Inzwischen hat auch Großbritannien solche Maßnahmen angekündigt. Rechteinhaber wie Musik- und Filmindustrie drängen bereits länger darauf, gegen illegale Downloads vorzugehen. Der britische Wirtschaftsminister Mandelson hat die EU inzwischen aufgefordert, sich der Angelegenheit anzunehmen.
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Dass ein Brite plötzlich Brüssel um Hilfe ruft, hat vor allem damit zu tun, dass viele internationale Konzerne der Branche ihr Europahauptquartier in London haben. Druck auf die EU-Staaten üben auch die USA aus: Wie englischsprachige Medien berichten, soll die amerikanische Delegation bei den internationalen Verhandlungen zur Bekämpfung der Internet-Piraterie darauf gedrängt haben, künftig Internetprovider für Urheberrechtsverstöße ihrer Nutzer haftbar zu machen und sie dazu zu verpflichten, illegale Filesharer nach zwei Warnungen mit dem Entzug des Internetanschlusses zu bestrafen.
Sollte die EU eine solche Richtlinie erlassen, wäre auch der entsprechende Passus des schwarz-gelben Koalitionsvertrag in Deutschland hinfällig. Dort heißt es: "Wir werden keine Initiativen für gesetzliche Internetsperren bei Urheberrechtsverletzungen ergreifen." Das könnte im Umkehrschluss bedeuten: Startet Brüssel eine solche Initiative, wird sich Deutschland dem nicht verweigern.
Eine "Three Strikes"-Regel wird inzwischen auch in anderen europäischen Ländern diskutiert. Nach Informationen von sueddeutsche.de verhandeln die italienischen Internetprovider mit der dortigen Urheberrechts-Lobby gerade über ein entsprechendes Abkommen.
Sperren ohne Gerichtsbeschluss?
Bürgerrechtler fürchten, dass einige Länder beim Abklemmen von Internetanschlüssen die ordentliche Gerichtsbarkeit umgehen könnten. So soll in Großbritannien ein "unabhängiges Tribunal" der Telekommunikationsbehörde Ofcom über die Sperrungen und die entsprechenden Einsprüche dagegen entscheiden.
Im Frühjahr hatte das EU-Parlament solche außergerichtlichen Instanzen noch lautstark abgelehnt. Die Verhandlungen mit dem EU-Ministerrat zum Telekom-Paket, das den Rahmen für die Telekommunikationsgesetze der nächsten Jahre vorgeben soll, drohten sogar kurzzeitig zu scheitern: Das Parlament hatte im Zusatz 138 festlegen wollen, dass EU-Staaten verboten wird, den Bürgern ihren Internetzugang ohne richterlichen Beschluss zu kappen.
Im Kompromissvorschlag, der am Mittwoch in der letzten Verhandlungsrunde abgesegnet wurde, ist diese Forderung nicht mehr zu finden. Stattdessen kann jedes Land selbst entscheiden, wie es die Sperren von Internetanschlüssen regelt; einzig ein "faires und unabhängiges Verfahren" müsse gewährleistet sein.
Der Ministerrat, in dem Länder wie Frankreich und Großbritannien großes Gewicht besitzen, hatte sich schlicht geweigert, den Gerichtsvorbehalt aufzunehmen. In Paris hat inzwischen allerdings das Verfassungsgericht entschieden, dass Sperren nur von Richtern ausgesprochen werden dürfen.
Blühende Zensurphantasie
"Eigentlich sollten Politiker danach entscheiden, was machbar und sinnvoll ist", sagt Joe McNamee von der europäischen Bürgerrechtslobby EDRI, "wenn es um das Internet geht, sagen sie aber oft: 'Das müsste doch möglich sein.'" Welche Blüten eine solche Haltung treiben kann, zeigt ein Gesetzesentwurf, den der christdemokratische Senator Gianpiero D'Alia in Italien einbrachte: Demnach sollten alle Seiten gesperrt werden, auf denen Material zu finden ist, das "ein Verbrechen verteidigt oder dazu aufruft".
Dies würde bedeuten, dass bei einem entsprechenden Kommentar eines Facebook-Mitglieds die komplette Plattform für alle italienischen Internetnutzer blockiert werden müsste.
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(sueddeutsche.de/joku/holz)
Kuriose Schilder (4)
Es läuft vermutlich darauf hinaus, dass "Kritiker des neoliberalen Systems" ihre Netzzugänge verlieren würden.
Jay Rockefeller hat vor kurzem das Internet als schlimmste Sache bezeichnet und er hat sich gewünscht, dass dies niemals erfunden worden wäre.
http://www.youtube.com/watch?v=Ct9xzXUQLuY
Tja, so würden die Verursacher der Finanzkrise unter sich bleiben und uns Deutschen immer noch weiß machen wollen, dass "Wir Bürger alle schuld sind an der Finanzkrise und wir - wie Horst Köhler in seiner Berliner Rede es so unverschämt formuliert hatte - wir alle über unsere Verhältnisse gelebt hätten!
"sonst hört man von den Neoliberalen immer: " nicht so viel Kontrolle, der Markt regelt sich von alleine".
Die "Neoliberalen" (linker Kampfausdruck) wollen das gar nicht. Das sind eher die "Neocons" (auch linker Kampfausdruck).
Noch hat sich "das Blockieren von Internetseiten" nicht durchgesetzt, auch wenn es jede Menge faschistoide Bestrebungen in diese Richtung gibt.
Je ärger das ausartet, desto mehr Leute werden dies erkennen und beim nächsten Mal die Piraten wählen.
Die FDP darf jetzt nicht vergessen, dass diese Art von Bürgerrechten nicht nur Teil ihrer Wahlaussagen, sondern auch ihres Programms, ja sogar ihrer einstigen Identität ist!
Die Zensur von unliebsamen Seiten ist schon voll im Gange.
jugendschutz.net lässt heute bereits Seiten verschwinden, die müssen nicht mal Kinderpornos enthalten.
Beispiel: www.lusthaus.de
Ein Freierforum - hat mit Kinderpornos nichts am Hut, aber jugendschutz.net bemäkelt Nacktfotos und vergröbernde Texte. Die Domain wurde gesperrt aus Jugendschutzgründen - nicht nur Fotos sondern auch TEXTE werden zensiert, soweit sind wir heute schon.
Kinderpornos werden vorgeschoben um eine Zensur im genial anarchistischen Netz zu errichten, nichts neues ich weis.
wenn das mit den Wünsche bach Sperren und Filtern im Internet in dem Tempo so weitergehen können wir froh sein, wenn wir chinesiche Verhältnisse hätten. Da würden wir dann vermutlich mehr dürfen...
Vielen Dank liebe EU... (aber diese Folgen waren, sofern man nicht zu naiv war, doch abzusehen...)
Paging