Dropbox-Vizechefin Ruchi Sanghvi "Ich kann Dinge erschaffen, die Millionen User nutzen"

Ruchi Sanghvi, Vizepräsidentin von Dropbox, spricht auf der DLD-Konferenz im Januar in München.

(Foto: Jan Haas, picture alliance)

Ruchi Sanghvi war die erste weibliche Ingenieurin bei Facebook. Jetzt ist sie Vizepräsidentin des Datenspeicher-Dienstes Dropbox. Im Interview spricht sie über europäischen Datenschutz, die Konkurrenz von Megaupload und erklärt, wie sie sich in der männlich dominierten Start-up-Szene durchgesetzt hat.

Von Mirjam Hauck

Microsoft-CEO Steve Ballmer nannte den 2007 von zwei ehemaligen MIT-Studenten gegründeten Datenspeicher-Dienst Dropbox kürzlich leicht verächtlich "ein nettes, kleines Start-up". 2011 lehnte das Unternehmen ein Übernahmeangebot von Apple ab. Dropbox hat mittlerweile rund 250 Mitarbeiter und 100 Millionen Nutzer.

Ruchi Sanghvi, 1980 geboren, wuchs in der indischen Industriestadt Pune auf. Sie machte einen Master in Informatik an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh, Pennsylvania. 2005 kam sie zu Facebook. Dort launchte Sanghvi den Newsfeed und entwickelte Facebook Connect. 2010 verließ sie Facebook und gründete ihr eigenes Start-up Cove, das 2012 von Dropbox gekauft wurde. Sie ist dort jetzt Vizepräsidenten und kümmert sich um das operative Geschäft.

SZ.de: In der Cloud kämpfen Sie mit mächtigen Konkurrenten wie Google, Microsoft, Amazon und Apple um Kunden. Wie können Sie sich als vergleichsweise kleiner Anbieter behaupten?

Ruchi Sanghvi: Wir haben einige Vorteile. Zum einen sind wir die Innovatoren, die mit dieser Idee als Erste auf dem Markt waren, und zum anderen ist unser Dienst für alle Geräte und mit jedem Betriebssystem nutzbar. Apples iCloud oder Microsofts Skydrive werden immer mit Soft- oder Hardware eines Herstellers in Verbindung gebracht. Wir nicht.

Deutsche Institutionen wie das Fraunhofer Institut raten vom transkontinentalen Datentransfer ab, weil der amerikanische Datenschutz lascher als der deutsche sei. Ist das ein Problem für Dropbox?

Wir schützen die Privatsphähre unserer Nutzer, da wir ihre Daten verschlüsseln.

In den USA dürfen Behörden aufgrund des Patriot Acts ohne Richterbeschluss auf Daten zugreifen. In Europa ist das nicht erlaubt. Wie häufig muss Dropbox persönliche Daten herausgeben?

Im vergangen Jahr hatten wir weniger als 40 Anfragen von Strafverfolgungsbehörden. Wir prüfen alle Anfragen sehr genau, um festzustellen, ob sie auch den Gesetzesvorschriften entsprechen.

Kritiker empfehlen Verschlüsselungsprogramme wie Truecrypt, damit Sicherheitsbehörden oder auch die Dropbox-Mitarbeiter nicht an die Daten gelangen.

Wie gesagt, wir verschlüsseln die Daten unserer Nutzer. Und in unserem Hilfe-Center gibt es auch Diskussionen und Nutzerberichte darüber, wie Nutzer ihre Daten selbst verschlüsseln können.

Was speichern Sie alles bei Dropbox?

Ich speichere alles, von medizinischen Daten über Kopien meines Ausweises, meines Führerschein bis hin zu meiner Greencard. Das ist dort alles verschlüsselt und daher sicher aufgehoben. Worüber sich die Leute wirklich Gedanken machen sollten, ist, ob sie ein gutes Passwort haben.

Dropbox hat ein einwandfreies Image, obwohl Sie ähnliches anbieten wie Megaupload, also Datenaustausch in der Cloud. Megaupload wurde zum Piratenparadies, Dropbox nicht. Wie machen sie das?

Wie haben einfach eine gute Nutzergemeinschaft und wir haben nie illegale Aktivitäten unterstützt. Bei Dropbox speichern User ihre Arbeitsdokumente oder ihre Fotos. Das sind private Inhalte und wir unterstützen das öffentliche Teilen nicht.

Was ist für die Zukunft geplant, gibt es neue Webapplikationen à la Google Docs?

In der nächsten Zeit gibt es einige Neuerungen: Es werden neue Foto-Alben freigeschaltet, mit denen sich Bilder von Smartphones automatisch bei Dropbox speichern lassen. Zudem sollen Dienste wie Twitter und Facebook besser integriert werden.