, dass Datenerhebung von den Nutzern erzwungen wird. Vielmehr geben die Kunden Persönliches auf einer freiwilligen Basis in der Netzöffentlichkeit bekannt.
Wer diese Möglichkeit von sich aus einschränkt, wie es zum Beispiel das deutsche Netzwerk StudiVZ tut, das in der Vergangenheit von mehreren geschäftsschädigenden Datenskandalen betroffen war, der läuft Gefahr, Werbekunden und Nutzer zu verlieren. "Deshalb können auch die schärfsten Gesetze die sorgfältige Eigenverantwortung nicht ersetzen", sagt Udo Vetter.
Daten lediglich unsichtbar gemacht
Aus diesen Konstellationen ergeben sich rechtliche Graubereiche, in die viele Funktionen der Netzwerke fallen. Darüber hinaus ist insbesondere bei ausländischen Online-Portalen kaum bekannt, was die Unternehmen hinter den Kulissen mit den Daten der Nutzer anstellen.
Über Facebook zum Beispiel sagte ein Mitarbeiter des Unternehmens jüngst in einem anonym gegebenen Interview auf der amerikanischen Internetseite therumpus.net, dass jene Daten, die von Nutzern gelöscht würden, von Facebook lediglich unsichtbar gemacht würden - aber keinesfalls dauerhaft gelöscht. "In diesem Fall wird klar gegen den Willen des Kunden gehandelt", sagt Vetter. Somit verstieße Facebook hier erneut gegen das Datenschutzgesetz.
Die Gesetzesverstöße erscheinen umso dramatischer, als selbst Menschen von ihnen betroffen sind, die sich nicht bewusst auf einer der Internetseiten registriert haben.
Alleine dadurch, dass nach ihnen von anderen, angemeldeten Nutzern gesucht wird, erfahren die Betreiber der Seite von der Existenz dieser Menschen und können sie aufgrund der Suchanfragen relativ genau identifizieren. Und sie wissen, welche anderen Menschen mit ihnen in Verbindung stehen oder ihren Kontakt suchen. Lesen Sie hierzu Berichte in der Süddeutschen Zeitung.
- Facebook und Co. im Test Katastrophaler Datenschutz 25.03.2010
- Google und Facebook Die Inbox unseres Lebens 10.02.2010
- Datenschutz Spuren im Netz 31.08.2009
- Facebook und der Datenschutz Mehr Privatsphäre? Von wegen! 12.12.2009
- Facebook Freundschaft? Nein, danke 30.07.2009
(SZ vom 26.03.2010/joku)
Konsequenz der Loveparade-Katastrophe
"meine accounts sind öffentlich gesperrt"
herzlichen glückwunsch. dann ist ja alles sicher. dann habe ich mich bei den wöchentlichen berichten über "zufällig gefundene daten" oder gecrackte accounts wohl verlesen. kann ja mal vorkommen. 'tschuldigung.
"ich google mich auch oft um zu sehen was es so neues in meinem leben gibt."
wenn da was steht, ist es zu spät.
ok, angenommen ich gebe ihnen meinen namen und sie goglen mich.
sie finden dort u. a. info darüber dass ich model in australien bin, kasachischer abstammung, an einer uni in new jersey studiere, habe x jobs bei firmen in deutschland und bin mitglied in xing und ich war auch in einer schulabschlussklasse von 19xx und betreibe webcambeischlaf. hey und ich bin europameisterin in irgendeinem spiel was ich nicht kenne!
wenn ne firma mich als kasachisches webcambeischlaf model aus aussieland nicht will, well, kann man wohl nix machen.
meine accounts sind öffentlich gesperrt. ich google mich auch oft um zu sehen was es so neues in meinem leben gibt.
"Frau O. hat einen Bekannten um einen Gefallen gebeten. Weil er Hundefreund ist, bestellt sie im Internet einen Fotoband über Pitbulls und bedankt sich damit. Frau O. vermutet bei einer Freundin Alkoholprobleme, sie informiert sich in Foren, wie sie ggf. helfen kann.
Zunehmend googeln Firmen oder Personen, bevor sie Verträge abschließen; sie finden z.B. über Frau O. die Stichwörter PITBULL und ALKOHOL. Ob ein Hausbesitzer einer vermeintlichen Alkoholikerin mit Kampfhund eine Wohnung vermietet? Vielleicht kommt sogar noch Prostitution dazu? Ob ein Personaler ihr einen Job gibt? Die Stichwörter stimmen; falsch ist die Unterstellung, dass sie so auf Frau O. zutreffen. Und Frau O. kann sich nicht dagegen wehren, weil sie die Vermutungen nicht kennt. "Das Internet vergisst nichts". Die vermutete Identität: Frau O. ist Opfer und weiß nicht warum. Frau O. hatte "nichts zu verbergen"."
Gefunden bei http://litfas.de/computertreff/email-missbrauch.php
Mitdenken ist manchmal besser als Augen zukneifen.
@ blaubeer
ich oder fbook ermöglichen fehlurteile und kriminalität? hä?
ich finds blöd das unternehmen daten sammelen. ja keine frage.
ich weiss nicht wie alt sie sind, aber um die 25 hat jeder fbook und oder studivz -und handy. wenn ich das nicht habe würde ich kaum kontakte haben und wichtige info würde nicht zu mir durchdringen. z.b. bezüglich des studiums. seit fbook und co zahle ich kaum was fürs handy. sms und anrufe nehmen immer mehr ab.
ob ich das gut oder schlecht finde is eigentlich egal, es ist halt fortschritt und hat seine vor und nachteile. vorteile hats für mich ne menge. nachteile muss ich schlucken. is im leben oft so.
nomen est omen?
dass jemand - wenn er es nicht bessser weiss - Fehler macht, ist schlimm genug. Dass jemand bewusst Fehlurteile (wegen vermuteter falscher Identität) oder Kriminalität (mit gefälschter Identität) ermöglicht, entzieht sich meinem Verständnis. Wer mit der eigenen Identität zu schlampt, geht wahrscheinlich mit fremden Identitäten auch nicht besser um.
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