Seit heute verkauft Amazon sein Lesegerät Kindle in Europa, doch 2010 droht neue Konkurrenz: Google wird zum Großhändler für digitale Werke.
Frankfurt feierte das gedruckte Buch. Hinter den Kulissen rang die Branche allerdings längst um ihre Zukunft. Der Durchbruch des digitalisierten Buches rückt immer näher.
Bild vergrößern
Lesen über den Browser: Google wird zum Textlieferanten ohne eigenes Lesegerät. (© Foto: iStockPhoto)
Anzeige
Dafür, dass das nun viel schneller gehen wird, als von vielen erhofft und vermutet, spricht nicht zuletzt die weltweite Vermarktung des Kindle.
Das Lesegerät für digitalisierte Bücher des Onlinehändlers Amazon wird vom heutigen 19. Oktober an über die amerikanische Webseite des Konzerns in über 100 Länder ausgeliefert, zu denen auch Deutschland, Österreich und die Schweiz gehören. Deutschsprachige Bücher für den Kindle gibt es noch nicht. Internationale Kunden können aus über 200000 englischen Titeln auswählen.
Auch Apple steht in den Startlöchern
Man will das Gerät und sein Dateiformat so rasch wie möglich etablieren, weil mehrere Konkurrenzprodukte von Firmen wie Sony, Apple und der US-Buchhandelskette Barnes & Noble ebenfalls auf den Markt für Lesegeräte drängen.
Vor allem von einem E-Book aus den Designlabors von Apple wird viel erwartet. Sollte Apple seine Musik- und Videospieler aus den Ipod- und Iphone-Familien mit einem E-Book verbinden, könnte das die Konkurrenz abhängen.
Das Geschäft mit den Lesegeräten könnte jedoch bald vom Suchmaschinenriesen Google gestört werden: Der Konzern will via Google Books nicht nur kostenlos Einblick in seine digitalisierten und gescannten Bücher liefern. Im Rahmen des Projekts Google Edition will der Konzern vom ersten Halbjahr 2010 an selbst als Großhändler ins digitale Buchgeschäft einsteigen.
Kein zusätzliches Lesegerät notwendig
Googlekunden müssen dabei kein zusätzliches Lesegerät anschaffen. Mobiltelefon oder Computer reichten völlig. Um Raubkopien vorzubeugen, soll jedoch nicht die Lektüre eines Buchs allein über den Google Browser möglich sein. Der Konzern käme so auch an ungeahnte Mengen detaillierter Nutzer-Daten.
Um Raubkopien vorzubeugen soll man lediglich 20 Prozent eines Google-Buches kopieren können. Die Google-Gebühr soll 37 Prozent des Kaufpreises eines Buches sein, 63 Prozent erhielten Verleger und Autor.
Ist noch ein Einzelhändler im Spiel, erhielte der Verlag eines Buches noch 45 Prozent, die übrigen 55 Prozent teilten sich Google und der Händler. Der Buchhandel der Zukunft könnte also nach dem Casino-Prinzip funktionieren: Egal, wer verdient, am Ende gewinnt immer Google.
- Thema
- Digital Publishing RSS
- Amazons E-Reader Der Kindle kommt nach Deutschland, aber... 07.10.2009
- Digitale Bücher Deutsche sind Papiertiger 12.10.2009
- Multimedia-Buch Gutenberg mit Gates versöhnt 15.10.2009
- Digitale Bücher Amazon zahlt für Orwell-Löschung 02.10.2009
- Sprachkurs-Software "Schäm' dich, das kannst du besser!" 19.07.2009
(SZ vom 19.10.2009/joku/gal)
Vor dem ESC-Finale in Aserbaidschan
Kann "Schrecksekunde" nur zustimmen. 400€ und dann kann bin ich mit allen Büchern, die ich drauf lade an Amazon gebunden. Und wenn irgendwo in den USA wieder ein abstruser Vergleich stattfindet, wird mein Buch auch gegen meinen Willen und ohne mein Zutun wieder gelöscht.
Virtueller Besitz ist auch realer Besitz und Eindringen in meine Wohnung und Entnahme meiner Bücher aus dem Regal ist, auch wenn der Verkauf an mich vielleicht mal unrechtmäßig war, nichts, das ich dulden würde.
Ist digital nicht anders!
Wer E-Bücher wo anders kauft, braucht dann noch einen E-Book-Reader.
Sobald's die Reader für 50 Euro oder so gibt, kann man sich das überlegen. Zur Zeit bei mehreren hundert Euro ist mir das zu festgelegt auf eine Bezugsquelle.
Hier fehlt was. Die Ebook Reader benutzen ein anderes Display (eInk) das die Schrift wie gedruckt aussehen lässt. Das ist das Besondere daran - eben kein ermüdendes Bildschirmlesen. Deswegen macht es für Apple keinen Sinn die Ipods zu erweitern. Außerdem können die schon pdfs anzeigen, was soll das für eine Erweiterung sein? Google Books am PC hat auch nichts mit mit dem Vorteil der neuen Displays zu tun. Ehrlich gesagt macht der ganze Artikel deswegen nicht so viel Sinn.